GODZILLA und die Rückkehr des Königs aller Filmmonster auf die große Leinwand - kaum ein anderer Film wurde in diesem Jahr so erwartet, wie das gigantische Blockbuster-Event der prähistorischen Riesenechse anlässlich ihres 60. Geburtstags.
Doch ist der Hype, der um GODZILLA lange im Vorfeld gemacht wurde, auch gerechtfertigt? Ausbezahlt hat sich die Strategie auf jeden Fall, denn Gareth Edwards Version hat die lästige Konkurrenz gnadenlos hinter sich gelassen, die Produktionskosten längst wieder eingespielt und ein zweiter Teil ist bei den verantwortlichen Studios längst beschlossene Sache!
Der Erfolg eines strategischen Schachzugs im Rahmen einer intelligent kalkulierten Promotion-Maschinerie, die effektiver und erfolgreicher scheint, als sämtliche Versuche der US-Army, einen Angriff prähistorischer Monster auf die US-Staaten zu verhindern.
Der Zweck heiligt die Mittel - von daher ist es durchaus legitim, einen Hype um den neuesten Versuch, dem GODZILLA-Kult in einer US-Version halbwegs gerecht zu werden, endsprechend loszutreten und in unzähligen Teasern und Trailern, sowie auf diversen Szenenfotos und Plakaten, den Gigantismus von GODZILLA ins rechte Licht zu rücken. Dabei wurde auch auf die Mitwirkung von Bryan Cranston gesetzt, der aufgrund seiner beachtlichen darstellerischen Leistungen in der Erfolgsserie "Breaking Bad", auch die Zuschauer ins Kino locken würde, die mit GODZILLA eigentlich gar nichts anfangen können.
Aber gerechtfertigt ist der Hype, der um GODZILLA gemacht wird, leider nicht! Denn wer sich nicht von furios inszenierten Massenszenen und spektakulären Monsterkämpfen blenden lässt, wird zugeben, dass GODZILLA Etikettenschwindel ist und die Promotion-Strategie Erwartungen und Eindrücke weckt, die der Film teilweise nicht erfüllt!
+++ ACHTUNG: das Review enthält von nun an SPOILER! +++
Und dabei geht es nicht um die Tatsache, dass GODZILLA in dem knapp zwei Stunden langen Film erst nach einer Stunde zu sehen ist - ganz im Gegenteil: es dient dem Spannungsaufbau, das titelgebende Monster nicht gleich zu Anfang in Szene zu setzen - und das ist auch hier sehr gut gelungen und auch kein Kritikpunkt. Nach und nach wird immer mehr von GODZILLA in Erklärungen bekannt gegeben oder von ihm gezeigt: Der Fuß, der lange Schwanz oder der riesige Rücken...immer Stück für Stück bis der Höhepunkt erreicht ist und GODZILLA in ganzer Pracht und mit einem ohrenbetäubenden Schrei die Leinwand erzittern lässt.
Doch was ich in erster Linie als Etikettenschwindel empfinde, ist die Tatsache, dass weder Bryan Cranston noch GODZILLA die Hauptrollen spielen, wie es die Trailer und der Titel vermuten lassen. Nein, sie werden von zwei Mutos (prähistorischen Flugsauriern) zu Nebenrollen degradiert, wobei Cranston bereits nach wenigen Minuten einen unspektakulären Filmtod stirbt. Auch der zweite namhafte Star auf der Besetzungsliste verabschiedet sich bereits nach wenigen Minuten: Juliette Binoche, die, nach Bryan Cranston, in den Credits als Hauptdarstellerin genannt wird, insgesamt aber - hoch gerechnet - auf fünf Minuten Screentime kommt.
In keinem der unzähligen Trailer, die ich bis kurz vor Kinostart gesehen hatte, wurde nicht einmal ansatzweise die Beteiligung weiterer Monster suggeriert. Der Fokus lag ausschließlich auf GODZILLA und nicht auf zwei mechanisch aussehende prähistorische Flugmonster, die letzten Endes in GODZILLA für Angst und Schrecken sorgen und das Trashpotential höher schrauben als der eigentliche Hauptdarsteller.
Das mag zwar mehr dem japanischen Original geschuldet sein und Erinnerungen an Ableger wie "Frankensteins Monster jagen Godzillas Sohn", "Godzilla und die Brut des Teufels" oder "Godzilla und die Urwaldraupen" wecken - es ist aber auch ein Fakt, dass der Zuschauer unter falschen Voraussetzungen ins Kino gelockt wurde. Daher stellt sich dann für den weiteren Verlauf der Filmhandlung die entscheidene Frage, ob GODZILLA es schafft, den Vertrauensbruch am Publikum durch einen hohen Unterhaltungswert wieder auszugleichen.
GODZILLA beginnt mit einer dramatischen Vorgeschichte als Einleitung auf die späteren Ereignisse. Schon sehr früh offenbart Gareth Edwards sein Talent für die Inszenierung brachialer Zerstörungsszenarien. Die ausgezeichneten Special Effects, die eindrucksvoll und realistisch ein Atomkraftwerk in sich einstürzen lassen, unterstreichen den aufwändigen Charakter von GODZILLA. Im Gegensatz zu vielen anderen Blockbustern, die verstärkt auf spektakuläre Effekte setzen, denen man aber auch die Herkunft aus dem Rechner ansieht, überzeugt GODZILLA auf ganzer Linie. Auch die späteren Szenen in der Quarantänezone des angeblich atomar verseuchten Sperrbezirks, zeugen von hoher Qualität und Authenzität, wobei das dargestellte Endzeitszenario sehr gut gelungen ist.
Bis Godzilla jedoch in der 60. Minute erstmals auftaucht, stehen Fachsimpelei über einen vor Jahren bei Minenarbeiten entdeckten Muto im Vordergrund der dialoglastigen Handlung - doch das inszenatorische Gleichgewicht zwischen Interaktion und Aktion wird durch den Ausbruch dieses prähistorischen Wesens schnell wieder hergestellt. Dieser Flugsaurier hinterlässt auf Hawaii eine Schneise der Verwüstung und macht sich zusammen mit einem Weibchen auf, die Vereinigten Staaten dem Erdboden gleichzumachen.
Und hier kommt dann der König der Monster, Godzilla, ins Spiel, der als urzeitliches Alpha-Raubtier eingeführt, durch die Paarungsrufe der Mutos angelockt wird und sich auf die Jagd nach ihnen macht, um diese aufzuhalten.
Während sich die Story auf dem Papier einfach liest, wirkt sie, inszeniert und auf zwei Stunden Laufzeit verteilt, allerdings überfrachtet und arg konstruiert. Die Handlungslinie ist zwar geradlinig strukturiert, doch das Drehbuch von Max Borenstein hat den Makel, dass es sich selbst immer wieder ausbremst.
Auf eine Aktion der Monster, die mit ausgezeichneten Spezialeffekten und imposanten Massenszenen perfekt in Szene gesetzt sind, folgt gleich wieder die Vollbremsung und in unendlichen Dialogszenen wird über mögliche Theorien, den gewaltigen Feind aufzuhalten, diskutiert. Diverse Nebenstränge wie das Klischeebild der Familie, die sich in höchster Gefahr befindet, sind für den Kontext unerheblich, entbehrlich und dienen nur dazu, die Inszenierung in die Länge zu ziehen. Dabei wird durch die fortwährende Unterbrechung der Monster-Action genau das Gegenteil bewirkt: das Tempo wird gedrosselt, die Dramatik kann sich kaum entfalten und auf die Dauer schleichen sich immer mehr Längen in das Handlungsgerüst.
Dabei sind vor allem die Szenen, in denen entweder die Mutos oder Godzilla die Szene beherrschen, die Höhepunkte des gesamten Films. Angereichert mit tricktechnisch eindrucksvoll in Szene gesetzten Katastrophenszenarien wie der Tsunami oder die Zerstörung diverser Wolkenkratzer mit eindrucksvollen Explosionen, kann "Godzilla" vor allem in dieser Hinsicht voll und ganz überzeugen und als gigantische Zerstörungsorgie glänzen.
Doch sobald die Kamera wieder minutenlang in den Kommandozentralen der Army verweilt und neue Strategien entwickelt werden, verfällt der Film wieder schnell in seine geschwätzige Monotonie. Ein weiterer Makel in der Inszenierung, den man großzügig unter den Teppich hätte kehren können, wenn es der einzige Makel gewesen wäre.
Mit Bryan Cranston alias Joe Brody stirbt nicht nur das darstellerische Schwergewicht des Films, sondern vor allem auch die charismatischste Rolle. Alle weiteren Charaktere verkommen in ihrer Eindimensionalität zu Statisten, die keinerlei Identifikationsmöglichkeiten bieten. Ken Watanabe als Dr. Serizawa mag noch halbwegs Akzente setzen, wogegen David Strathairn als Admiral Stenz blass und weit hinter seinen Möglichkeiten bleibt. Aaron Taylor-Johnson und Elizabeth Olson als Ford und Elle Brody bleiben uninteressant und darstellerisch austauschbar, während Olsons Part einer der vielen ist, die entbehrlich sind.
Bei einer Laufzeit von 123 Minuten ist "Godzilla" außerdem viel zu lang geraten. Neben diversen Logiklücken sind die zahlreichen Längen in der Inszenierung mehr als deutlich spürbar. Obwohl die Handlung teilweise überfrachtet wirkt, ist es für zwei Stunden einfach zu wenig. Die zahlreichen Angriffe der Monster sind aufwändig inszeniert und bilden den Kern der Story, deren Umsetzung es aber einfach an Tempo mangelt.
Trotz der ungebremsten Zerstörungswut der Mutos ist auch der Actionanteil zu gering ausgefallen - zumal Regisseur Edwards vielmehr das Ausmaß der Zerstörung in imposanten Katastrophenbildern präsentiert, als eine nicht enden wollende Zerstörungsschlacht in Szene zu setzen, wie man es aus dem Original-"Godzilla" und seiner Nachfolger kennt.
Auch hinsichtlich der Dramatik, eines der wichtigsten Stilmittel überhaupt, kann Regisseur Edwards das anfängliche Niveau aus den ersten Szenen des Films im weiteren Verlauf nicht mehr halten. Die Sequenzen in der Magnetbahn und auf der Golden Gate Bridge sorgen für etwas Nervenkitzel - ansonsten gehen Spannung und Dramatik im Perfektionismus der Special Effects unter und lassen "Godzilla" seltsam unterkühlt erscheinen.
Der finale Kampf zwischen Godzilla und den Mutos versetzt den Zuschauer noch einmal in die Vergangenheit und lässt Erinnerungen an die Kämpfe aus "Frankenstein - Zweikampf der Giganten" oder "Godzilla versus Mechagodzilla" wach werden.
Insgesamt gesehen ist "Godzilla" ein Film, der mit vielen kleinen Zitaten und Ideen versucht, an den klassischen "Godzilla" von 1954 anzuknüpfen. Leider verträgt sich der bombastische Aufwand und der hohe Anteil an spektakulären Effekten nicht zu 100 Prozent mit der konsequent ernst erzählten Geschichte, die aufgrund des "Godzilla"-Charakters aber auch viele trashige Momente aufweist.
Das düstere Endzeitszenario mit unzähligen Städte-Landschaften, die in Schutt und Asche gelegt wurden, mangelt es hier und da an Witz und das gewisse Augenzwinkern, was lautes und spektakuläres Popcorn-Entertainment ausmacht.
Gareth Edwards ist ein hervorragender Regisseur, aber ein perfektes Zusammenspiel zwischen den ernsten Grundtönen und des Trashpotentials der Story zu schaffen, ist ihm leider nicht gelungen. Zusammen mit diversen anderen Kritikpunkten bleibt unter dem Strich ein gutes, aber auch langatmiges Monster-Movie mit ausgezeichneten Effekten, die realistischer nicht sein können, aber auch jeglichen Spaß vermissen lassen.
Angesichts des Hypes, der im Vorfeld um diesen Film gemacht wurde, ist "Godzilla" in mancher Hinsicht eher eine Enttäuschung als eine Überraschung. Wer natürlich das Hauptaugenmerk ausschließlich auf Action und Zerstörung legt, der wird hier auch bestens bedient. Wer allerdings über den Tellerrand hinaus schaut, wird so einiges vermissen, was einen richtig guten Film ausmacht...
6,5/10