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Das Grauen kommt aus Dänemark – das will man gar nicht glauben, bis man es gesehen hat. Doch Ole Bornedals Thriller rund um einen Serienmörder, der einen studentischen Krankenhaus- und Leichenhallennachtwächter als potentiellen Schuldigen hinstelltl, funktioniert unglaublich gut.

Da kommt einiges zusammen für den Studenten Martin: einerseits ist er irgendwie nicht reif dafür, sich einzugestehen, daß die unbeschwerte Jugendzeit vorbei und die Freundin wirklich fest ist (Hochzeit wird zum Thema), dann fordert sein ebenso unzufriedener Kumpel ihn ständig zu riskanten Sachen heraus, für die er sich immerhin revanchieren kann und dann muß er in einem Krankenhaus auch noch Nachtschicht als Wächter schieben, was einen Gang durch die Leichenkammer einschließt. Ach ja, und dann ist da noch der Serienkiller, der ausschließlich Frauen aufschlitzt....

Bornedal hat seine Vorbilder gut studiert, kennt sich mit Thrillern und Horror aus und preßt so Suspense und Unbehagen aus den kleinsten Kleinigkeiten, wie z.B. der Kabine, in der der Nachtwächter ausharrt. Ein Tisch, ein Stuhl, ein Foto an der Wand, Insekten in der Lampe, ein Radio, Bücher und eine rote Lampe an der Wand, Scheintotenalarm, der niemals anschlagen soll. Natürlich müssen wir nicht lange warten, bis er es doch tut...
Solche Kleinigkeiten bleiben im Gedächtnis, ebenso wie ein Leichenhallenscherz und später sogar Sex an diesem Ort, wenn auch nicht mit Leichen...

Auch sonst greifen die Plotelemente ineinander. Eine Herausforderung rund um eine drogensüchtige Prostituierte führt zu einer folgenschweren Namensverwechslung, die später die eifersüchtige Freundin beinahe in die Arme des Killers treibt.

Gleichzeitig wird die Situation für unseren Protagonisten fast unmerklich immer auswegloser. Dann allerdings, nach gut zwei Dritteln bricht man der Hitchcocktradition und der Täter wird enttarnt, was ihn aber noch immer nicht entlarvt.
Tatsächlich ist der Showdown extrem aufreibend, denn die Situation wird selbst bei Verstärkung und Enttarnung nicht besser und endet in einer Selbstverstümmelungssequenz, wie man sie selten besser gesehen hat.
Das kann man schon Terror nennen, der Puls geht hoch.

Natürlich endet es glücklich und mit einer Doppelhochzeit, einer letzten fiesen Herausforderung und einem witzigen Dreh, alle Fäden gelungen auflösend.

In Dänemark selbst stand die Presse und die Öffentlichkeit hoch, aber weniger wegen des Bluts, den Leichenteils, der angedeuteten Nekrophilie, sondern wegen zweier für uns eher harmloser Szenen: einmal kotzt jemand in ein Taufbecken (das sollte man gesehen haben, während des Abendmahls) und dann ist da die Bierflasche, die auf das Andersen-Denkmal in einem Kopenhagener Park geschleudert wird, Majestätsbeleidigung fürwahr.

Alle Nicht-Dänen können sich auf einen schwarzhumorigen, gut geplotteten und wendungsreichen Thriller mit reichlich Härten freuen, den man gerne wieder sieht. (8/10)

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