Okay, das ist also die Serienvariante von The Hunger Games oder Die Bestimmung, eine Geschichte, in einer dystopischen Welt angesiedelt und von Jugendlichen, vor allem einer zentralen Frauenfigur, getragen. Zunächst das Offensichtliche – das hier sind nicht die Tribute von Panem, dafür fehlt eine zentrale Figur wie Katniss, die eine solche Entwicklung machen könnte, der bitter-satirische Grundton und eine Hauptdarstellerin wie Jennifer Lawrence – aber auch das Vertrauen in die eigene Story. Damit reicht es schon mal nicht für die Serienoberklasse, aber immerhin für solide bis gute Fernsehkost.
Die Prämisse ist einfach – vor 97 Jahren sind die Menschen in den Weltraum geflohen, weil die Erde atomar verseucht war. Um zu schauen, ob sie wieder bewohnbar ist, werden 100 Menschen runter geschickt – am besten solche, die man nicht mehr unbedingt braucht. Da erwachsene Verbrecher gleich gebröselt (bzw. geallt) werden, greift man auf jugendliche Kriminelle zurück. Die Logik dahinter ist, dass es eh nur für kurze Zeit sein soll (entweder sterben die 100 beim Versuch, dann ist es nicht schade, oder die anderen kommen schnell nach) und, dass 100 Verbrecher eben auch weniger Ressourcen brauchen. Bezugscharakter ist Clarke, deren Verbrechen darin bestand, dass sie eine Lüge der Regierung aufdecken wollte, ansonsten tummeln sich schwer- und leichtkriminelle Figuren, um die Dramatik schön hoch zu halten. Damit gibt es auf der (Spoiler: wieder bewohnbaren; warum man das vom All aus nicht sieht, wird nicht wirklich erklärt)Erde immer wieder Konflikte, dazu ein bisschen Herzschmerz und Urbewohner, mit denen man sich anlegen muss (Native Americans all over again). Das ist jetzt nicht wirklich originell, aber ordentlich umgesetzt, entwickelt sich aber recht schnell.
Die Serie traut dieser Prämisse leider nicht wirklich zu, die Handlung zu tragen. Deshalb gibt es immer wieder Szenen auf der Raumstation, mit eigenen Verwicklungen und Verschwörungen. Die sind handwerklich nicht schlecht, nehmen aber den Fokus von dem, was Kern der Handlung sein sollte, der Herr-der-Fliegen-Kampf der Jugendlichen gegen die äußeren Umstände und sich selbst. Davon hätte ich lieber mehr gesehen und die Entwicklungen im All nur, wenn sie konkret Einfluss auf die Erde haben. So wird dem Zuschauer zu viel erklärt, um die Zeit zu füllen.
Die Staffel ist insgesamt nicht schlecht, könnte aber noch besser sein. Zur zweiten Staffel hin wird sich die Situation komplett ändern (die Prämisse wird faktisch über Bord geworfen), das kann entweder zum Schiffbruch des Konzepts führen, oder der Serie Gelegenheit geben, die Geschichte mit mehr Tiefe zu versehen. Potenzial ist dank der Grounder, der fremden Welt und der Konflikte innerhalb der Siedler genug da.