Fernab von Produktionsschmieden wie SyFy und The Asylum haben Filmemacher offenbar verlernt, Tierhorror ohne billige Computertricks zu entwerfen. Da muss erst einer wie Davis Hackl ("Saw V") mit seinem zweiten Spielfilm und etwas mehr Budget als üblich ran und zeigen, wie man mit einem realen Bären spannende Konfrontationen kreiert.
Rowan (James Marsden) kehrt nach einigen Jahren Abstinenz in seinen Heimatort in die Wälder Alaskas zurück und wird unsanft von seinem Bruder, dem lokalen Sheriff Beckett (Thomas Jane) empfangen. Als einige Holzfäller auf rätselhafte Weise ums Leben kommen, sollen Beckett und Kollege Sully (Scott Glenn) den Tatort untersuchen, doch dann verschwindet Becketts Freundin Michelle (Piper Perabo) spurlos im Wald...
Die Figurenkonstellation ist eher an genrebedingte Klischees gebunden, was insgesamt ein wenig zu stereotyp ausfällt: Der eigentliche Held saß sieben Jahre unschuldig im Knast, sein entsprechendes Love Interest ist überraschenderweise immer noch vor Ort (aber natürlich kurz vorm geplanten Weggang), hinzu kommt ein unerbittlicher Jäger (Billy Bob Thornton), jedoch auch die Tatsache, dass Michelle taub ist und folgerichtig nicht das laute Grollen des riesigen Bären wahrnehmen kann.
Und dieser ist nicht etwa ein Statist unter Ganzkörperfell, sondern "Bart", ein echter Braunbär, welcher im Vorspann genauso erwähnt wird, wie die übrigen, weitgehend namhaften und durchweg überzeugend auftretenden Mimen.
Der Koloss hält sich mit den Angriffen zunächst ein wenig zurück, doch allein die Statur innerhalb der toll gewählten Schauplätze in urig rauer, stets nasskalt erscheinender Natur verlangt bereits Respekt ab.
Im letzten Drittel und insbesondere während des Showdowns überschlagen sich hingegen die Ereignisse und da macht es sich besonders bezahlt, dass Mensch und Tier bei Konfrontationen vielfach gemeinsam im Bild zu sehen sind und der Grizzly sogar mal an einem Gesicht nagt. Nur wenige Einstellungen wurden per CGI vorgenommen, was im entsprechenden Kontext dem Wohl des Tieres dient, während die wenigen, teils auch expliziten Gewalteinlagen ebenfalls handgemacht sind.
Minimale und größtenteils erahnbare Twists fallen bei alledem kaum ins Gewicht und wahrscheinlich hätte die Chose noch etwas intensivere Unterhaltung geboten, wenn mit einem Hauch von Augenzwinkern ein paar Randfiguren mehr auf der Speisekarte des Killerbären gelandet wären. Doch unterm Strich dürften Tierhorrorfreunde mit dem Ergebnis zufrieden sein und im Hinblick auf William Girdlers "Grizzly" von 1976 einen nahezu adäquaten Nachfolger gefunden haben.
7 von 10