Ein freistehendes Haus mit verwildertem Garten und eine Sippe deformierter Degenerierter, die darin hausen – Charles Band lässt zunächst alles nach einer Variation des Backwood Horror aussehen, worin es den Hinterwäldlern gelungen ist, in die Vorstadt zu ziehen und sich gemütlich einzurichten. Zur Sitcom-ähnlichen Frontalansicht der urigen Villa im Vorspann zimmert Richard Band noch eine orchestrale Titelmelodie voller ironischer Tupfer, dann trotten auch schon ein tumber Riese, ein hagerer Schlaks und eine kräftige Blondine mit reichlich Holz vor die Hütt’n auf die Veranda, um einen Vorgeschmack darauf zu geben, was dieses Kuriositätenkabinett namens „The Head of the Family“ zu bieten haben wird.
Der Story-Fokus liegt aber auf Hauptdarstellerin Jacqueline Lovell, die zwar als ehemaliges Nacktmodell auch schnell im Erotikfilm-Bereich Fuß fasste, sich aber nie völlig von dieser bisweilen alles verschluckenden Branche vereinnahmen ließ, sondern Flexibilität bewahrte – ob nun durch Cameos in allseits bekannten Filmen wie „Forrest Gump“ oder eben auch mal in einer Hauptrolle wie dieser.
Regisseur Band nutzt die Unbefangenheit seiner Hauptdarstellerin allerdings in vollen Zügen aus. Sie hat so viele Sexszenen und Nacktauftritte zu absolvieren, dass sie sich bei näherer Betrachtung sogar als barbusige Kapitel-Fee qualifiziert, zumal mit jedem Stelldichein zwischen ihr und ihrem Co-Star (der kurz vor Drehbeginn nachgecastete Blake Adams) die nächsten Schritte dieses zuckersüßen True-Romance-Gaunerpärchens besprochen werden, um die Schienen für den Plot neu auszurichten. Dass die Liebenden während des Sex überhaupt lamentieren, anstatt sich aufs Wesentliche zu konzentrieren, deutet bereits an, mit welcher Art von Horrorfilm wir es hier zu tun haben. Mit einer solchen nämlich, die mehr zum Lachen als zum Fürchten bietet.
Und darin erweist sich Lovell als gar nicht so ungeschickt. Sie verfügt bereits von Natur aus über eine gewisse Ausstrahlungskraft, die sie als Vorlage für Männerposter prädestiniert, hat aber außerdem eine Ahnung davon, wie man diese Ausstrahlung in eine Parodie auf jene Sorte Frauen ummünzt, die im Umgang mit Männern ausschließlich auf ihren eigenen Vorteil aus sind. Wenn sie ihren Liebsten mit geiferndem Blick anschaut, als der ihr seinen feuerfesten Plan zur Erpressung der Freak-Familie offenbart, oder wenn sie dem Familienoberhaupt später ein klebriges „Honey“ an die Birne haucht, so dass die Zuckerkristalle noch in der Luft schwirren, in diesen Momenten parodiert sie die weibliche Manipulationskraft vortrefflich und stellt sowohl die Ausführende dieses billigen Zaubertricks bloß als auch den armen Tor, der darauf hereinfällt.
In der Charakterisierung der männlichen Belegschaft geht „Head of the Family“ ähnlich vor. Während Gordon Jennison Noice in der Rolle des eigentlichen Freundes und ziemlichen Torfkopfes relativ schnell aus der Handlung genommen wird (nicht jedoch ohne in einem Restaurant-Dialog mit Pulp-Fiction-Schwingungen eine mit Suspense aufgeladene Rede über Nichtigkeiten gehalten zu haben, die richtig Spaß macht), geht Blake Adams in der Rolle des frechen Kleinganoven mit lässiger Detective-Noir-Attitüde auf. Als wir etwa zur Mitte des Films dann endlich auf den „Kopf der Familie“ treffen, offenbart der Regisseur nicht nur seinen besten Special Effect, sondern auch sein ziemlich raffiniertes Konzept: Klugscheißer gegen Brain Bug, Darwins bester Schüler gegen den großen Marionettenspieler, Bauernschläue gegen reinen Intelligenzquotienten lautet das Versus-Duell.
Myron ist nämlich ein überdimensionaler, fetter Kopf in einem Rollstuhl, an dem ein verdorrter kleiner Körper hängt, der für das gigantische Hirn eher hinderlich ist als dass er ihm nützt. Obgleich die Ausführung des Effektes ziemlich leicht zu durchschauen ist und auch nicht in allen Details vollendet erscheint (wer genau hinsieht, stellt fest, dass Myron die weiblichen Hände einer Assistentin hat, die hinter dem Rollstuhl Puppentheater spielt), so ist die Maskenarbeit doch ziemlich gut und der Effekt vor allem in der Totalen regelrecht surreal, nimmt der wulstige Kopf in der Bildkomposition doch so viel Raum ein, dass er fast wie einkopiert wirkt. Die Freak Show erfährt durch diesen Baustein zweifellos ihre Vollendung.
Dass es sich beim Big Boss um eine Intelligenzbestie im Stil eines Mafia-Oberhauptes handelt, führt zu einem erhöhten Aufwand beim Schreiben der Dialoge und bei der Schauspielführung; schließlich müssen nun kluge Dinge gesagt und entsprechend gehandelt werden, was eine eher ungewohnte Herausforderung im Bereich der B- und VHS-Ware darstellt. Doch der Eierkopf ist nicht nur in der Maske gut getroffen, sondern auch in der Figurenzeichnung. Mit nüchterner Selbstwahrnehmung weiß er seine eigenen Stärken genau einzuschätzen und unterschätzt auch nicht jene des Gegners. Schwachpunkte, etwa jene in Form gewisser Triebe, werden sinnvoll ausgenutzt, so dass ein psychologisch durchaus interessanter Kampf der Fronten entsteht.
Was leider kaum ausgenutzt wird, ist die prinzipiell reizvolle Idee, die restlichen Familienmitglieder als physische Verlängerungen von Myrons Intellekt einzusetzen. Meist stehen die von Bob Schott, James Jones und Alexandria Quinn gespielten Verbündeten bloß in der Gegend herum und schauen blöd aus der Wäsche; hin und wieder haben sie auch einfache Aufgaben zu erledigen (Gewalt anwenden, spionieren, mit dem Feind schlafen). Doch das Skript bleibt hier zu passiv, lässt es die Verknüpfung der Schachfiguren durch mentale Tentakel doch nur selten wirklich spürbar werden.
Auch die Kameraarbeit ist nicht immer eine Offenbarung. Es gibt viele unmotivierte Wechsel von der Totalen in die Nahe und wieder zurück, viele Perspektiven wiederholen sich und Dynamik stellt sich kaum ein. Auch gibt es nur wenige und zudem oft karge Schauplätze – eine Bar mitsamt Lagerraum, ein Hotelzimmer und ein Waldstück lassen nicht gerade Freude aufkommen, wohingegen das Innere der Freak-Villa durchaus schön anzusehen ist. Die Beleuchtung hält dafür ein paar Highlights parat, nicht zuletzt die Szene, in der Myron endlich enthüllt wird, aber auch die von „Johanna von Orléans“ inspirierte Finalsequenz inklusive Feuerlodern.
„Head of the Family“ ist auf jeden Fall ein kurioser Film. Für einen Horrorfilm viel zu harmlos und selbst als Komödie äußerst eigenwillig (man spürt, dass er in der gleichen Phase wie „The Creeps“ entstand), sind seine Schauwerte auf Jacqueline Lovell und etwas Maskenarbeit bei der Titelfigur begrenzt. Die Regie ist statisch wie bei einer Sitcom und allzu viel passiert im Wesentlichen nicht in der Handlung. Wer sich aber auf die Charaktere einlassen kann, bekommt Wortgefechte, die bisweilen erstaunlich geistreich ausfallen und Darsteller, die sehr wohl wissen, wie man mit den Augen zwinkert.