Eigentlich hatte ich mich auf den Film "Angelina-Von allen begehrt" sehr gefreut, doch meine positive Einstellung verflüchtigte sich bereits nach einer halben Stunde. Warum?
"Angelina" ist wieder so ein Film, der auf keiner Ebene richtig funktioniert. Für einen unterhaltsamen Erotikstreifen finde ich die Sexszenen im allgemeinen zu unspektakulär und an manchen Stellen auch schlichtweg peinlich, da die männlichen Protagonisten es nicht für nötig halten, während des (vorgetäuschten) Geschlechtsverkehrs die Jeans-Hose auszuziehen. Für einen sleazigen Exploitationstreifen gibt es zu wenig relevante Szenen. Ich möchte an dieser Stelle nicht verschweigen, dass es einige nackte Tatsachen zu sehen gibt, doch der Film verspielt zwei mal das Potenzial einer Frauenarzt-Szene, indem sofort abgeblendet wird.
Mir kam es nach der Sichtung so vor, als würde der Film verzweifelt versuchen sich im Rang einer ernsten Abhandlung zum Thema Beziehungs- und Indentitätskrise zu etablieren. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, verhält er sich jedoch sehr ungeschickt, da das klischeebehaftete Verhalten der Protagonisten keine anspruchsvollen Tendenzen zulässt. Vielmehr zelebriert "Angelina" einen gewissen Hang zur Aufrechterhaltung altbewährter Genretraditionen. Das Ende des Films enthält für meine Begriffe sogar ein recht traditionalistisches Weltbild, das man als reflexionsfähiger Zuschauer durchaus anzweifeln darf.
Zwei positive Aspekt konnte ich letztendlich doch noch feststellen. Einerseits gefällt mir die Hauptdarstellerin Serena Grandi recht gut, die in der Rolle der "Angelina" dank ihre körperlichen "Eigenschaften" überzeugen kann. Auf der anderen Seite hat mich der Score noch ein wenig fröhlicher gestimmt, bedauerlicherweise übertreibt es der Film ein wenig mit dem Einsatz des "Main-Themes", sodass ich auch in diesem Kontext zur Resignation gezwungen wurde.
Bei aller Kritik habe ich ja die Handlung vergessen, die ich an dieser Stelle nachreichen möchte! Die Hauptprotagonistin des Films ist Angelina, die nach einer Vergewaltigung den Drang verspürt mit vielen Männern Geschlechtsverkehr zu vollziehen. Dabei scheint sie doch mit ihrem Gatten Marco seit vielen Jahren glücklich verheiratet zu sein. Als der sie eines Tages bei einem fremden Flüssigkeitsaustausch überrascht, folgt eine Trennung, die Angelina psyschich nicht verkraftet. Sie zieht infolgedessen zu einer Freundin, die ihr bei ihrer "Rehabilitierung" etwas unter die Arme greifen soll.
Was lässt sich abschließend noch sagen?
Auch bei einem Softsex-Film achte ich auf eine gewissen Qualität und auf einen Innovationsreichtum, der die festgefahrenen Genremuster ein wenig lockern soll. Durschnittsware hat in meinen Augen meistens einen sehr schlechten Stand und wird auch dementsprechend bewertet.
Keiner dieser Ansätze konnte ich während der Sichtung von "Angelina" spüren. Letztendlich handelt es sich um einen Erotikfilm, der vielen mitternächtlichen Kabel-1 Ausstrahlungen ein wenig überlegen ist. Ob das jetzt ein positives Zeichen ist, überlasse ich eurer Interpretation.
Wenigstens bleibt mir die recht schicke DVD...
In all meiner Güte lautet die Konsequenz:
4 Punkte.