Tierhorrorfilme können dem Zuschauer, sofern richtig aufbereitet, dass Blut wahrlich in den Adern gefrieren lassen, weil die Gefahr von einem dem Menschen unterlegenen Lebewesen ausgeht, ein Paradigma für spannenden Tiergrusel ist Alfred Hitchcocks klassischer Genremeilenstein die Vögel (1963). Der Fantasie und der Artenvielfalt sind keine Grenzen gesetzt, so durften beispielsweise noch Ratten (Ben 1971), Haie (Der weiße Hai 1975), Piranhas (Piranhas 1978) Krokodile (Der Horror Alligator 1980) und auch Schlangen (Anaconda 1997) dem Publikum das Fürchten lernen. Es gibt kaum eine Spezies, die nicht ausprobiert wurde. Neben den ernsten Schockern existieren aber auch Streifen mit spürbaren komödiantischen Einflüssen wie Piranha 3D (2010) oder Shark Night 3D (2011). Ebenfalls lustig und gruselig zugleich versuchte es Jordan Rubin mit seiner 2014 erschienenen B-Movie Horror-Trash-Komödie Zombiber, welche auf virusverseuchte Zombiebiber setzt und trotz seines innovativen Ansatzes nicht einmal den Qualitätsstandard von durchschnittlicher Genreunterhaltung erreicht.
Dabei war das Echo auf den ersten Trailer vor Veröffentlichung recht verheißungsvoll, welcher innerhalb von einer Woche mehr als 1 Millionen Klicks auf YouTube sammeln konnte. Zombeavers, so der Originaltitel, wurde in Kalifornien innerhalb von 21 Tagen unter einem knapp bemessenen Budget gefilmt und feierte seine Weltpremiere am 19.04.2014 auf dem Tribeca Film Festival. Die relativ simple Story erhält durch die etwas exotische Biber-Thematik einen leicht trashigen Touch und entsprang der gemeinsamen Feder von Al Kaplan, Jordan Rubin und Jon Kaplan. 6 Jugendliche, die ein Wochenende in einem Haus am See verbringen wollen werden von mutierten Zombiebibern bei ihren Sauf- und Sexorgien gestört. Anfangs belächeln die jungen Leute die Kreaturen. Doch spätestens, als bei einem Badeausflug erstes Blut vergossen wird, erkennt die Gruppe, dass der Kampf um ihr Leben schon längst begonnen hat und der Bibervirus auch vor dem Menschen nicht halt macht....
Wie wichtig ein adäquater und steigender Spannungsaufbau ist, davon weiß Zombiber ein Liedchen von zu singen, denn die mangelhafte Aufteilung von Schauwerten ist mit die größte Misere von Rubins grotesk anmutender Freakshow. Dem stimmigen Anfang und dem Ursprung der Biberverseuchung folgt ein auf Dauer langweiliges, breitgetretenes Teeniegewäsch über Faceobook, instagram und deren Liebschaften, unterbrochen von ein bis zwei Schockmomenten und der Schäferstündchen bei der Ankunft der männlichen Verstärkung. Rubin versäumt es, in der ersten Stunde seines Filmchens ein paar blutige Kills mehr einzustreuen, die den Zuschauer bei Laune halten. Die hässlichen Viecher, hysterisch schreiende Kids und ein abgebissener Fußstumpf sind da einfach viel zu wenig. Wenn Zombiber in den letzten 15 Minuten endlich auf die Goretube drückt, ist dreiviertel des Publikums bereits eingeschlafen, wobei man fairer halber erwähnen muss, dass zumindest das Finale kurzweilig blutigen Horrorspaß bietet und einige sarkastisch humorvolle Anspielungen auf Horrorklassiker wie Dawn of the Dead oder Freitag der 13th für gefällige Auflockerung sorgen.
Von gelungenem Effektkino zu sprechen, wäre ein bisschen sehr weit hergeholt, ein Großteil der durch die Bank handgemachten Effekte schafft es aber in Kombination mit den überschaubaren Geldmitteln einen ordentlichen Eindruck zu hinterlassen. Bei den mutierten Bibermonstern erkennt selbst ein Blinder mit dem Krückstock, dass es sich offenbar um Puppen handelt, was dem schaurig phantasievollen Erscheinungsbild aber letzten Endes keine Abbitte leistet und zum herrlich sympathischen Trashfaktor der Produktion beiträgt, was mir persönlich 1000 Mal lieber ist, als ein missglücktes CGI Gewitter. Die F/X der Menschenverwandlungen haben mich hingegen nur bedingt überzeugt, da diese eher unfreiwillig komisch als bedrohlich oder beängstigend wirken. Ebenfalls Luft nach oben haben die Splattermomente, die zwar technisch annehmbar inszeniert sind, den Grenzbereich der eingestuften FSK 16 Freigabe von der Quantität und auch vom Härtegrad beurteilt leider nicht annähernd erreichen können.
Die Darsteller hinterlassen eigentlich, von dem katastrophalen Auftritt Peter Gilroys als Buck einmal abgesehen, einen überraschend vernünftigen Eindruck, da hat man schon deutlich schlimmeres in vergleichbaren Low-Budget Produktionen ertragen müssen. Herr von und zu Gilroy ist der Inbegriff von männlicher Unattraktivität, von intellektueller Minderbemittlung und von abstoßender Ausstrahlung. Wie er es in den Film geschafft hat, geschweige den bei der holden Weiblichkeit zum Schuss zu kommen, bleibt wohl auch das Geheimnis der Drehbuchautoren. Die optisch ansprechende Frauenpower-Fraktion mit Lexi Atkins (Jenn), Cortney Palm (Zoe) und Rachel Marvin (Maria) wurde zwar in grenzdebile Klischee-Teenie-Rollen gezwungen, diese füllen sie aber mit bodenständiger Dialogführung und gekonnter Mimik recht professionell aus, ähnliches gilt für die restlichen Herren der Schöpfung Hutch Dano (Sam) und Jake Weary (Tommy). Abschließend muss noch zum Filmpersonal konstatiert werden, dass allen Beteiligten der Spaß förmlich ins Gesicht geschrieben steht bei Zombiber mitwirken zu dürfen, was auch die mitgelieferten, lustigen Outtakes von Produktionsszenen beim Filmabspann dokumentieren.
Mit zombierten Bienen, welche die Überreste der untoten Biber nach dem Abspann verlassen, wird eine mögliche Fortsetzung bereits angeteasert. Ein weiterer Teil macht meiner Meinung nach nur Sinn, wenn die Macher mit durchgehend spannender Horrorunterhaltung auf die Fehler von Zombiber reagieren und sich nicht nur wie der Vorgänger auf dem Liefern von skurrilen Ideen ausruhen, denn Gruselpotenzial hätten mutierte Zombienen allemal. Zombiber ist meilenweit weg von filmischem Sondermüll, der Streifen hat seine unterhaltsamen Passagen mit einigen blutigen Effekten und einer motivierten, solide agierenden Darstellerriege. Mit ein bisschen Gerstensaft schön gesoffen eignet sich der leicht unterdurchschnittliche Zombie/Slasher Mix sogar als Zeitvertreib für einen anspruchsarmen, entspannten Filmabend nach einem anstrengenden Arbeitstag. MovieStar Wertung 4/10 Punkte.