Obwohl sie selten wirklich liefern, arbeite ich mich ja mit morbider Faszination durch praktisch jeden ordentlich präsentierten Found-Footage-Film – und da die Macher inzwischen die Regeln bezüglich Aufnahme und Montage nun nicht mehr ganz so genau nehmen, kommen dabei auch wesentlich agilere und abwechslungsreichere Filme dabei heraus.
Einer der besten dieses gescholtenen Untergenres ist sicherlich „Exists“ von 2014, der zwar nun nicht wirklich in den Bereich originelle Neuschöpfung fällt, aber sein bekanntes Thema „Bigfoot“ mit ordentlich Drive angeht und den Zuschauer nicht ewig im Wald in die Irre laufen lässt.
Bekanntermaßen muss man immer erstmal durch die Charakterviertelstunde durch und auch hier sind die fünf Gestalten nicht eben die Leute, mit denen man über 30 gern verreisen würde, aber dafür vielleicht jene, mit denen man unter 30 die Konventionen mal in den Wind schießen würde. Immerhin, man wird nicht mit fünf totalen Arschgeigen belohnt, denen man binnen 10 Minuten den Tod an den Hals wünscht, aber da die Reise zur geheimnisvollen Hinterlandhütte eines obskuren Onkels von einem mysteriösen Unfall unterbrochen wird, lockert das Campinggelaber von Girls vs. Boys schon mal auf.
Vor Ort ist das Setting dann ein klassisches Lost-Tableau: die Gegend ist abgelegen, fast menschenleer, bewaldet und die versprochene und als luxuriös avisierte Jagdhütte des Onkels erweist sich als ziemlich angedellte Holzbude, die ihre charmantesten Jahre schon hinter sich hat.
Was danach folgt, ist, gemessen bei voller Filmkenntnis dann auf den Schlusstwist zugeschnitten, der eine durchaus schnittige Pointe mit sich bringt, die das Geschehen in einen nachvollziehbaren Zirkelschluss bringt: nach und nach werden die Urlauber mit einem haarigen Waldwesen konfrontiert, welches ihnen offenbar ans Leben will.
Das führt zu bekannten Elementen, wie etwa dem Ausfalls des Autos (welches ohnehin weitab steht) oder einem Fluchtversuch per Mountainbike, welches Anlass für eine recht originelle Verfolgungsjagd wird.
Erwartungsgemäß panisch aber noch relativ undämlich entspinnen sich die Verbarrikadierung, die Flucht nach vorn und der erneute Rückzug in einen alten Trailer – bis der Cast gegen Ende sogar noch Zulauf bekommt.
Das alles ergibt vergleichsweise flotte 75 Minuten, über die man sich weniger aufregen muss als andere Filme und rückt dann auch zum Schluss noch Schauwerte ins Bild, auf die man anfangs bis auf Schatten, ein Gesicht oder eine Hand noch verzichten muss.
So wird daraus ein hübscher Monster-in-the-Backwoods-Grusel, der sein Willkommen niemals überzieht. 6,5/10