Review

Endlich mal wieder Wackelkamera unter freiem Himmel und nicht bei Mama und Papa im Schlafzimmer oder neben dem Gitterbett des Töchterchens, bei dem es bereits seit zwölf Generationen böse Randerscheinungen zu beobachten gibt.
Der Südafrikaner Darrell Roodt präsentierte uns 2007 mit "Prey" bereits angriffslustige Großkatzen, nun erweitert er den Gefahrenkreis in der titelgebenden Safari.

Ein paar amerikanische Touristen um Jess und Zack nehmen an einer dreitägigen Safari in Südafrika teil und sind enttäuscht, nach Zebras und Giraffen keine Löwen gesehen zu haben. Also lenkt der einheimische Führer den Jeep ins Jagdrevier, wo prompt die Achse bricht. Komplett auf sich allein gestellt, muss die Gruppe in der Wildnis vorwärts kommen und sich vor Hyänen, Löwen und anderen Gefahren in Acht nehmen...

Die eigentliche Hauptfigur, das einheimische Mädchen Mbali, erfährt während der Exposition eine kleine Hintergrundgeschichte, als sie mit ihren Geschwistern nach Johannisburg geschickt wird und Löwengebrüll ein jähes Ende der gemeinsamen Reise ankündigt. Mbali wird später von der Reisegruppe aufgegriffen und kristallisiert sich rasch als eigentliche Heldin heraus, da sie sich emotional zurückhält, stille Stärke beweist und aufgrund der hiesigen Lebensbedingungen ein ums andere Mal rettende Nahrung auftreiben kann.
Der Rest der Gruppe besteht eher aus Abziehbildern gängiger Oberflächlichkeiten, wobei zumindest typische Ethno-Klischees und Vorurteile vermieden werden.

Nach knappen Reisevorbereitungen, welche aufgrund hölzerner Dialoge eher wie die geballte Form konstruierter Authentizität daherkommen, geht es zu diversen Handkameras über, welche im Rahmen ihrer Möglichkeiten weitgehend ruhige Bilder einfangen, - zumindest solange noch keine Bedrohung auszumachen ist oder gar ein Fluchtweg eingeschlagen wird.
Die Zutraulichkeit der erspähten Wildtiere wirkt zwar ein wenig wie ordentlich dressiert, doch es unterstreicht in relativ geschickter Montage die Vielfalt der afrikanischen Natur.

Mit dem Biss einer Kobra und einem Herzinfarkt geht es allerdings bergab mit den Überlebenschancen, wobei ernsthaft infrage gestellt werden muss, ob professionelle Reiseführer nicht zumindest Funkgeräte, Verbandszeug oder gar ein Gewehr dabei haben sollten, während Telefone natürlich kein Netz kriegen, die Gruppe jedoch auch nicht versucht, mit nahe liegenden Mitteln wie Teilen des Autos Waffen zur Abwehr zu basteln.
So latscht man relativ ziellos und mit ungenauem Blick auf die Landkarte durch die Landschaft und das Dahinsiechen nach dem üblichen Dezimierungsprinzip ist vorprogrammiert.

Das passable Grundtempo und latent vorhandene Bewegung führen jedoch zu einigen Ereignissen, welche ein wenig an eine Mischung aus "Open Water" in Afrika und "Final Destination" erinnern, denn sobald jemand an einem uralten Gewehr aus einem überwucherten Bunker herumfuchtelt, kann die Sache eigentlich nur ins Auge gehen und wer Angst vor einem kleinen Satz von Felsvorsprung zu Felsvorsprung hat, stürzt unweigerlich ab.

Allerdings hätte man mithilfe der Präsenz der Wildtiere weitaus mehr Suspense schüren können, zumal die Sounduntermalung in den nächtlichen Stunden durchaus seinen unheimlichen Reiz versprüht und das kollektive Lachen der Hyänen seine Wirkung nicht verfehlt. Demgegenüber fallen die eigentlichen Angriffe reichlich unspektakulär aus, denn vom Zusammenspiel zwischen Tier und Mensch bleiben oft kaum definierbare Frames übrig, während die Kamera häufig auf dem Boden liegt und aufgrund der vorherigen Erschütterung einige Abläufe "verschluckt" werden.

Im Gesamtbild könnte es also spannender, spektakulärer und mitreißender ablaufen, doch die okayen Mimen performen ausreichend, der Schnitt arbeitet ordentlich und auch die Ausgangsposition, allein in der Wildnis Afrikas reichlich aufgeschmissen zu sein, wird weitgehend authentisch transportiert. Im Bereich Found Footage sicherlich eine willkommene Abwechslung, - vom eigentlichen Sujet her jedoch beileibe nicht voll ausgeschöpft.
Knapp
6 von 10

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