Review
von Leimbacher-Mario
Lässt mich kalt
Wes Craven hat einige (schwache) Filme fürs Fernsehen gedreht - „Chiller“ ist leider ganz klar einer davon und erzählt von einem eingefrorenen Mann, der in der (damaligen) Zukunft aus seinem eisigen Schlaf aufgeweckt wird und sich langsam aber sicher als seelenloser Mörder und Psychopath entpuppt…
Als der Protagonist, Angelpunkt und Bösewicht zu Beginn von „Chiller“ glitschig und tapsend aus seiner Eiskammer wandert, dachte ich echt kurz, mich könnte ein fröstelnd-toller Monstermovie erwarten. Doch dem war leider nahezu die komplette Laufzeit nicht so. Es entspinnt sich ein unspektakulärer und extrem entschleunigter Thriller mit milden übernatürlichen Elementen, in dem aber nahezu jedes Element dermaßen runtergefahren bis (passenderweise) eingefroren wurde, dass einem die Augen fast schon zwangsweise zufallen. Die Grundidee zwischen Seele, Körper und Menschlichkeit könnte einem kalte Schauer über den Rücken treiben. Viel mehr rollt es einem beim gebotenen Leerlauf, den wiedergekäuten und gestreckten Sets, den Bierdeckeldialogen und eher blassen Darstellern flott die Fußnägel hoch. „Chiller“ fühlt sich durch die Bank wie eine Auftragsarbeit Cravens an. Mit minimal Budget und nur als Ziel überhaupt etwas zu tun zu haben oder ein paar weitere Sponsoren für den nächsten Kinohorror zusammen zu kratzen. „Chiller“ ist eisig-egal. „Chiller“ bleibt im Regal. Bei „Chiller“ verpasst man nichts pisst man fünf Minuten im Strahl. „Chiller“ könnte kaum weiter entfernt sein vom craven'schen Gral. „Chiller“ wirkt durchgängig steif und fahl. „Chiller“ fehlt deftig das Salz im Mahl. Einzig und allein kurz Beginn, Ende und der ein oder andere Synthievibe zwischendurch retten vor einem totalen Nichtskönnerfilm. Und bei TV-Produktionen aus dieser Zeit darf man natürlich nicht unnötig streng sein. Dennoch enttäuschend und hinter all seinen Möglichkeiten.
Fazit: ein ruhiger bis langweiliger TV-Horrorchen - Wes Craven-and-Chill!