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Wie der Vater so der Hohn


„Force Majeure“ erzählt von einer vierköpfigen Familie, die während eines eigentlich recht harmonischen Skiurlaubs knapp einem Lawinenunglück entkommt. Doch vor allem das egoistische, unerwartete und feige Verhalten des Vaters in dieser brenzligen Situation wirft von da an einen deutlichen Schatten auf die Beziehung zu seiner schockierten Frau, zu seinen Kindern und auch allgemein zu seinem Ansehen innerhalb der Gruppe und Gesellschaft…

„Höhere Gewalt“ aka „Turist“ ist meisterhaft in seinem Understatement. Und damit oft ziemlich das Gegenteil von amerikanischen Beziehungskomödien/-satiren/-geschichten. Sein eigenes Remake besonders mit eingeschlossen. Im Original geht es um kleine Gesten und authentische Mimik, um Enttäuschungen und bleibenden Eindruck, um Männlichkeitsideale und Instinkte, um gefallene Helden und zerstörte Egos. Es wird berichtet von wahrem Charakter und verlorenem Vertrauen. Hervorragend besetzt. Mit sautrockenem Humor, der oft genug im Hals stecken bleibt. Mit schmerzhaft echtem Drama und nachvollziehbaren Beziehungsproblemen. Mit abgezockten „Was würdest du tun?“-Momenten, hartnäckig am Zahn der Zeit und dicht bei klassischen Katastrophen. Mit einer genialen Ausgangslage und trotz seiner langsamen, entschleunigten Art für mich keine Sekunde langweilig. Eine tragisch-komische Familiengeschichte, die weit, weit unter die Oberfläche guckt und auf ganz wunde Punkte drückt. Famos. 

Fazit: sehr intelligenter Kommentar zu Mut, Gesellschaft, Ehe und Vorbildfunktionen. „Höhere Gewalt“ ist ein moderner Klassiker des europäischen, leicht arthousigen Kinos! 

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