„Dies Land gehört uns beiden und wir werden es gemeinsam verteidigen!“
Den vor dem Hintergrund des Konflikts zwischen den britischen Besatzern und der Befreiungsbewegung Rhodesiens (dem Vorgänger des heutigen Simbabwes) in den 1970ern angesiedelten Roman Daniel Carneys verfilmte der deutsche Filmemacher Jürgen Goslar („Slavers – Die Sklavenjäger“) im Jahre 1976 als das Actiondrama „Der flüsternde Tod“ in deutsch-britisch-rhodesisch-südafrikanischer Koproduktion und mit aufsehenerregender internationaler Besetzung.
Im afrikanischen Rhodesien hat sich eine sich selbst als Befreiungsarmee bezeichnende Bande formiert, die mordend und brandschatzend die britische Kolonie in Atem hält. Ihr Anführer ist ein sog. Albino, ein hellhäutiger, weißhaariger und rotäugiger Schwarzafrikaner (Horst Frank, „Operation Ganymed“). Nachdem dieser Kolonialisten-Tochter Sally (Sybill Danning, „Das Mädchen mit der heißen Masche“) vergewaltigt und ermordet hat, schwört ihr Verlobter Terrick (James Faulkner, „Der große Walzer“), seines Zeichens Besatzeroffizier, Rache und macht sich zusammen mit seinem Freund Katchemu (Sam Williams, „Victor/Victoria“) auf die Jagd nach dem Albino. Terricks Vorgesetzter Bill (Christopher Lee, „Schlag 12 in London“) hat jedoch berechtigten Anlass zur Sorge, dass ihm dies schlechte Presse einhandeln und nur zur weiteren Eskalation beitragen würde und entsendet seinerseits Männer, um Terrick und Katchemu zu stoppen…
„Töte mich, du änderst doch nichts!“
Bereits der Prolog macht keine Gefangenen und zeigt Terroristen, die ein afrikanisches Dorf ihrer Landsleute blutig überfallen. Etwas kitschig wird das Liebespaar in Zeitlupe auf einem Pferd reitend eingeführt; als deftiger Kontrast wartet jedoch schon der Albino, der dank kruder Maskenarbeit so richtig furchtbar aussieht (Horst Frank ist hinter der Maske kaum auszumachen) und sich auch dementsprechend verhält: in einer Art Ritual vergewaltigt er Sally animalisch und skalpiert und tötet sie anschließend – was jedoch nur angedeutet wird. Erst relativ spät wird deutlich, dass es sich bei diesen Terroristen um eine sich als antiimperialistische Befreiungsarmee begreifende Gruppierung handelt. Dann jedoch sind die Rollen zunächst eindeutig verteilt und „Der flüsternde Tod“ wirkt wie eine typische, an den Italo-Western gemahnende, politisch naive Rache-Geschichte im Actiongewand mit Peckinpah’schen Zeitlupen und vielen atmosphärischen Bildern Rhodesiens sowie einer wunderschönen musikalischen Untermalung durch Erich Ferstl, deren melancholische, wehmütige, sich schnell einschmeichelnde Melodie an Riz Ortolanis Arbeit (oder vielmehr Kunst) für „Cannibal Holocaust“ erinnert und einen ganz ähnlichen Effekt erzeugt: einen Kontrast zum Gezeigten zu schaffen sowie die Traurigkeit und den Schmerz, die mit den Geschehnissen zusammenhängen, allgegenwärtig zu halten, wenn nur noch Hass und nüchterne Berechnung regieren.
Im weiteren Verlauf kristallisiert sich stärker die kritische Haltung des Films gegenüber den Intentionen beider Männer, Terricks und des Albinos, heraus, tritt die Sinnlosigkeit ihrer Gewaltexzesse trotz verständlicher Auslöser hervor – was „Der flüsternde Tod“ konsequent bis zum Unhappy End beibehält, denn einen Sieger kann es hier längst nicht mehr geben. Dass wer unter diesen Umständen als Gefangener fordert, nach der Genfer Konvention behandelt zu werden, stattdessen gefoltert und umgebracht wird, überrascht da wenig. Terricks schwarzer Kollege Katchemu füllt indes eine typisch pathetische Märtyrerrolle aus und ebenso geläufiger wie störender Action-Unrealismus hat es leider auch in den ansonsten übrigens gar nicht so sehr auf wilde Schießereien setzenden Film geschafft, wenn eine regelrechte MG-Salve auf Terrick abgefeuert wird, er jedoch keine einzige Kugel einstecken muss und stattdessen seinerseits mit nur einem einzigen ungelenk abgegebenen Schuss trifft.
Ansonsten aber ist „Der flüsternde Tod“ vor allem ein grimmiger und desillusionierender Film, zugleich gänzlich unverkopft und damit wenig „typisch deutsch“, dabei nicht dumm. Wählt man einen realen politischen bzw. kriegerischen Konflikt als Hintergrund für einen solchen Film, entwickelt dieser – natürlich – auch selbst eine politische Komponente. Goslar jedoch versucht seien Film davon loszulösen und auf eine unpolitische Ebene zu hieven, was bestimmt etwas naiv war, rassistische Tendenzen o.ä. möchte ich ihm jedoch nicht unterstellen. Geht man also davon aus, dass Goslar keine Aussage zur Realität treffen wollte, als er afrikanische Freiheitskämpfer als vergewaltigende und mordende Monster diskreditierte, bekommt man die seltene Gelegenheit, einen zum überwiegenden Teil spannenden, stilvoll inszenierten und emotional berührenden Genrefilm aus deutschen Landen zu sehen, der Horst Frank in eine unglaubliche, unvergessliche Maske steckte, den ehrenwerten Christopher Lee als Militäroffizier und Vorgesetzten eines aufdrehenden James Faulkner präsentierte, die hübsche Sybil Danning leider viel zu schnell aus der Handlung mordet, Trevor Howard („Dämon des Grauens“) als ihren Vater vorstellte und eine Nebenrolle sogar mit Sascha Hehn („Mädchen beim Frauenarzt“) besetzte. Wenn das nicht neugierig macht, weiß ich auch nicht mehr weiter...