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Stephen Kings Romane und Kurzgeschichten wurden beinahe alle verfilmt, doch bei vielen Umsetzungen gehen die Meinungen weit auseinander, während Werke wie "Shining" (1980), "The Green Mile" und "Stand by me" zweifelsohne zu den Filmen zählen, die man mal gesehen haben sollte.
Mit der Umsetzung der Kurzgeschichte "Omi" erreicht Regisseur Peter Cornwell ("Das Haus der Dämonen") allenfalls TV-Niveau, weshalb der Streifen, entgegen ursprünglicher Planungen nicht im Kino lief.

Als Oma Mercy (Shirley Knight) einen Schlaganfall erleidet und ein Jahr danach von ihrer allein erziehenden Tochter Rebecca und deren Söhne George (Chandler Riggs) und Buddy in ihrem alten Haus gepflegt wird, tun sich familiäre Abgründe auf. George, der stets eine innige Verbindung zu Mercy hatte, entdeckt über Umwege ein schwarzmagisches Buch und setzt heimlich Omas Medizin ab, - mit fatalen Folgen...

Oft ist es ein gutes Vorzeichen bei King-Verfilmungen, wenn aus dem Off eine jugendliche Erzählstimme erklingt. George schildert ein paar glückliche Momente mit seiner Oma, was beide anfänglich recht sympathisch erscheinen lässt, zumal Mercy ihm ein paar hilfreiche Tipps auf den Lebensweg gibt. Allerdings zieht sich der Vorlauf doch ein wenig, da diverse Gegebenheiten im Altersheim, eine Willkommensfeier und Geplänkel unter Brüdern nur bedingt zum eigentlichen Thema beitragen.

Dieses erhält erst während der zweiten Hälfte ein paar Hintergründe, als das "Buch der Tränen" gefunden wird und das Geheimnis um die Titelgebende immer deutlichere Züge annimmt, wofür auch kleinere Flashbacks bemüht werden.
Ansonsten sind Schockmomente rar gesät und wie bei King oft üblich, spielt sich das Böse lange Zeit im Kopf des Lesers/Zuschauers ab, bevor gegen Ende der Holzhammer hervorgekramt wird. Im vorliegenden Fall hätte man sich die eine oder andere unfreiwillig komische Szene ersparen sollen, zumal der Showdown lediglich eine Überraschung parat hält, welche unter Umständen bereits im Vorfeld abzusehen ist.

Auf der Habenseite überzeugen indes das gelungene Make-up, ein paar schick aufgemachte CGI-Transformationen im Buch und auch darstellerisch ist wenig anzukreiden, vor allem Chandler Riggs performt für einen jungen Mimen bereits recht nuanciert.
Auf erzählerischer Ebene kommt der Spannungslevel jedoch nie übers Mittelmaß hinaus, es fehlt das Gespür fürs Timing und auch die etwas zu schlichte Ausstattung lässt zu selten atmosphärische Lichtblicke zu.

Letztlich erscheinen die gerade einmal 75 Minuten deutlich länger, da in der ersten Hälfte teils ungünstige Schwerpunkte gesetzt werden, während das letzte Drittel zwar ordentlich Gas gibt, doch hier mangelt es hingegen am dramaturgischen Feingefühl und inszenatorischer Finesse.
Somit ergibt sich eine weitere King-Verfilmung, die sich irgendwo im Mittelfeld einpendelt und folgerichtig nicht unbedingt gesehen werden muss.
5,5 von 10

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