Deadline, das Filmmagazin mit der Neigung, jeden noch so schlechten Zelluloid-Murks unverhältnismäßig positiv zu bewerten, hat es mal wieder geschafft. Voller Vorfreude auf einen "grandios authentischen Old-School Sleaze-Slasher" habe ich mich an die Sichtung von Discopath (Kanada 2013) gemacht ... und bin mal wieder mächtig enttäuscht worden.
Regisseur Renaud Gauthier hat es leider nicht geschafft, das Slasher Genre um eine Retro-Variante zu bereichern. Vergleiche mit William Lustigs Maniac (USA 1980) sind völlig fehl am Platz.
"Old-School" kann ich gerade noch gelten lassen. Die Ausstattung ist stimmig. Frisuren, Autos, Kleidung und andere Requisiten lassen tatsächlich die 70er Jahre Disco Ära wieder aufleben. Trotz des offensichtlich geringen Budgets wagt sich Discopath mit Erfolg auch an einige weiträumige Außen-Sets, die mit sicherem Gespür für den richtigen Look ausgewählt wurden. Die Soundtrack Auswahl enttäuscht hingegen ein wenig. Anstatt auf eine große Auswahl an Hits zu setzen, bekommen wir immer wieder diesen EINEN Instrumental-Song zu hören, der dem Zuschauer mit seinen enervierenden Streichern spätestens ab der dritten Wiederholung mächtig auf den Keks geht.
Story und Goregehalt sind leider auch kaum der Rede wert. Das Motiv des Killers ist geradezu lächerlich (der Vater des Killers stirbt durch einen elektrischen Schlag seiner Musikanlage). Auch die Ermittlungsarbeit der Cops ist zum Fremdschämen. Obwohl man unsere Hauptfigur Duane nur zu einem der Morde befragen will, ist man sich der Sache von Anfang offensichtlich so sicher, dass die Wohnung sofort gestürmt werden muss. Rekordverdächtig schnell kommt man auch dahinter, dass "Disco Musik ihn töten lässt". Hier hätte das Drehbuch dringend etwas raffinierter ausfallen müssen. Insgesamt gewinnt man den Eindruck, dass die Dialoge von einem mit nur wenig Lebenserfahrung ausgestatteten Zwölfjährigen verfasst wurden. So ist zum Beispiel das anfängliche Liebesgeflüster zwischen Duane und einem Discorollergirl arg kindlich ausgefallen. Auch die Szenen, in denen der Killer nackt mit den abgetrennten Köpfen seiner Opfer durch die Wohnung tanzt, lassen keinen morbiden Thrill aufkommen. Alles wirkt sehr aufgesetzt, wenig glaubwürdig und ist ganz weit davon entfernt, wirklich sleazy zu sein. Man wollte wohl ums Verecken ein paar nihilistische Szenen im Stile von Maniac im Film haben. Tatsächlich macht sich unfreiwillige Komik breit.
Schade um den eigentlich recht charismatischen Hauptdarsteller Jeremie Earp-Lavergne. Das schlechte Drehbuch gibt ihm leider viel zu wenig Background, sodass seine Darstellung des Killers hilflos zwischen sympathisch schüchtern und finster dreinblickend hin und her schwankt.
Die Mordszenen wissen auch nicht so recht zu gefallen. So wird zum Beispiel bei dem Mord an den Internatsschülerinnen nach etwas Gerangel mit den Opfern viel zu plump auf Close-Ups von aufgeschlitzten Bäuchen geschnitten. Von Suspense oder gar inszenatorischer Raffinesse keine Spur. Das haben wir in allen Teilen der Freitag der 13. Reihe schon wesentlich besser gesehen. Dennoch ist dies bereits die intensivste Szene des Films. Alles weitere ist kaum der Rede wert.
Die Krönung der Lächerlichkeit gibt es aber zum Schluss (Achtung Spoiler): Um von sich abzulenken, wirft der auf einem Flachdach in die Enge getriebene Killer eine lebensgroße Puppe nach unten auf die Strasse. Dies soll ihm offensichtlich einen Fluchtvorsprung verschaffen. Die Cops bemerken sicherlich erst einige Tage später bei der Autopsie, dass nicht wirklich der Killer vor ihnen auf dem Tisch liegt.
In Summe ist Discopath leider viel zu fade und blutarm, um halbwegs zu unterhalten. Vieles ist unfreiwillig komisch. Fans werden kontern, dass es sich um absichtliche Komik handelt. Doch dafür ist sie meiner Meinung nach nicht witzig genug und würde auch gar nicht zu dem ansonsten eher düster gemeinten Streifen passen. Letztenendes muss dies aber jeder für sich selbst entscheiden. Mein Fazit lautet:
Licht an - Spot aus ! Lieber nochmal Freitag der 13. gucken !
03/10 Punkte