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Samuel L. Jackson versucht in einer heruntergekommen Schule etwas zu bewegen und scheitert

Der New Yorker Lehrer Trevor Garfield (Samuel L. Jackson) ist ein ambitionierter Lehrer, der seinen Schülern etwas beibringen will. Doch weil er einen Schüler durch die Prüfung fallen lässt sticht der ihn mit zahlreichen Stichen nieder. Ein gutes Jahr später hat Garfield sich erholt und erhält eine neue Chance. In Los Angeles herrschen jedoch katastrophale Schulzustände. So trifft er auch hier wieder auf Schüler, die sich sofort auf Konfrontationskurs bewegen. Langsamer aber sich zerstören sie seine Ideale..
Der Film, dessen Drehbuch übrigens von einem Lehrer geschrieben wurde. Der spannende Einstieg ist nur ein Vorgeschmack auf die folgenden 100 Minuten, in der Garfield mit ein paar Schülern aneinander gerät. Mit Spannung verfolgt man Garfield und leidet mit ihm. Bis zum Schluss lässt der Film einen im unklaren ob er die brutalen taten wirklich beging. Dabei kann man sich das schon denke, aber nie sicher sein.

Großes Lob an den Regisseur, der die Hiphop und Rapmusik aus dieser Szene nur kurz anschneidet. Die spannende und bedrohliche Musik ergänzt die unbeschönigten Szenen des Films ungemein. Selten hat mich ein Film in diesem Genre so gefesselt. Ruhige Töne werden eher selten angeschlagen, wo bei das Ende dank der Musik schon ein wenig wie eine religiöse Interpretation wirkt.

Es gibt einen Haufen Filme, die ein ähnliches Thema behandeln. „Dangerous Minds“ ist zu unentschlossen und halbherzig. An ähnlichen Dingen kranken auch „The Principal“ und die vielen weiteren Filme des Lehrerghettogenres.
„187“ war daher eine extrem positive Überraschung, denn dieser Film ist wirklich schwer zu verdauen. Man bleibt nach dem Film schon 2 bis 3 Minuten sitzen um den Film erst mal verdauen zu können.
Zu aller erst wäre mal die Optik zu loben. Man inszenierte das Werk in braunen Bildern und verdeutlicht somit die pessimistische und bedrohliche Grundeinstellung des Films. Dabei leistet die oft leicht verwackelt oder unscharfe Kamera ihr übriges. Man wird dadurch in den Lehrkörper Garfield versetzt und in ihm gefangen.
Im Mittelpunkt steht genau dieser Lehrer, der sich nach 15 Monaten endlich von seinem Attentat erholt hat und neuen Mut fasst. Mit unerschütterlichen Idealismus versucht er allen Schülern etwas beizubringen, scheitert doch bereits im Ansatz, da ein Teil seiner Schüler die Lehrkörper als Feinde betrachtet, denen man nicht zu gehorchen hat. Die gnadenlose Schüler avancieren zu Monstern, die niemand aufzuhalten vermag.
Garfield versucht die wenigen Schüler anzusprechen, wobei ausgerechnet seine Lieblingsschülerin ihm später das Genick brechen wird und sogar das Lehrhandtuch wirft. Garfields Idealismus wird schwer erschüttert, denn auch bei seiner Kollegin Ellen kann er keinen Halt finden.
Nachdem man seinen Klassenraum zerstört und den Hund seiner Kollegin tötet scheint es nur noch eine Frage der Zeit, dass Garfield Amok läuft. Sehr geschickt wird dem Zuschauer hier die Meinung aufgedrängt, dass Garfield für die Taten verantwortlich ist. Hat er wirklich einen Schüler umgebracht und einem anderen den Finger abgehackt? Man kann es bis zur Auflösung nur vermuten, denn Beweise liefert der Film nicht.
Doch auch die restlichen rebellischen Schüler vermuten ähnliches, so dass es zur finalen Konfrontation in Trevors haus kommt, die nur zwei Personen überleben werden. Am Ende hat man den pädagogischen Zeigefinger zwar zu hoch erhoben, aber spannend ist die Inszenierung allemal.
Die allgegenwärtige Aggression an diesen „kaputten“ Schulen der USA wird intensiv wiedergegeben, denn die unsichtbare Bedrohung ist allgegenwärtig. Überall könnte ein Schüler mit Messer lauern und nie kann man sich sicher sein wie einer der Schüler in der nächsten Sekunde reagiert.
Kritik am amerikanischen Schulsystem wird hier laut deutlich, denn die Perspektiven für Schüler dieser Schulen sind dank schlechter Ausbildung nicht vorhanden. Sollten die Verhältnisse an amerikanischen Schulen wirklich so drastisch sein, ist das ein Armutszeugnis für das stärkste Land er Welt.
Lösungen hat aber auch dieser Film keine parat, dafür trägt er aber sehr dick auf und wälzt die Verantwortung für jene Missstände auf den Schülern ab, die aber sicher nur eine Teilschuld trifft. Denn kein Lehrer kann lehren, wenn die Schüler kein Interesse an dem Material haben.
„187“ gehörte zu den wenigen Filmen bei denen man sich über die gesamte Spieldauerlückenlos in die Hauptfigur versetzt, ohne auch nur einmal befreiend durchatmen zu können. Mit einem Kribbeln im Bauch entschwindet man in das bedrohliche Szenario, aus dem es kein Entrinnen mehr gibt. Die Schmerzen und zerplatzenden Träume des Hauptakteurs werden förmlich spürbar. Ein großartiger Film...

Ohne Samuel L. Jackson wäre der Film ganz sicher nur die Hälfte Wert. Anfangs ist er etwas entfremdet, da ihm in diesem Film ausnahmsweise eine andere Stimme verpasst wurde. Im nachhinein sollte man sich dafür aber bedanken. Weil seine „coole“ Stimme nicht zu diesem Charakter passen würde. Intensiv spielt Jackson das Pulverfaß, dessen Zündschnur immer weiter abbrennt. Seine Emotionen, besonders sein zerstörter Glaube an das Bildungssystem gehen dank seiner Spielweise wirklich unter die Haut. Jackson ist hier ganz eindeutig in Bestform.

Fazit:
Auch wenn der Film Klischees bedient, ist er eine lückenlos spannender Thriller, der Kritik am amerikanischen Schulwesen übt. Samuel L. Jackson ist spielt seine Rolle großartig. Kameraarbeit, Musik und ein spannender Storyverlauf erledigen ihr übriges. Intensives und fesselndes Werk.

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