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Magische Liebeserklärung

Woody Allen haut als fast 80-Jähriger mehr Filme raus, als andere Regisseure in ihrer Jugend als Amateurfilmer. Jedes Jahr mindestens ein neuer Streich, mittlerweile über 50 (!). In westlichen Hemisphären & auf diesem Niveau bzw. mit seinem Standing, ist das mit niemand anderem vergleichbar. Das dabei nicht immer Meisterwerke herauskommen, ist unvermeidlich, manchmal muss man sogar mit kleine Gurken leben. Doch Allen-Filme sind unverkennbar Allen-Filme & er bleibt seiner Linie konsequent treu. Manchmal sogar zu treu, in dem er beliebte Themen über Beziehung, Liebe oder Sex mehrmals aufwärmt. Doch selbst wenn ihm über die Jahre etwas der Saft ausging & er sich etwas mehr auf Qualität statt Quantität konzentrieren sollte, gucke ich mir seine dialoglastigen Filme & Flüchte aus dem grauen Leben, immer noch gerne an. Einige seiner späteren Werke wie "Match Point", "Midnight In Paris" oder "Vicky Christina Barcelona" halte ich sogar für großartig, von seinen Klassikern wie "Annie Hall" oder "Manhattan" ganz zu schweigen. Wir können froh sein, dass es Woody gab & noch gibt. Künstlerisch & intellektuell ist seine Karriere unumstritten eine der ganz Großen, egal was man von seinem fragwürdigen Charakter & Privatleben hält. Ist nicht immer leicht, Privates & Filmographie zu trennen, aber muss versucht werden, siehe auch Polanski oder andere schwarze Schafe unter den Regisseuren/Künstlern. 

"Magic in the Moonlight" ist ein guter Liebesfilm & eine kleine magische Perle & Zeitreise. Perfekter Companion-Piece zu "Café Society" oder "Midnight In Paris". Es geht um einen weltberühmten Magier im Europa der 1920er, der ein scheinbares Medium als Scharlatanin (?) enttarnen will, da er selbst mit allen Wassern gewaschen & der wohl rationalste Mensch der Welt ist. Geister, Magie oder auch Gott & Religion sind für ihn Hirngespinste & er will es recht hochnäsig einfach nicht wahr haben, dass es so etwas wie echte Magie geben könnte. Blöd nur, dass das Medium, in Form von der ganz besonderen Emma Stone, nicht nur eine scheinbar perfekte Show abliefert, sondern auch bezaubernd hübsch, anmutig & süß, sein Leben aus allen festen Bahnen wirft... Magie trifft klassische Woody Allen-Romantik-Farce. Wunderhübsche Locations, trotz seltsamem Altersunterschied genug Chemie zwischen Stone & Firth, süße Wendungen in der simplen Story, kurzweilige Laufzeit & lockere Art. Einfach 90 Minuten Kinoflucht aus dem grauen Alltag. Klappt hier gut, clever, süß & romantisch. Dem Kino der alten Schule verpflichtet, köstlich garniert mit Weltstars die noch immer bei Allen Schlange stehen & über sich hinauswachsen. Ganz zu schweigen von seinen charakteristisch frechen, temporeichen & schlauen Dialogen. Nicht umsonst der Mann, der die meisten Script-Oscars in Hollywood abgestaubt hat. Verdient - er ist ein Genie, an dessen Witz wir uns leider zu sehr gewöhnt haben & dessen Können wir fast schon für selbstverständlich nehmen. Ist es aber nicht. Alles andere als das. Vielleicht wäre das bei einer etwas dem Alter angemesseneren Arbeitsgeschwindigkeit anders...

Fazit: pfiffig, romantisch, grandios gespielt & in seinen besten Stellen passenderweise fast schon magisch. Eines von Woody Allens besseren Spätwerken, wenn auch nicht ganz auf "Midnight in Paris"-Niveau.

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