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"Ich kann einfach kein Blut sehen."

Nach einer Invasion von einer feindlichen außerirdischen Rasse ist Europa annähernd überrannt. Die als Mimics bezeichneten Außerirdischen scheinen übermächtig und jede Aktion der Menschen voraussehen zu können. Erst als die Soldatin Rita Vrataski (Emily Blunt) eine Schlacht in der französischen Stadt Verdun für die Menschheit gewinnt, schöpft das Militär Hoffnung. Mit ihren schwer bewaffneten Kampfanzügen will das Militär einen alles entscheidenden Großangriff an der westlichen Küste Europas starten und so den Osten entlasten.
Auch der kampfunerfahrene Presseoffizier Bill Cage (Tom Cruise) soll an vorderster Front dabei sein. Aus Angst um sein Leben versucht er sich von den Befehlen seines Vorgesetzten zu entziehen, landet allerdings dennoch als Deserteur und einfacher Soldat bei einem der ersten Angriffstrupps. Den Angriff selbst übersteht er ungewöhnlich lange, tötet dabei sogar mehrere der Mimics. Letztendlich liegt er aber dennoch von dem Blut eines Mimic überströmt sterbend an der Front. Im Augenblick seines Todes wacht er allerdings einen Tag vor dem Angriff wieder auf. Nicht nur einmal sondern nach jedem weiteren seiner zahreichen Tode.

Auch wenn "Edge of Tomorrow" neben den vielen Fortsetzungen und Reboots etwas gänzlich Neues bietet, sind die Referenzen zu zahlreichen anderen Filmen offensichtlich. Das Konzept entspringt "Und täglich grüßt das Murmeltier", das Szenario aus "Der Soldat James Ryan", die Außerirdischen aus der "Matrix"-Reihe und auch Elemente aus so manchem in den letzten Jahren entstandenem Film mit Zeitschleifen-Thematik, finden sich wieder. Der spezialeffektlastige Science-Fiction-Actionfilm geht aber eigene Wege und bedient ein Massenpublikum mit seiner letztendlich generischen Geschichte und üblen Logiklücken.

Unweigerlich fällt einem "Starship Troopers", wenn der Film mit Nachrichtensendungen und optimistischer Kriegspropaganda beginnt, um die Alieninvasion zu etablieren und sein Zukunftsbild zu umreißen. So satirisch wie bei genanntem Film wird es nicht, allerdings ist "Edge of Tomorrow" dennoch unerwartet humorvoll. Vor allem aus der ungewollten Fähigkeit des Protagonisten in der Zeit zurück zu reisen zieht der Film eine Menge seines Witzes. Dies ist zu Beginn angenehm komisch, später aber unpassend, wenn die Handlung Dramatik aufzubauen versucht.

Allzu viel erzählt "Edge of Tomorrow" nicht. Schnell ist die Kriegsthematik blockbustertypisch etabliert und durch die ständige Zeitreise zurück abgegrenzt. Die häufigen Wiederholungen werden Dank vieler Abweichungen aber nicht langweilig. Dennoch ist die Handlung abseits des zwar nicht innovativen aber unverbrauchten Konzepts sehr generisch.
Unglücklicherweise trüben einige unnötige Logikfehler das Gesamtbild sehr. Dass sich Science-Fiction mit zukünftiger Technologie zwar herausreden kann, ist ein übliches Muster. Hier sind es aber unlogische Folgen der Zeitreise, die besonders das Ende des Films völligst unverständlich machen.

Bei einem Film mit dem Fokus auf Action erwartet man keine Tiefen im Charakterdesign. Diese bleiben erwartungsgemäß oberflächlich. Der Protagonist ist zu Beginn angenehm kantig, bleibt aber eine ständige Sympathiefigur. Besser wäre es gewesen, es bei der Figurenzeichnung mit wenig Emotion zu belassen. Denn dort, wo sich "Edge of Tomorrow" Zeit für eine Entwicklung nimmt, entsteht eine absolut unpassende Romanze, die auf keinen Pfeilern steht. Hier bedient der Film einzig Hollywood-Konventionen und Klischees.

In seinen stärksten Momenten visualisiert der Science-Fiction-Actionfilm ein Kriegsszenario, das seinesgleichen sucht. Dies mag zu Beginn sein, wo der Protagonist unbeholfen in seinem Exoskelett sitzt, von der Luft aus auf das Schlachtfeld geschleudert wird und dem dortig herrschenden Chaos aus abstürzenden Fluggeräten, zahlreichen Projektilen und sandwirbelnden Explosionen ausweichen muss. Die moderne, unruhige Kameraführung vermittelt zu Beginn ein ordentliches Mittendrin-Gefühl, wird später aber zu einem enormen Störfaktor, wenn sich diese Szenen abweichend wiederholen.
Was "Edge of Tomorrow" dabei fehlt und zu dieser D-Day-Nachkonstruktion gepasst hätte, ist eine härtere Dimension des Grauens. Während dem apokalyptische Unterlegenheitsgefühl bleibt das Schlachtgetümmel steril und blutleer. Eine Prämisse die teure Produktionen mit sich ziehen um ihre Kosten zu decken. Die Frage ist allerdings, ob ein vor-jugendliches Publikum überhaupt noch an solch eher klassisch aufgezogenen Filmen interessiert ist. Bei dem Besuch des Rezensenten im Kino schien dies nicht der Fall.

Tom Cruise ("Last Samurai", "Mission: Impossible"-Reihe, "Krieg der Welten") und Emily Blunt ("Der Plan") bieten eine souveräne Vorstellung, wobei ausgerechnet Cruise eher hölzern wirkt. Beide harmonieren in ihren gemeinsamen Szenen und dominieren den Film. Brendan Gleeson ("28 Days Later"), Bill Paxton ("Apollo 13") sowie Jonas Armstrong ("Clive Barker's Book of Blood") werden in Nebenrollen verpulvert.

Der schmissige Song zum Abspann unterhält mehr als die letzten Minuten des Films. Dies mag etwas verheißen. "Edge of Tomorrow" enthält sehr viel Potential, verspielt dieses aber durch seine fehlende Plausibilität, die verwackelten Actionszenen und die erzwungene Anbiederung an das Mainstream-Publikum. Mit mehr Ernsthaftigkeit, charismatischeren Darstellern und Figuren hätte es wohl die Dramatik gegeben, die dem Film zustand. So ist es nur ein unglaublich gut aussehender und brachialer Actionfilm mit einem unverbrauchten Konzept, dem der Mut zur Härte fehlt. Knappe ...

7 / 10

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