"Mehr als nur spannend" verspricht uns das DVD-Cover zu diesem Film aus dänischen Landen. Nunja, wenn dem so ist - dann greifen wir mal zu und hoffen, daß uns der Schocker nicht klapsenreif durcheinander bringt. Regisseur Bornedal bemüht sich um einen klaren strukturierten Handlungsaufbau und bedient sich der klassischen Werkzeuge: Charaktere werden eingeführt, ein zwei ganz unterhaltsame Nebenhandlungen gestrickt und schon gehts los.
Martin ist Nachtwächter in einem Leichenhaus und natürlich, wir wissen von der ersten Sekunde an, das wird gruslig. Hier wird noch einiges passieren. Bornedal enttäuscht uns nicht und befriedigt voll und ganz unser sensationslüsternes Gemüt. Doch die Story ist so banal wie simpel: Ein paar Nuttenmorde, Täter unklar, der onkelhafte Kommissar "denkt als letztes an Martin" wenn er den Täter sucht, und hach ja, irgendwie ist ja jedem klar daß Martin nicht der Täter ist. Jens ist es auch nicht, auch wenn die Spuren geheimnisvoll auf ihn deuten mögen - nein, einen Mörder trauen wir ihm nicht zu. Hier wurde der Charakter zu "brav" entwickelt.
Viel zu früh erfolgt dann auch schon die Aufklärung wer der Täter ist, der dann beginnende Showdown ist somit völlig spannungslos und ehrlich gesagt auch ziemlich daneben. Ohne zu spoilern: aber hier hätte ein realer "Täter" sicherlich anders reagiert, der Höhepunkt verkommt zur Farce, das Aufdecken des wahren Mörders geschieht nach zu klaren ideenlosen Strickmustern. Der Schlußgag hingegen entschädigt dafür um einiges!
Nun denn, sei es wie es sei: einige Plotfehler und Lücken können wir verzeihen: was soll der halbstündige Wecker? Wieso hängen überall Schlüssel, die in einer ominösen Blechdose gedreht werden müssen? Ist das eine dänische Nachtwachenspezialität die noch nicht zu uns durchgedrungen ist? Woher hat Joyce Martins Telefonnummer? Wieso geht Kalinka zu Joyce, woher weiß sie überhaupt wo Joyce wohnt bzw. wo sie suchen muß? Warum hat der alte Nachtwächter seinen Job nun tatsächlich hingeschmissen? Was hat es mit dem Messer auf sich? Und schlußendlich, der Fragen nicht genug: warum schenkt uns Bornedal keine gelungene Schlußszene mit dem arroganten Arzt? Schade, daß diese wirklich kultige Figur einfach so mir nichts dir nichts in der Versenkung verschwindet.
"Nachtwache" taugt als mittelmässiger Krimi, mehr ist er nicht - auch wenn man versucht diesen Film eine Kategorie weiter zu heben. Ein spannungsgeladener Psychothriller jedenfalls sieht anders aus.
(5/10)