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Der Taxifahrer Vinnie ist der größte Fan von dem Filmstar Jana Bates, die mit ihren Horrorfilmen sehr gefeiert wird. Insgeheim träumt er davon, ein großer Regisseur zu werden, mit ihr einen großen Film zu drehen und mit einem Oscar belohnt und umjubelt zu werden. Mit seiner Kamera im Gepäck fliegt der vernarrte Fan zu den Filmfestspielen nach Cannes, wo Jana ihren neuen Horrorfilm "Scream" (wir schreiben das Jahr 1982 !) vorstellt. Zunächst versucht Vinnie erfolglos, an den Star heranzukommen, doch er wird stets als nerviger Fan abgewimmelt. Niemand will etwas von seinen Drehbuchideen hören. Da verunsichern Drohbriefe den Star, ihren Regisseur und Produzenten, während der Stalker zu immer penetranteren Methoden greift, um seinen Film zu verwirklichen. Nach dem großartigen "Maniac" spielte Joe Spinell hier erneut den Psychopathen, allerdings täuscht der Alternativtitel etwas, denn "Love 2 Kill" ist kein wirkliches Sequel von William Lustigs harten Schocker. Die Dreharbeiten zu "Maniac 2" wurden jäh durch den Tod des talentierten Schauspielers gestoppt, dieser Film lehnte sich zuvor nur locker an den Charakter an. Vinnie ist wiederum der gestörte New Yorker, der bei seiner Mutter lebend, endlich einmal etwas Großes schaffen will. Von der Idee ist er so besessen, dass er in seinen Visionen immer wieder die Publikums- und Kritikerreaktionen vor Augen hat, während sein schlichtes Leben wenig kunstvoll aussieht. In Cannes spielend hält dieser zu Unrecht relativ unbekannte Streifen mit vielen Details die Filmwelt Anfang der 80er Jahre vor Augen, wahrlich vollgestopft ist die Kulisse mit Zitaten, Anspielungen und Verweisen. Die Nachrichten berichten immer wieder von Anschlägen damaliger Fanatiker, wie ein Attentat auf Ronald Reagan von einem "Taxi Driver"-Fan, der damit Jodie Foster beeindrucken wollte. Die Story greift auch die damals aufkommende Hysteriewelle mit der These auf, dass Horrorfilme beim Publikum Gewalt erzeugen. Das ist beileibe nicht so moralisierend, wie es vieleicht klingt, vielmehr ist es immer wieder mit schwarzem Humor gezeigt, wenn z.B. Jana, von Vinnie verfolgt, durch die Eingangshalle kreischt und das Publikum Beifall klatscht, da es die Szene für einen Publicity-Gag hält. Gar nicht so schlecht, wie das Drehbuch den Zuschauer leimt und auf die falsche Fährte führt, die Auflösung der Mordserie in Filmerkreisen ist etwas überraschend und mit einem obskuren Abschlußgag gekrönt. Die gezeigten Morde sind wiederum oft weniger humorvoll, da gibt es einige harte Szenen zu verbuchen, die technisch sogar noch etwas besser, also realistischer, als in "Maniac" aussehen. Witzig sind hingegen Mordszenen, die als Film im Film gezeigt werden, ganz schön blutig für die Filmfestspiele. Eingangs ist sogar auf einer Leuchtreklame kurz zu sehen, dass "Cannibal Holocaust" in einem der Kinos läuft. Für den Genrefreund ist die Vielfalt der Anspielungen ein Eldorado, man beachte allein schon die Namen der Charaktere wie Bates und Cunningham. Die Schauspieler sind durchweg solide, Joe Spinell ganz besonders, wenngleich seine Rolle etwas anders als in dem bedrückenden "Maniac" als nicht ganz so entrückter Verlierer ausgebreitet wird. Kein großer Klassiker, jedoch ein gut unterhaltender Horror-Thriller, der neben ausreichend Goreszenen und der entsprechenden Portion Selbstironie spannend und ungewöhnlich inszeniert ist. Nicht zuletzt liegt dies an dem Wechsel zwischen dem realen Film, Vinnies surrealen Visionen und diversen Film-im-Film-Szenen, wenn seine "Dreharbeiten" durch den Sucher gezeigt werden.

Fazit: Gut unterhaltender Stalker-Horror mit einem tollen Joe Spinell. 7/10 Punkten

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