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Sue (Jed Capelja) und Debbie (Nell Schofield) sind zwei Teenagerinnen im Sydney der späten 70er. Nach der Schule hängen sie meist am Strand ab, um sowohl den Surferjungs zuzuschauen als auch zu einer bestimmten Mädchenclique dazuzugehören. Als sie es schaffen, in diese Clique hineinzukommen, stellen sie jedoch bald fest, dass die Mädchen nur Dekoration sind, der nichts zu sagen hat, sie sollen nicht surfen und stets sexuell verfügbar sein...

Basierend auf einer Zeitungskolumne zweier australischer Mädchen namens The Salami Sisters drehte der spätere Hollywood-Erfolgsregisseur Bruce Beresford (Driving Miss Daisy) 1980 seinen größten australischen Publikumserfolg. Im damals noch sehr konservativen und prüden Australien war die offenherzige Geschichte um massiven Drogen- und Alkoholkonsum, vorehelichen, ungeschützten Sex und Schulschwänzerei ein kleiner Skandal, der besonders die ältere Generation entsetzte, aber das Lebensgefühl einer jüngeren Generation spiegelte er eben sehr gut wider. Inzwischen gilt Beresfords Film als Klassiker des australischen Kinos. Und in der Tat, der Film ist bis auf wenige Szenen (eine groteske Schlägerei am Strand zwischen Rettungsschwimmern und Surfern ähnelt eher einem Bud Spencer-Film) eher ziemlich nüchtern und in einigen Szenen sogar sehr traurig. Dass der erste Sex oft nicht der beste ist, weiß man aus genug Filmen, aber die Austauschbarkeit der Mädchen in der ach so coolen Surferclique ist bitter.
Und was Gruppenzwang alles anrichten kann, weiß man auch, aber dennoch kann Beresford hier, durch die konsequente weibliche Sicht des Films, viele übliche Klischees vermeiden. Gerade die letzten Minuten sind ein großartiges Fanal der Emanzipation von Sue und Debbie, so einfach wie effektiv. Debbie und Sue wurden von zwei Newcomern gespielt und mussten 16jährige darstellen, obgleich die Mädchen in der Ursprungsgeschichte sogar noch ein paar Jahre jünger waren. Jed Capelja und Nell Schofield machen ihre Sache sehr gut, die männlichen Darsteller sind fast alle unsympathisch und die Eltern meist nervig oder ahnungslos...wie man es vielleicht selbst erlebt hat!
Puberty Blues erhielt in Deutschland den Eis-am-Stiel-mäßigen Zusatz "Scharf aufs erste Mal", aber so scharf waren Deb und Sue gar nicht darauf...als hätten sie geahnt, dass die Surferjungs besser auf den Brettern als im Bett sind (weitere Wortspiele verkneife ich mir hier mal)... und eine Komödie ist der Film nur an wenigen Stellen. Eher eine nostalgische Coming-Of-Age-Story, die zwar in Sydney spielt, a er doch relativ universal ist. Eine DVD-Veröffentlichung hierzulande wäre schön, es gibt bislang nur eine in seinem Heimatland. Kein Meisterwerk, aber dennoch, durch seine sympatischen, weiblichen Protagonisten, sehenswert. 7/10.

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