Es ist schon ein paar Jahre her, als ein gewisser Eduardo Sánchez gemeinsam mit Daniel Myrick den Prototypen des Found Footage lieferte, denn "Blair Witch Project" zog reichlich Nachahmer nach sich, wovon allerdings nur wenige mit kreativen Ideen überzeugten.
Der gebürtige Kubaner versucht es erneut mit Wackelkamera, nur gibt es statt Mysteryhexe die urbane Legende Bigfoot vor der Linse.
Zwei Frauen und drei Typen in den Mittzwanzigern wollen ein erholsames Wochenende in einer abgelegenen Waldhütte im Osten von Texas verbringen. Während der Anreise fahren sie ein Tier an, finden jedoch keinen Kadaver und machen sich nachfolgend keinen Kopf mehr.
Hätten sie besser, denn Bigfoot ist jetzt richtig sauer...
Geht man ohne sonderliches Vorwissen an die Sache heran, fällt der Handkamerastil zunächst gar nicht so sehr auf, da im Auto die üblichen Späße gemacht werden und der Blickwinkel einige Male wechselt. In der Hütte angekommen (in welcher die Tür offen steht und ein Wildschwein haust) kristallisiert sich jedoch rasch heraus, dass abgestellte Kameras und vorbereitete GoPros (spezielle Kameras für Extremsport) auf latente Egosicht schließen lassen.
Leider fallen die Figurenzeichnungen äußerst dürftig aus. Zwei Brüder und der Quotenfarbige, sowie die beiden Damen erhalten keine speziellen Charaktermerkmale, - ein paar Stunts mit dem Bike sehen zwar schick aus und das obligatorische Poppen im Wald sollte irgendwie auch auflockernd wirken, aber fürs spätere Mitfiebern wären ein paar zwischenmenschliche Töne nicht verkehrt gewesen.
Derweil deutet sich Bigfoot zunächst nur durch ungewöhnlich lang gezogene Klagelaute an, welche in der Stille des einsamen Waldes durchaus Wirkung zeigen und die bedrohliche Stimmung permanent ansteigen lassen, zumal die Kreatur eine ganze Weile nur schemenhaft wahrnehmbar ist. Eine erste Konfrontation in Form eines Wettlaufes mit dem Bike bringt schon mal ein wenig Tempo ins Spiel, welches von nun an konstant flott vorangetrieben wird.
Zwar sind die üblichen Verhaltensmuster vom Verschanzen, übers stille Ausharren bis hin zum panikartigen Weglaufen auszumachen, doch diesbezüglich muss man Sánchez ein gutes Gespür für eine effektive Kamera attestieren. Mal völlige Dunkelheit, dann kommt der Infrarotfilter zum Einsatz, eine Weile wird das Geschehen aus der Distanz festgehalten, bis die Protagonisten schließlich keine Kontrolle mehr über die Aufnahmen haben und entsprechend gewackelt, gedreht und gerollt wird, übliche technische Fehler und Aussetzer inbegriffen.
Die Geschichte liefert leider keine verlaufstechnischen Überraschungen, doch mit der Konzentration aufs Wesentliche kommt zumindest einige Male Spannung auf, während sich etwaige Härten eher im Kopf des Betrachters abspielen, was nicht selten ein Effekt der scheinbar zufällig positionierten Handkamera ist. Ein fast meditativer Score spiegelt indes die Isolation der potentiellen Opfer wider, welche von den Mimen passabel verkörpert werden.
Found Footage hat sich in den vergangenen Jahren ein wenig totgelaufen und nur selten konnte dem Ganzen etwas Innovatives beigemengt werden. Sánchez erinnert sich bei seinem Werk augenscheinlich an seine Wurzeln, erweitert die Angelegenheit um ein paar technische Neuerungen und wartet mit einem Monster auf, welches sich im letzten Drittel auch bei näherem Hinsehen als durchaus glaubhaft entpuppt.
Nicht übermäßig originell, aber durchaus kurzweilig.
6,5 von 10