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"Taugt das neue Spiel denn etwas?"

Unter dem Lehrmeister Gouken (Akira Koieyama) erlernen der ungeduldige Ken Masters (Christian Howard) und der eher spirituell veranlagte Ryu (Mike Moh) die Geheimnisse des Kampfstiles Ansatsuken. Die schwer zu beherrschende Kampfkunst kann den Anwender außergewöhnliche Fähigkeiten geben, ihn aber auch in einen selbstzerstörerischen Rausch hinab zerren. So ist es bereits Gouki (Joey Ansah), dem tot geglaubten Bruder von Gouken, ergangen. Allerdings lebt dieser als Dämon Akuma weiter und wartet auf die Chance gegen Gouken anzutreten. Denn es kann immer nur einen Meister des Ansatsuken geben.

Die Videospielreihe "Street Fighter" gehört zu den bekanntesten Beat-em-Up-Spielen überhaupt. Zahlreiche Teile und Ableger haben dieses Universum mittlerweile zu einem stattlichen Umfang wachsen lassen. Auch Verfilmungen belegen ein Interesse abseits der Spiele an sich. Bislang hatte sich allerdings keine von diesen ernsthaft mit der Materie auseinandergesetzt.
"Street Fighter: Assassin's Fist" entstand als Fan-Projekt und adaptiert die Videospielreihe erstmals annähernd originalgetreu. Das kleine Projekt wuchs zu einer 12-teiligen Webserie heran und bekam schließlich einen umfangreichen Zusammenschnitt. Trotz der enormen Ambitionen ist aber auch diese Verfilmung keine wirklich gute.

Die Videospiel-Verfilmung greift sich aus dem mittlerweile äußerst reichhaltig bevölkerten "Street Fighter"-Universum lediglich die Figuren Ken, Ryu, Gouken und Akuma heraus und erzählt seine Geschichte mit vielen Rückblenden. Auf diese Art entstehen zwei erzählerische Hauptstränge, die sich relativ ähneln. In beiden geht es um das Erlernen des Kampfstiles Ansatsuken und dessen Tücken.

Die Liebe zum Detail ist schon erstaunlich. Die Kulissen und Landschaften erreichen ein hohes Niveau, die Figuren und deren Outfits sind an ihre Vorbilder angepasst und auch diverse Special-Moves aus der Spielereihe sowie die dazugehörigen Ausrufe sind schnell ersichtlich. Letzteres gibt dem Film einen kindlichen, teils trashigen Charakter, lassen Fans der Spiele aber erfreut die Mundwinkel nach oben ziehen.

Es ist sicherlich nicht die Mühe soviel wie nur möglich von der Videospielreihe in "Street Fighter: Assassin's Fist" unterzubringen, die ihm zum Verhängnis wird. Eher die enorme Geschwätzigkeit und die zahlreichen Wiederholungen. Dramaturgisch finden sich nur wenige Höhen, denn die eigentlich sehr einfache Geschichte ist vorhersehbar und zieht sich enorm in die Länge, was bei einer Laufzeit von annähernd 150 Minuten kein zuckerschlecken ist. Bekannte Elemente, wie der Kampf gegen eine düstere Seite in einer Figur selbst sowie die Problematik eines aufsässigen, übereifrigen Schülers zeigen, dass hier leider auch keine Innovation zu finden ist.

Die Zweikämpfe dagegen haben hohes Potential, kommen allerdings eher selten vor, sind relativ kurz und kommen gegen aktuelle Referenzen, wie die "The Raid"-Reihe, nicht an. Dennoch sind sie sehr dynamisch inszeniert, technisch perfekt ausgearbeitet und mit dezenten Effekten der Special-Moves aufgepeppt. Eine Stärke, die einfach zu wenig in den Fokus gesetzt wird. Das ist besonders schade, da es sich hier um ein Prügelspiel handelt, der Film aber mehr auf erzählerische Faktoren setzt.

Zwar leiden Christian Howard und Mike Moh unter ihren zu glatten Charakterportraits, erwecken die Spielikonen aber überzeugend zum Leben. Schauspielerische Höhen gibt es ansonsten nicht. Namhafte Stars ebensowenig.

Hinsichtlich der Akribie bei den Hintergründen der Figuren mag "Street Fighter: Assassin's Fist" sehr nah an der Vorlage agieren. Das täuscht allerdings leider in keinster Weise über die schwache Dramaturgie, Actionarmut und fehlende Abwechslung hinweg. Zugegeben, der Film ist unglaublich detailverliebt und bindet sogar Videospielkollegen Mega Man mit ein. Spätestens aber wenn das Finale den über die gesamte Laufzeit aufgebauten Zweikampf nur andeutet und mit dem drüber fegenden Abspann bestenfalls eine Fortsetzung erhoffen lässt, ist das doch ein sehr übler Schlag ins Gesicht. Knappe ...

5 / 10

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