Review

Nachdem ich hier in letzter Zeit zumeist der absoluten Gurkentruppe der Filmgeschichte die Parade abgenommen habe, kommen wir hier mal wieder zu einem Fundstück, welches auch wirklich ihr Zeit und Geld wert ist, was um so wahnwitziger erscheint, wenn man bedenkt, wie unbekannt das Ergebnis ist.

Nachdem mir diverse Connoisseure im Web aufrichtig vermittelt hatten, dass sie sich dabei derbe ins Höschen gemacht hätten, hieß es selbst kurz buddeln und dann lag er endlich vor mir : The Ghost of Sierra de Cobre!

Nun soll keiner glauben, dass hier noch Material zum Nachts-Wach-Liegen gefördert wurde, aber dieser kleine TV-Film hat vor allem eines, was viele TV-Produktionen nicht haben, obwohl sie es dringlich behaupten: Atmosphäre.
Das talentierte Händchen in dieser Affäre ist das von Joseph Stefano, der zwar gemeinhin nicht sonderlich bekannt ist, aber immerhin aus Robert Blochs Vorlage anno 1959/60 ein Drehbuch namens „Psycho“ zusammen strickte, welches Grundlage eines recht bekannten Films wurde. Später setzte sich Stefano dann als Chefautor an eine neue TV-Serie namens „The Outer Limits“, deren erste Staffel er praktisch in Showrunner-Position produzierte und zu gewissem Teil auch schrieb – und die sofort in die Knie ging, als er für Staffel 2 seinen Hut nehmen musste.

Nach dem zumeist scifi-orientierten Einschlag von „Limits“ hatte Stefano aber noch andere Ideen und die sollten von Utopia weg hin zu mehr Horror führen. Einmal versuchte er es in der letzten Folge der ersten „Limits“-Staffel mit „The Form of Things Unknown“, deren unheimliche Stimmung er noch einmal latent umkondensierte, um sie als „The Unknown“ neu beendet als Pilotfilm zu präsentieren. (Davon ein anderes Mal!)

Leider fiel die Idee durch, doch als 1964 seine alte Serie auslief, hatte er bereits eine neue Idee am Start und diese Serie sollte „The Haunted“ heißen.
Dafür wurde „The Ghost of Sierra de Cobre” produziert, eine 52minütige Folge, in der Martin Landau (ja, genau der aus „Mission Impossible“, „Mondbasis Alpha-1“ und „Ed Wood“) einen Architekten spielte, der nebenbei auch noch Spukerscheinungen auf Betrug untersucht. Damit fand das heute höchst populäre Genre der „occult detectives“ (ihre Hoch-Zeit hatten sie zwischen 1880 und 1930) erstmalig richtig Einzug in das US-TV!

Und was geschah?
Durchgefallen!
Weil der Film dem Testpublikum zu gruselig war.
(Ich glaubs nicht…)

Also nahm man den Piloten, drehte zu dem vielversprechenden Material weitere 25 Minuten Background-Füller und brachte die Folge als 80minüten TV-Film an den Start – und so liegt der Stoff nun in zwei Fassungen vor.

Und prickelt das alles?
Ja, es prickt!
Heute kommt uns das alles vielleicht altbekannt vor, aber hier sieht man den Prototyp moderner Serien: der Geist einer Verstorbenen ruft aus dem Jenseits an und sorgt für Angst und Schrecken beim (blinden) Sohnemann und dessen Frau, die daraufhin Norman Orion (what a name!) engagiert. Der untersucht in der Folge Gruft und Leichnam, die potzblitz einen eigenen Telefonanschluss besitzen, damit vorgeblich Verstorbene bei Scheintod sich flugs noch melden zu können. Viel schrecklicher ist allerdings Judith Anderson als Hausangestellte mit rollenden Augen, die uns daran erinnern, dass die Frau mal lässig in Hitchcocks „Rebecca“ als Mrs. Danvers ein ganzes Haus in Acht und Bann schlug. Die böse Dame kennt Orion noch aus ihrem Heimatdorf, wo er den Fall einer toten Lehrerin ausnahmsweise nicht lösen konnte und hat ihn dementsprechend auf dem Kieker.
Und dann ist da noch die Erscheinung einer blutbefleckten, stöhnenden und schreienden Frau, die mit großen Effektgewitter auf die Beteiligten hernieder stößt…

Sicher, wir arbeiten hier auf TV-Niveau, aber wenn man die donnernden Soundeffekte hört, mit denen das Publikum hier bombardiert wird und das „negative image“ der Geisterfrau sich ins Gesichtsfeld schraubt, dann steht der Film in Saft und Kraft. Geschickt mixt das Skript Übernatürliches und Betrug zusammen und lässt Landau kombinieren, wenn er nicht durch die hervorragende Gruftlandschaft auf dem örtlichen Totenacker taumelt.

Wie später in den seligen 70ern populär, hatte der Pilot schon alles, was man für einen längere Serie braucht: einen tatkräftigen Akademikerhelden mit Vergangenheit, eine sehr rationale Haushälterin für die Gegenposition, ein hypermodernes über eine Klippe ragendes Haus und nette, geschickt eingesetzte Effekte.
Gut, die Ergänzungen für den TV-Film erweisen sich im direkten Vergleich als handelsübliche Strecker und sind in der einen oder anderen Szene sogar eher überflüssig, aber immerhin klebte man noch ein anderes Ende dran und baute noch mehr Drama in die Szenerie.

Die Darsteller sind allesamt höchst überzeugend, Diane Baker gibt ein vorzügliches Opfer und Anderson kann die Psychos eh aus dem Effeff – viel mehr benötigte dieses Kammerspiel auch gar nicht. Aber es ist höchst schade, dass dieser „Kolchak“- oder „X-Files“-Vorläufer nicht zur Serienreife kam.

War mag, gebe sich dieses Kabinettstückchen mal über YT in OV und genieße die Präzision einer Idee, die ihrer Zeit so gute 25 Jahre voraus war. Für mich ein kleines Fest! (8/10)

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