"Muss ich dich auch verlieren?"
Peter Parker (Andrew Garfield) hat sich mit seinem Doppelleben als Student und verbrechensbekämpfender Spider-Man arrangiert. Dennoch quält ihn sein Versprechen gegenüber dem verstorbenen Vater von seiner Freundin Gwen Stacy (Emma Stone), von ihr Abstand zu halten und sie nicht zu gefährden. Dies belastet die Beziehung so sehr, dass Gwen sie kurzerhand beendet.
Gleichzeitig versucht Peter das Verschwinden seiner Eltern aufzuklären. Dies führt ihn zum Industriegiganten Oscorp, wo gerade sein einstiger Freund Harry Osborn (Dane DeHaan) nach einem jahrelangen Aufenthalt in einem Internat zurückgekehrt ist. So wie sein Vater leidet auch Harry unter einer unheilbaren Krankheit.
Währenddessen zieht eine neue Gefahr für New York herauf. Der krankhaft schüchterne Elektriker Max Dillon (Jamie Foxx), der darunter leidet, dass ihm niemand Respekt entgegenbringt, kann infolge eines Unfalls an seiner Arbeitsstelle Oscorp über die Elektrizität gebieten und nennt sich Electro. Fortan sucht er nach Beachtung und legt dabei die halbe Stadt in Schutt und Asche.
Nachdem das Reboot "The Amazing Spider-Man" die Ursprungsgeschichte um den Spinnenmenschen einmal mehr erzählt, könnte man erwarten, dass die Fortsetzung nun aus dem Vollen schöpfen würde. Dem ist allerdings nicht so. Vielmehr stellt der undankbare Zwischenteil die Weichen für weitere Fortsetzungen und verstrickt sich in einer unnötig komplexen Problemwelt.
"The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro" verfolgt zahlreiche Handlungsstränge und fällt vor allem damit auf die Nase. Das Schicksal von Peter's Eltern und Oscorp's Beteiligung daran, Harry's tödliche Krankheit und dessen Suche nach einer Heilung, Max Dillon's tragische Verwandlung vom unbedeutenden Niemand zum Superschurken Electro und die Beziehung zwischen Peter und Gwen, die unter Peters Doppelleben zu leiden hat. All dies versucht die Comicverfilmung unter einen Hut zu packen. Dabei entstanden halbherzige Handlungsstränge, die holprig erzählt werden. Somit wirkt der Film nicht nur überladen, sondern enthält dann auch noch die ein und andere Länge. Denn im Fokus steht nicht der Konflikt zwischen dem Superhelden und den insgesamt drei Superschurken, sondern die Beziehung zwischen Peter und Gwen.
Tatsächlich ergibt diese Vorgehensweise durchaus Sinn, wenn man das Finale betrachtet. Denn so wie auch schon der Vorgänger führt auch "The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro" seinen konsequenten Umgang mit seinen Charakteren fort. Dadurch legitimiert sich der vorherige charmante aber auch zähe Aufbau der Figurenkonstellationen. Dummerweise endet die Comicverfilmung genau dann, wenn sie richtig anfängt Spaß zu machen.
Wie schon angemerkt spielen die Superschurken eine untergeordnetere Rolle und sind eher Mittel zum Zweck. Besonders bedauerlich ist dies, da sie überwiegend eine gewisse Ambivalenz erhalten. Wenn Electro seinen ersten großen Auftritt hat, wird ersichtlich, dass eine Lösung des Konflikts völligst ohne das ansehliche Zerstörungspotential möglich gewesen wäre. Diese Option zieht der Film aber nicht in Betracht.
Die Action wurde spektakulär inszeniert, ist tricktechnisch auf dem neuesten Stand und bietet einige wirklich beeindruckende Schauwerte. Allzu viele Actionszenen gibt es allerdings nicht.
Ein Manko dabei bilden das lose Mundwerk des Protagonisten und die musikalische Untermalung. Letztere dröhnt in elektrolastiger Form so ungezügelt, dass sie teilweise die Ohren nervt.
Der Witz erfolgt überwiegend durch Albernheiten und endlose Sprüche. Dies macht "The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro" zu einem kaum ernstzunehmenden Kandidaten im Bereich der Comicverfilmungen, stattdessen beinahe schon zu einer Veralberung des ganzen Genres. Das es ganz anders geht, macht das Ende klar.
Die eingespielten Darsteller Andrew Garfield ("The Social Network") und Emma Stone ("Gangster Squad") harmonieren vor der Kamera. Ihnen gegenüber stehen Jamie Foxx ("Django Unchained", "White House Down"), Dane DeHaan ("The Place Beyond the Pines", "Chronicle - Wozu bist du fähig?"), die schnell in ihre Rollen rein kommen. Insbesonders Dane DeHaan verkörpert seine Wandlung sehr facettenreich.
Es zieht sich durch den ganzen Film. Das Potential für erstklassige Handlungsstränge, für komplexe, glaubwürdige Beziehungsgeflechte zwischen spannenden Charakteren ist ständig sichtbar. Es wird aber nur in wenigen Szenen ausgeschöpft. Somit erfüllt "The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro" nicht die Erwartungen, die sein Vorgänger geschürt hat. Dank hervorragender Effekte und ansprechenden Darstellern ist die Comicverfilmung kein Totalausfall. Es ist aber zu hoffen, dass eine Fortsetzung diesmal mehr aus der nun bestehenden Ausgangssituation macht.
6 / 10