Charles Band lässt mal wieder seine Zwergen den Aufstand proben. In kleinen, portionierten Päckchen zu denken hat sich für den Geschäftsmann schließlich ausgezahlt, produzierte er in den 90ern doch verstärkt kleine Filme mit dem Charme von TV-Episoden, die wesentlich von der scheußlichen Optik der kleinen Kreaturen geprägt wurden, die in ihnen umherwuselten. Die kaufmännische Schlussfolgerung: Wer blutrünstiges Spielzeug mag („Demonic Toys“), der freundet sich auch mit einem außerirdischen Mini-Cop an („Doll Man“). Also werden Crossover in die Wege geleitet und Actionfiguren hergestellt – und natürlich Dutzende ähnlich geartete Variationen auf Zelluloid gebannt, die sich mit den kleinen, deformierten Wundern unserer Welt beschäftigen.
Dabei gilt sicher auch der Grundsatz: Platziert man etwas besonders Absurdes vor die Kamera, kann man am Hintergrund sparen. Also wird in schlecht beleuchteten Lagerhallen gedreht oder wie in diesem Fall in der rumänischen Einöde mit angemietetem Schloss… denn wer achtet schon auf den Schnee und die kahlen Wälder, wenn Jacqueline Lovell gerade oben ohne mit Affenmaske einen Mann überfällt?
„Hideous“ versteht sich als monströse Abhandlung über exzentrische Sammler von Obskuritäten, ist aber natürlich weit davon entfernt, dieses Thema tatsächlich auf erwachsene Weise zu reflektieren. Nur oberflächlich geht es um einen schrägen Vogel, der mit seiner pragmatischen Assistentin in einem Schloss wohnt und eine Kollektion widerlicher Organismen unterhält. Geopfert wird die Prämisse für eine weitere Freakshow, die sich mit denjenigen aus „The Creeps“ (Kleinwüchsige in Classic-Monster-Kostümierung) und „Head of the Family“ (Familie aus Degenerierten, die sich mental zu einem einzelnen Organismus zusammenschließt) bequem in eine Kategorie einordnen lässt.
Aus jenen Produktionen wird dann auch ein Großteil der Besetzung gezogen. Michael Citriniti trug als wasserköpfiger „Head of the Family“ damals mehr Maske auf, bewies darunter aber trotzdem mehr Charisma als in der vorliegenden Rolle, in der er mit seinem Buschbart und seiner Pomadentolle wie der verlorene Spross des Magier-Duos Siegfried & Roy daherkommt. Lovells Rolle fällt da schon interessanter aus – nicht unbedingt ausschließlich wegen ihrer Weste, die wie ein Running Gag immer noch haarscharf das Aufblitzen der ansonsten freiliegenden Nippel verhindert, sondern wegen ihrer besonderen Art, die Dinge einfach so zu nehmen wie sie kommen. Noch besser: Rhonda Griffin aus „The Creeps“, die sich diesmal als dümmliche Sekretärin von einer völlig anderen Seite zeigt und mit ihrer naiven Art für die komödiantischen Highlights sorgt. Nimmt man noch Tracie May als skurpellose Geschäftsfrau hinzu, so gelingt es dem Trio Infernale, die von Männern erdachten, nicht allzu vorteilhaften weiblichen Rollenklischees so weit zu übersteigern, dass sie mit Würde aus ihnen hervortreten. Und Jerry O’Donnell ist als hochbezahlter Detektiv gerne dazu bereit, diese wenig einfühlsam geschriebenen, aber herrlich offensiv gespielten Frauenrollen mit seiner Macho-Attitüde zu befeuern.
Doch eigentlich geht es ja um ein Quartett aus Latex-Unfällen, die jeden Ninja-Turtle vor Neid erblassen lassen dürften. Als wir da hätten: Eine mutterlose Plazenta, Toxies fetale Inklusion, Sonic the Roadkill und last but not least Brainbug in a Bottle, der über seine Tentakel vitalisierende Lebensbotschaften an seine Kumpels sendet, auf dass die sich gemeinsam aus ihren Einmachgläsern erheben und ihren Peinigern mal gehörig die Meinung geigen. Ja, wenn man denn will, kann man aus knautschigen Handpuppen durchaus so etwas wie Persönlichkeit oder zumindest Körperlichkeit pressen; das haben die Macher der „Sesamstraße“ ebenso wie Frank Henenlotter mit „Basket Case“ jeweils auf ihre eigene Art bewiesen. Vergleichbares gelingt Charles Band jedoch nicht. Zwar ist seinem Effektmenschen das Design der absurden Wurmfortsätze menschlichen Daseins herrlich knautschig geraten, die Regie weiß es aber kaum in Szene zu setzen, so dass man selbst mit rosaroter Trashbrille nie etwas anderes in den (spärlichen) Auftritten der Kreaturen sieht als totes Kautschuk, das von einem Assistenten bewegt wird.
In dem Moment, da die Metallrollos an den Fenstern und Türen des Schlosses heruntergelassen werden und die Gäste nicht mehr fliehen können (wie bald darauf im Remake von „House on Haunted Hill“), schlägt Schema F zu und die Truppe wird nach und nach dezimiert. Das geschieht derart unspektakulär, dass man gar nicht merkt, wie der Abspann naht… ohne den Kreaturen auch nur Andeutungen von Highlight-Momenten zugestanden zu haben.
So bleibt Jacqueline Lovells Affenmasken-Auftritt tatsächlich der einzig denkwürdige What-the-Heck-Moment eines fantasielos heruntergekurbelten Fließbandfabrikats, das seine Kreaturen einfach nicht in Szene zu setzen weiß. Alle Trashliebhaber-Träumereien von einem möglichst absurden Minimonster-Spektakel werden durch die steife Regie zunichte gemacht. Lediglich der Humor der drei Damen wendet die Vollkatastrophe hinter kalten ungarischen Gemäuern ab.