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„Ich latsche niemandem auf die Füße und hoffe, dass mir niemand auf die Füße latscht.“ (Rambo: Leben und leben lassen – doch wehe, wenn er losgelassen…)

Nach seinem fulminanten „Der Berserker“ drehte Italo-Regisseur Umberto Lenzi mit dem im Jahre 1975 veröffentlichten „Der Vernichter“ alias „Flash Solo“ einen weiteren Poliziesco mit Tomas Milian in der Hauptrolle, der diesmal jedoch als Identifikationsfigur für den Zuschauer fungiert. Der Genrebegriff muss hier indes weitgefasst werden, denn es steht keine Polizeiarbeit im Vordergrund, sondern der Privatfeldzug eines Mannes gegen mörderische Mafia-Strukturen:

Der einzelgängerische Biker Rambo (Tomas Milian) kehrt in die Stadt zu seinem alten Freund Pino (Mario Piave, „Der Berserker“) zurück. Dieser ist der mafiösen Conti-Gang auf der Spur, die den Sohn eines Mailänder Großindustriellen entführt hat und Unsummen an Lösegeld zu erpressen versucht – doch seine Ermittlungen muss er bald mit dem Leben bezahlen. Voller Wut, dennoch überlegt und gerissen macht es Rambo sich zum Auftrag, seinen Freund zu rächen, das unschuldige Kind zu befreien und im gleichen Abwasch zwei verfeindete Mafia-Clans gegeneinander auszuspielen.

„Für mich gibt’s nur ein Gesetz – nämlich meins!“

Tomas Milian sieht mit seinem Bart wesentlich älter aus als zuvor in „Der Berserker“ und spielt in diesem actionreichen Polizei-/Gangsterfilm einen schnoddrigen, verwegenen Outlaw, immer einen frechen Spruch auf den Lippen, doch konsequent und knallhart, wenn es ums Ganze geht. Damit ist er die Antithese zu Pino, einem wesentlich sanfterem Gemüt, der Anerkennung durch seine Tätigkeit für einen privaten Sicherheitsdient sucht. Wieder einmal sind die Entführungen von Kindern reicher Eltern Gegenstand der Handlung, ansonsten erinnert der Film grundsätzlich an klassische Italo-Western bzw. an den Eastern-Klassiker „Yojimbo – Der Leibwächter“, der Pate stand für „Für eine Handvoll Dollar“ und Konsorten. So ist „Der Vernichter“ in der Tradition dieser Filme zu betrachten, weniger als die Realität nachzeichnender Einblick in die Polizeiarbeit oder die italienische Mafia. Das Resultat ist ein kurzweiliger Action-Film, der möglicherweise vorwegnahm, was gerade ab den 1980ern die US-Amerikaner in Sachen „One Man Army“-Actionfilmen produzieren sollten, in denen sich ein abgebrühter, mit allen Wassern gewaschener Einzelkämpfer einer Übermacht entgegenstellt und in der Regel als Sieger aus den Auseinandersetzungen hervorgeht. So war Milians Rollenname angeblich auch beeinflusst vom Roman „First Blood“, der später zum ersten „Rambo“-Film mit Sylvester Stallone verfilmt wurde. Der Abzug sitzt hier bei allen ziemlich locker, neben den obligatorischen Verfolgungsjagden bekommt man großangelegte Schießereien und viele Tote zu einem funkigen Bläser-/Flöten-Soundtrack geboten. Diverse fiese Gangstervisagen geben sich die Klinke in die Hand, Schauspieler wie Luciano Catenacci („Der Clan, der seine Feinde lebendig einmauert“), Joseph Cotten („Das Schreckenskabinett des Dr. Phibes“) und Adolfo Lastretti („Spasmo“) beweisen jede Menge Charisma und dem wandlungsfähigen Milian scheint seine Rolle einmal mehr wie auf den Leib geschneidert. Einige interessante Ideen verfeinern die rasante und spannend erzählte Geschichte zusätzlich und sorgen für manch Überraschung.

Soziale Fragen werden weitestgehend ausgeklammert und werden nicht sonderlich vermisst, da die wohlhabende, um ihren Sohn bangende Familie zwar nicht tiefergehend beleuchtet wird, sich jedoch unzweifelhaft in der moralisch integereren Position gegenüber den skrupellosen Mafia-Clans befindet. Angenehmerweise spielt die Intelligenz des verschlagenen Rambos, der stets einen Schritt voraus denkt und sich auch neuen Situationen blitzschnell anzupassen vermag, eine neben den Schieß- und Prügelkünsten ebenfalls nicht zu verachtende Rolle, so dass die Intelligenz des Zuschauers nicht beleidigt wird. Ein rundum gelungener, toll besetzter und stilsicher abgedrehter Action-Reißer aus dem Poliziesco-Umfeld, der auch heute noch prima funktioniert und kurzweilige Zerstreuung bietet, ohne ein gewisses Niveau zu unterschreiten.

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