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In Zeitlupe gebrochene Nasen, mit Messern zersäbelte Gesichter, karatemäßig versenkte Kehlköpfe, mit Baseballschlägern zertrümmerte Gegner - Jason Statham ist wieder da. Und dieses Mal sind die Choreographien sogar ganz besonders sehenswert. Ob in Echtzeit oder in Slow Motion, hier geht es selbst für Genreverhältnisse grob zu. Uns soll das recht sein. Genauso willkommen ist auch das Zurückschrauben überflüssigen dramatischen Elements, das in unmittelbarer Nachbarschaft des letzten waschechten Actionstars niemand braucht und ohnehin niemand ernst nimmt. So wurde nicht der Fehler wiederholt, der vor zwei Jahren dem Drehbuch von „Redemption" (2013) unterlief, nämlich, eine anstrengend verkappte Liebesgeschichte zwischen dem - zudem viel zu verlotterten - Helden und einer Nonne zu servieren, die sich als Störfaktor durch den gesamten, überdies langatmigen, Film zog. Nicht wenige Filmfans fühlten sich da von Statham fast ein wenig verschaukelt.

Zwar ist auch diesmal die Auswahl der Prioritäten aus später zu nennenden Gründen nicht ganz so stimmig wie unlängst beim exzellenten Haudrauffilm „Homefront" (2013), doch verschont uns Regisseur Simon West, der sich auch für „Expendables 2" (2012), „Mechanic" (2011) und nicht zuletzt für „Con Air" (1997) verantwortlich zeichnete, dankbarerweise mit Kitsch. Ein völlig aus der Spur geratenes Screenplay stand aber auch nicht unbedingt zu erwarten, ist doch Drehbuchautor William Goldman im Besitz eines Oscars.

Nicht nur der Flush ist in Las Vegas straight, auch Nick Wild alias Jason Statham ist wiedermal unverfälscht er selbst. Als Bodyguard und Detektiv verdingt er sich derzeit im Spielerparadies von Nevada. Ruhig, lauernd und omnipotent wie ein Superheld wartet er hier auf seine Gegner, die sich bald in Form einiger Vergewaltiger vor ihm aufbauen. Eine alte Bekannte wurde malträtiert und das kann der Exilengländer nicht auf sich sitzen lassen. So gern er auch hier im Film als vorgeblich friedfertiger Mensch angeblich wollen würde. Außerdem gilt es seine Spielsucht zu kurieren, denn die hält ihn wie ein Magnet im Mekka der geplatzten Träume (Sauber inszeniert wird das zwar nicht, stört aber auch nicht weiter). Während er also den Spitzbuben solange die Gesichter weichkloppt, bis die Dinger nachgeben, setzt er sich an den Black Jack Table und macht reinen Tisch. Mit seiner Vergangenheit, seiner Gegenwart und seinem Leben. So einfach geht das. Wenn man nur Mann genug ist.

Und hier liegt die eine große Schwäche des Films. Nicks einfallslos inszeniertes Kartenspiel gegen eine ihm noch dazu bekannte Tischdame schenkt dem Film weder Dynamik noch lässt es sich als interessantes Beiwerk verbuchen. Ohne jeden Kommentar zu den Regeln wird hier eine Karte ausgeteilt und dort eine weitergereicht, während Jason Statham einen Haufen Plastik vor sich auftürmt. Wie er das bewerkstelligt, geschenkt. Dass er den ganzen Zaster anschließend ebenso beiläufig wieder verliert, umsonst. Irgendwie schade. Denn bei einem Budget von 30 Millionen (!) Dollar hätte man ohne weiteres mehr Adrenalin in die Zockerszene gegen Ende des Films pumpen können als das geschehen ist. Casino-Flair und Las Vegas Feeling kommen zwar auf, erinnern aber nur mit viel Wohlwollen und dann auch nur als ein laues Lüftchen an die großen Vorbilder. Wir verzeihen das unserem letzten Actionhelden gern. Doch irgendwer hat das leider nicht getan, denn „Wild Card" ist ein vollkommener Flop, der nur 1,6 Millionen Dollar gemacht hat. Bei den oben genannten Produktionskosten, eine Katastrophe. Und zwar eine insgesamt unverdiente.

Simon Wests neuer Actionbeitrag ist übrigens eine Adaption des Burt Reynolds Films "Heat" von 1986, der wiederum auf einem Roman basiert. Viel ändert das an den soliden Schauwerten des inzwischen schon nicht mehr ganz aktuellen Jason Stathams zwar nicht, könnte aber mal gesagt sein.

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