Review

Für einen notorischen Schwarzseher habe ich verdächtig wenig mit dem Noir-Genre am Hut: "Geheimbund 99" liegt bei mir nunmehr 2 Jahre zurück, Jim Thompsons "Die Verdammten" ist seit 2015 der einzige schwarze Krimi in meinem Bücherregal und "Sin City" habe ich mittlerweile auch schon eine ganze Weile nicht mehr gesehen. Mein Stammkino behob diesen Umstand am gestrigen Tage mit einer binsenweise betitelten Perle der 60er: "Einer frisst den anderen".

Mordlust ahoi! Während Freundin Darlene sich in Tausendernoten suhlt wie Divine in altem Fisch beseitigt Gangster Kostis seinen Komplizen Korbitt waidmännisch fachgerecht im Meer, bevor er sich mit seiner totblondierten Ische per Boot auf den Weg zu einer abgelegenen Insel vor der Küste Italiens macht. Dort wartet die Beute eines gemeinsamen Überfalles in der dementen Obhut einer reichen alten Schachtel, die sich mit ihrem specknackigen Glatzenbutler dort einquartiert hat, um dem Lebensabend entgegen zu wanken.

Livio, Manager des Hotels, in dem das Gangsterpaar Abstieg kriegt Wind von der Kohle und dem Plan und schickt seine Schwester Sandra zwecks Bombenattentat zum bestellten Ausflugsboot der Beiden. Als der totgeglaubte Korbitt auftaucht entbrennt ein Kleinkrieg um die Beute und im Hintergrund macht sich irgendjemand daran, die Zahl der Streitenden stückweise zu dezimieren.

Keine besonders komplexe Kiste, aber unheimlich kurzweilig und mit jeder Menge markiger Sprüche, Kloppereien und Schmier garniert. Man stelle sich vor, Russ Meyer hätte anstelle Quentin Tarantinos "Reservoir Dogs" auf der Heimatinsel des Man Eaters gedreht. Bzw. den Cast dort mit mehreren Kisten Whiskey und einer Monatsration Koks ausgesetzt: besonders Jayne Mansfields Schauspiel gemahnt der Obacht beim Mischkonsum und das Flickenschuldt / Peters - Gespann aus Hausherrin und Butler bringt etwas Gothik in die brennende Sonne des Inselparadieses. Nicht, dass das schlecht wäre, im Gegebteil: das geht runter wie Öl und hat Tempo.

Mehr lässt sich dazu auch nicht sagen. Der Film ist gut und basta. Weiß der Deibel, warum der hierzulande nach Kinoauswertung seinem Schicksal überlassen wurde, aber das Schicksal hat er definitiv nicht verdient. So schönes Niedertrachtentheater wird selten aufgeführt. 

Details
Ähnliche Filme