Review

Leute, die in ihrer Pubertät mit Nirvana, dem Gameboy und einem Walkman groß geworden sind, wissen genau, wovon ich spreche: In Zeiten, in denen durch Wes Cravens "Scream" die Slasherwelle ihre Reinkarnation feierte, gingen manche Filme, die etwas "anders" waren, unter. Neben "Dich kriegen wir auch noch!" oder "Forsaken" gab es da unter anderem auch den exzellenten Roadmovie-Thriller "Joy Ride". Dieser Film mit Paul Walker, Steve Zahn und Masturbiervorlage Leelee Sobieski war nicht nur erstklassig besetzt, sondern erinnerte stark an Stephen Kings frühes Meisterwerk "Duell" oder auch an den harten Rutger Hauer Reißer "Hitcher - Der Highwaykiller". Ein gesichtsloses Böses mit einem scheinbar aus der Hölle stammenden Truck machte Jagd auf Teenies, die ihm böse Streiche spielten.

2008, also sieben Jahre später, kam man in einem Saufgelage auf die Idee, eine sinnentleerte Fortsetzung zu drehen, die den Trucker "Rostiger Nagel" etwas entmystifizierte, die Charaktere nur noch Nebensache und leider auch Nervhupen waren. Die fehlende Spannung und schwache Story meinte man durch blutige Morde ersetzen zu können, was in meinen Augen mächtig in die Hose ging.
Nun sind wieder sechs Jahre verstrichen und "Joy Ride 3" macht da weiter, wo der Zweite aufgehört hat. Lediglich mit dem Unterschied, dass der dritte Teil in seiner Unrated-Fassung noch etwas härter in seinen Todesszenen ausfällt und allein die Tatsache, dass die FSK diesem Film eine KJ erteilt hat, ist schon an der Grenze des Zumutbaren. Diese Vollzeithartzer hatten scheinbar irgendetwas zu feiern, dass sie "Joy Ride 3" ungeschnitten durchgewunken haben. Andere Filme, die mit Sicherheit seichter waren, was die Kills anbelangt, mussten vor die Juristenkommission SPIO/JK und wurden früher oder später indiziert.


Jordan Wells (Jesse Hutch) und seine Gruppe an Mechanikern und Grid-Girls sind auf dem Weg quer durch die USA zur "Road Rally 1000". Unter Zeitdruck testen sie ihren Wagen erst auf der langen Landstraße und verärgern mit einem waghalsigem Manöver "Rusty Nail" (Ken Kirzinger) , der fortan Jagd auf die hitzköpfigen Straßen-Rennfahrer macht...


Leute, ich weiß nicht wieso, aber irgendwie werden mittlerweile Parallelen zu der absolut grottigen "Wrong Turn"-Reihe bemerkbar. Jeder dieser Serien hat einen guten ersten Teil, der mit Sicherheit keine Fortsetzung gebraucht hätte. Story, Charaktere, Spannung, Dialoge und irgendein Unterhaltungswert jenseits der 0,5 Promille-Regel versuchten ihre Defizite mit komplett blutigen Skills auszugleichen.
Des Gorebauern sein Freund, wenn ich mich so durch Filmforen, Kommentare und Meinungen lese - des popcornkinoliebhabenden Filmfreunds (und das ist echt schon verdammt niedrig angesetzt) sein Feind. Und ganz ehrlich? Was haben diese ungeschnittenen "Wrong Turn"-Filme in meinem handerlesenem Regal der Unterhaltungsindustrie zu suchen? Welche Pfeife schaut sich beispielsweise "Wrong Turn 2" zweimal an, in sagen wir mal 10 Jahren Zeitspanne? Warum ich gerade dieses Sequel nenne? Na, weil das der "beste" Teil für viele ist, weil Superstar Henry Rollins, der in den 80ern den Punk prägte, mitspielt. In meinen Augen ist dieser zweite Teil der mit Abstand schlechteste. Aber frage 1000 Leute nach ihrer Reihenfolge der "Wrong Turn"-Reihe, und Du bekommst 995 verschiedene Antworten.

Genauso verhält es sich mit der "Joy Ride"-Reihe, die mit Sicherheit auch noch fortgesetzt wird. Synchronsprecher Martin Keßler (der normalerweise Vin Diesel die deutsche Stimme gibt) musste scheinbar aus Kostengründen weichen, was auch gut ist. Denn Keßlers Stimme im zweiten Teil passte mal überhaupt nicht zum Rostigen Nagel, der hier im dritten Teil übrigens nur noch als "Rusty Nail" genannt wird.
Ob es jetzt derselbe Sprecher wie im ersten Teil ist, sei mal dahin gestellt. Ich bin auch zu faul, um das zu recherchieren - aber dennoch passt diese Stimme besser und wieder voll und ganz zum ersten Sprössling.

Das war es dann auch schon. Ein Gruppe voller Flachpfeifen fahren mit Mini-Sattelschlepper und Ralley-Wagen durch die Walachei, ärgern "Rusty Nail" (der übrigens zu keiner Zeit "Rostiger Nagel" genannt wird) und der Trucker, der diesmal von Ken Kirzinger gespielt wird, darf zwar nicht komplett unverpixelt in das Kamerastativ schauen, aber weit davon sind wir nicht mehr entfernt. Egal, der Zauber um "Den bösen Mann" ist eh seit dem zweiten Teil futsch. Schon da bekam er einen Torso. Im dritten Teil bekommt er sogar in manchen Aufnahmen beinahe ein Gesicht, das lediglich noch durch drei Packungen Zigaretten und Oneliner verdeckt wird, als wäre gerade das Genre erfunden worden, in denen Oneliner cool sind. Die Sprüche von "Krusty Nail" sind zum Kotzen und überhaupt nicht witzig, einladend oder lustig. Das erinnert mich alles an den Hill/Spencer-Klassiker aus dem Jahr 1967 "Gott vergibt - Wir beide nie!", der später neu synchronisiert werden musste, um dann unter dem Namen "Zwei vom Affen gebissen" lustig zu wirken, da das Buddy-Genre gerade den großen Durchbruch feierte.

Rotznagel könnte schon eine Woche nach seiner Veröffentlichung eine neue Synchro brauchen, denn er wirkt entweder böse, sarkastisch, zynisch, psychopathisch oder, im schwarzen Winkel mit der Lupe gesucht, witzig. Das ist alles Mumpitz, was er da ins Mikrophon furzt. Und genau da hätte man ansetzen können, wenn er schon eine "greifbare" Gestalt werden soll.

Doch dieser bittere Beigeschmack ist noch das geringste Übel, was uns auf dem harten, steinigen Weg erwartet. Immerhin haben wir ja noch eine Heldenrunde, die ich leider auch nach vierzig Minuten nicht unterscheiden kann. Gerade in den Kategorien "Geschlecht" und "Hautfarbe" kann ich diese Pisser divergieren, da keiner auch nur etwas im Geringsten aus dem typisch nervigen Slasher-Einheitsbrei heraussticht. Jeder labert das, was das auf LSD geschriebene Script ihm vorgibt und keiner von den Machern schnallt es, dass wir es, egal ob Männlein oder Weiblein, nur mit Flachzangen zu tun haben, bei denen man nicht einmal vorhersagen kann, wer als letztes überlebt. Nein - die Story ist nicht unberechenbar und das komplette Drehbuch ist scheiße. Daran liegt der "Joker" mit Sicherheit nicht.

Man ärgert den Trucker, trifft sich mit ihm, stellt eine Falle, nur um sich danach wieder mit ihm zu treffen und ihm eine Falle zu stellen. Genau das ist der Punkt, der diesen Film unsäglich schlecht macht. Es wiederholt sich alles, egal ob das jetzt Sinn macht oder nicht, der Plot wird bis zum Erbrechen wiederholt - lediglich der Bodycount erhöht sich. Und neben Kirzingers Gesichtseumel, der immer deutlicher wird, erhöht sich lediglich der Bodycount, der diese dritte Teil einheimst.

Aber, und das muss man Declan O´Brien (der Regisseur, bekannt unter anderem durch "Wrong Turn 4 und 5 - welch Wunder) erhöht den Bodycount äußerst explizit. Das heißt: Wenn hier gestorben wird, dann aber richtig. Und so wird minutenlang an jeder gorigen Szene festgehalten, bis es nicht mehr geht. Viele dieser Todesarten erinnern dabei an die Fallen aus "Saw" - lediglich mit dem Unterschied, dass der Akteur hier keine freie Wahl hat - außer eben den Drehort zu verlassen, das Weite zu suchen und wieder neu als Darsteller anzufangen - von mir aus auch in der Pornoindustrie. Das ist alles noch besser als sein Debüt in diesem Schrott zu feiern. Die Morde sind schon relativ blutig in Szene gesetzt, so dass es, wie oben erwähnt, einem Massaker gleichkommt, dass schwer nach Paragraph 131 riecht. Das dürfte dann auch der einzige Grund sein, warum man sich diesen dritten Teil hier antun kann. Wer damit befriedigt wird, wieder neue Eskapaden eines blutrünstigen Slashers zu beobachten, wird voll auf seine Kosten kommen. Aber wer einen ausgefeilten Film, eine halbwegs gute Story oder halbwegs gute Charaktere braucht, ist völlig fehl am Platz. So wie ich es war. "Joy Ride 3" enttäuscht auf ganzer Linie und kann nur in den bloody Szenen glänzen.

Von daher

3/10

Details
Ähnliche Filme