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187 ist ein weiterer Film, der sich mit dem heiklen, stets hochbrisanten Thema Gewalt unter Jugendlichen beziehungsweise Gewalt an Schulen auseinandersetzt. Samuel L. Jackson spielt darin den Lehrer Garfield, der nach einem Anschlag mit fast tödlichem Ausgang New York verlässt um in einer fremden Stadt, genauer L.A., zu unterrichten. Dort sind jedoch die Zustände nicht wirklich besser als an seiner alten Schule; unter den Schülern herrscht Gewalt, Bandenkriminalität und Drogenkonsum, während die ausweglos überforderten Lehrer ihre eigenen Probleme haben, dem Alltag stand zu halten – Ignoranz und Suff mit eingeschlossen. Garfield, der stets aus Überzeugung handelte, versucht, seine neue Klasse mit ruhiger Hand und kalter Schulter in den Griff zu bekommen, doch es gelingt ihm nur ansatzweise. Als er schließlich merkt, dass seine Moralvorstellungen unter den Jugendlichen niemals keimen können, dreht er durch...

Kevin Reynolds, eigentlich eher für Publikumsware wie „Robin Hood“ oder „Waterworld“ berüchtigt, schuf mit 187 einen ungewöhnlich stimmigen Film mit kongenialem Soundtrack (eine echte Rarität im CD-Regal!) und explodierenden Momenten der Stille vor hitziger Los Angeles Kulisse, in der die Hitze die Luft verzerrt. Man hat zeitweise den Eindruck, der geniale Samuel L. Jackson unterrichte die Kinder in Schauspielerei – auch die nahezu komplett unbekannten Jungschauspieler liefern glaubwürdige, intensive Leistungen ab. Der Handlungsverlauf ist absolut ungewöhnlich und passt keineswegs in ein Hollywood-Schema hinein, auch wenn manches erst am Ende vollkommen entschleiert wird. Ein gefallener Lehrer scheitert nicht nur an dem bodenlosen Zustand seiner Klasse, deren Kindern durch Kriminalität und Gruppenzwang durch das Umfeld keinerlei Chance zum Bewältigen des Stoffes gelassen wird, sondern auch an seinen eigenen, festgefahrenen Moralvorstellungen. Diese sind durchweg edel und nachvollziehbar, jedoch augenscheinlich unmöglich zu verfechten in einer modernen Welt wie dieser, und so wandelt sich der disziplinierte Lehrer zum gefährlichen Psychopath.

Und auch das Drumherum wurde keineswegs vernachlässigt: ein erstklassiges Tagespanorama von Los Angeles erinnert stark an die ruhmreichen Chicano-Zeiten eines „Blood in Blood out“, die flirrende Luft passt perfekt zur verzweifelten Stimmung unter Lehrern und Schülern und man haftet sich wirklich intensiv an die Fersen derjenigen, die nach Gründen für die ausweglose Situation suchen, die in einem dramatischen Finale ein Ende findet. Kein Film hat sich besser mit dem Thema auseinandergesetzt.

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