"War schräg, aber irgendwie cool."
In den 90ern war Riggan Thomson (Michael Keaton) ein angesehener Schauspieler. Seine Rolle in den drei Superhelden-Filmen "Birdman" hat ihn berühmt gemacht. Nach der Ablehnung eines vierten Filmes, geriet er allerdings in Vergessenheit.
Nach Jahren versucht er sich an einem Theaterstück am Broadway um endlich wieder etwas Bedeutendes zu schaffen. Seine Mühen werden allerdings von dem angesehenen, jedoch überambitionierten Schauspieler Mike Shiner (Edward Norton) sowie dem komplizierten Verhältnis zu seiner Tochter Sam (Emma Stone) auf die Probe gestellt.
Michael Keaton ("RoboCop") verbindet man am ehesten mit zweien der vier "Batman" Verfilmungen der 90er Jahre. Nach diesen Auftritten lehnte er weitere Auftritte in Fortsetzungen ab. Seitdem war es ruhig um den zwar präsenten aber unaufdringlichen Schauspieler.
Die surreale Tragikkomödie "Birdman oder (Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit)" konfrontiert eben diesen Darsteller mit einer gleich ausgerichteten Rolle und katapultiert ihn regelrecht zurück auf die Bühne. Trotz der gelungenen Seitenhiebe auf das Showbusiness sowie medien- und sozialkritischen Tönen, existiert ein generelles Problem beim Spannungsaufbau.
"Birdman" befasst sich mit den existentiellen Problemen eines Schauspielers, der immer mehr dem Wahnsinn erliegt. Die Handlung fokussiert sich auf einen Schauplatz und stellt gescheiterte Theaterproben sowie die Konflikte der Charaktere in den Mittelpunkt. Mit zunehmender Laufzeit liegen die Nerven des Protagonisten immer blanker, wodurch die durch fantastische Elemente bebilderten Wahnvorstellungen und Selbstgespräche immer durchdringender wird.
Die Grenzen zwischen Realität und Täuschung verschwimmen häufig in der Tragikkomödie. Dies betrifft nicht nur die visuellen, surrealen Einschübe. Auch bei den Figuren ist man sich häufig nicht sicher, ob sie gerade ihre Rolle ausspielen oder ihre reale Persönlichkeit widerspiegeln. Der resultierende Witz ergibt ein paar schwarzhumorige Szenen, über die man jedoch eher selten ausgelassen lachen kann.
Die Kameraführung ist einzigartig. Wie aus einem Guß bewegt sich die Kamera hinter den Charakteren her, umkreist sie, geht mit ihnen auf Augenhöhe oder bleibt stehen, um ein Zeitraffer zu vollziehen. Schnitte und Umbrüche gibt es nur zu Beginn und am Ende.
Die Soundeffekte wirken experimentell. Überwiegend ergibt ein unrhythmisches Schlagzeugspiel eine sperrige Untermalung zu den virtuosen Bildern. Eher selten mischen sich melancholische Klänge dazu.
Trotz der ständigen Konflikte zwischen den Figuren und der annähernd ruhelosen Kameraführung, fehlt es an Höhen und einem Spannungsbogen. Die Richtung von "Birdman" verbleibt lange Zeit im Dunklen. Der Fokus auf einen Handlungsort lässt keinen Spielraum zu.
Das merkwürdige Ende lässt Fragen offen und zwingt zur Nacharbeit. Viele werden unbefriedigt aus dem Film heraus gehen und nach dem Sinn des Ganzen grübeln oder einfach gelangweilt abwinken.
Sämtliche Schauspieler füllen ihre Rollen grandios mit Leben. Insbesonders Michael Keaton, Edward Norton ("Fight Club", "Der unglaubliche Hulk") und Emma Stone ("The Amazing Spider-Man"-Reihe, "Gangster Squad") stechen hier heraus. Aber auch Zach Galifianakis ("Hangover"-Reihe) sowie Naomi Watts ("King Kong", "Attentat auf Richard Nixon") präsentieren ungeahnte Leistungen.
"Birdman oder (Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit)" ist sicherlich nicht das Meisterwerk, wie es von vielen Kritikern gepriesen wird. Dafür ist es zu speziell, kurios und auch sperrig. Insbesonders die fehlende Spannung führt zu einigen wiederkehrenden Längen. Und der unverständliche Abschluss wirkt eher abschreckend. Dennoch muss man die Leistung der Darsteller, die beeindruckende Nähe zu den Figuren, die Kameraführung und die satirischen Spitzen anerkennen. Knappe ...
7 / 10