Review
von Leimbacher-Mario
Das stechende Klassenzimmer
Es gibt etliche Gang- & Gewalt-im-Klassenzimmer-Filme aus den USA der 90er - doch "187" stichte schon immer aus der unübersichtlichen Masse heraus & es ist schön zu sehen, wie ihm mit dem exzellenten neuen Mediabook endlich die finale Rehabilitation gelingt. Weg vom mediokren Geheimtipp hin zum ambivalenten Drama über die Spirale der Gewalt, das er ist. In "187" wird Sam Jackson als New Yorker Lehrer schon im Prolog von einem Schüler hinterrücks abgestochen - woraufhin er Monate später in L.A. wieder große Probleme bekommt, nicht nur mit unbelehrbaren Latino-Gangmitgliedern, sondern vor allem mit seinen auf den Kopf gestellten, inneren Dämonen. Alte Muster ala "Dangerous Minds", oder auch eine ähnliche Jackson-als-guter-Lehrer-vor-einer-Gangsterklasse-Situation wie in etlichen Filmen der Folgejahre - doch selten so deprimierend, versmogt & ausweglos dargestellt wie hier. Selbst wenn einige Muster, bis hin zum Russisch-Roulette-Finale, nicht sehr eigen sind. Doch wie gesagt, zumindest eigen reakzentuiert.
Regisseur Kevin Reynolds beweist einmal mehr, dass ihm eher kleinere Charakter- & Milieustudien liegen, als aufwändige Blockbuster. Ich halte ihn für ähnlich unterschätzt wie viele seiner Filme & speziell "187" ist ein Stück Kino, dass tief geht & bei einem bleibt, zum Nachdenken über eine zerstörerische Situation anregt. Obwohl es ähnliche Klassenraum-Thriller gab, die vielleicht auch vorher da waren, berühmter sind & den Trend setzten, wird es Zeit, dass "187" mehr Anerkennung erfährt. Ist er doch in fast allen Kategorien überdurchschnittlich, wirkte seiner Zeit radikal voraus & hat mehr Aktualität denn je. Allein schon Samuel L. Jacksons nuancierte Performance als Lehrer mit posttraumatischen Störungen eines ewigen Krieges Schüler gegen Lehrer im Extrem, trägt den Film zwischen sympathisch, gefährlich & verloren. Dazu eine Atmosphäre zum Schneiden, durch einen sphärischen Soundtrack & Bildern wie aus dem Vorhof der Hölle. Selten war L.A. filmisch so beängstigend, apokalyptisch & stickig. Das Ende reflektiert die Abwärtsspirale des Films perfekt, ohne einen komplett ohne Hoffnung zu entlassen. Schockierend & wichtig. Etwas ratlos, doch das war sicher eine der Intentionen hinter dem hollywood-untypischen Scripts - spürbar von einem Lehrer verfasst!
Fazit: bewährte, wichtige Muster, drastisch & etwas deprimierend interpretiert - Gut gegen Böse gibt es im maroden Schulsystem der USA schon lange nicht mehr & vor lauter Smog wird die Hoffnung ganz blass. Und Samuel L. Jackson brilliert! Unangenehm realistisch & weit weg von Klassenzimmer-Kitsch.