Der Londoner Auftragskiller Bradley (Gary Daniels) bereitet gerade einen Hit vor, in dem es um eine verschwundene DVD geht, die er wiederbeschaffen soll. Leider befindet sich diese derzeit im Besitz von Helge Schneider (Mickey Rourke), welcher dem diesbezüglichen Interview-Termin mit dem Hitman eher gelangweilt entgegensieht. Doch Bradley bekommt nicht nur die Silberscheibe wieder, sondern räumt nebenher auch sämtliche anwesenden Schergen beiseite - dummerweise auch die schwangere Tochter der singenden Herrentorte. Nach dieser für ihn dann doch betrüblichen Erfahrung zieht er sich aus dem Profikiller-Geschäft zurück. 6 Monate später wird er Zeuge, wie direkt vor seiner Haustür zwei Bordsteinschwalben vom ihrem russischen Zuhälter malträtiert werden - und da er von den finsteren Herrschaften selbst als Essensbote gedisst wird, entschließt er sich, mal wieder seine Fäuste auszupacken: In einem Pub, wo die Mädels mit Drogen gefügig gemacht werden, nietet er die bösen Buben wieder reihenweise um und hinterläßt gleich mal 8 Leichen. Gerade als er gehen will, erweist sich eine der Bordsteinschwalben als anhänglich und weil Bradley ein gutes Herz hat, darf ihn Anna (Dominique Swain) dann auch begleiten. Sein Ex-Boss (Eric Roberts) verschafft ihm zunächst eine sichere Bleibe, hat aber auch eigene Pläne mit Bradley. Wird es der geläuterte Auftragskiller mit dem treudoofen Blick schaffen, seinen Häschern zu entgehen...?
Regisseur Ara Paiaya (der mitsamt einigen Familienmitglieder auch gleich selbst im Film auftritt) hat mit Skin Traffik - Sein letzter Auftrag einen herrlich trashigen 80er-Retro-Prügelstreifen gedreht, der einem durch teilweise fürchterliche Darbietungen einstmals bekannter Darsteller gepaart mit vorhersehbar klischeehaften bis abartig blöden Dialogen von Anfang an ein breites Lächeln ins Gesicht zaubert. Dies beginnt schon beim ersten Auftritt Bradleys, als der Einzelkämpfer wegen der DVD bei einem arroganten Gangsterboss aufkreuzen muß - welch Überraschung, daß sich hinter dem Typ mit dem aufgedunsenen Gesicht und der Sonnenbrille Helge Schneider verbirgt, den man übrigens auch sofort erkennt (obgleich er laut Besetzungsliste "Vogel" heißt und eben nicht Helge Schneider, was aber egal ist). Leider hat der vermeintliche Mülheimer nur einen kurzen Auftritt, denn dann passiert dem Helden Bradley (der übrigens noch relativ gut durchtrainiert agiert) schon das Mißgeschick mit der schwangeren Tochter: Als er einen Bodyguard im Aufzug erschießt, geht die Kugel durch diesen hindurch und trifft die hinter ihm stehende Tochter - so ein Pech aber auch. Kurzer Szenenwechsel zu Bradleys Wohnviertel, wo gerade zwei Prostituierte (die so "echt" aussehen, als hätten zwei Laiendarstellerinnen zum ersten Mal ganz neue Klamotten aus dem Sexshop um die Ecke ausprobiert) im Wind frieren, als sie der böse Zuhälter (mit bekannt kehligem russischen Akzent) wegen offenbar zu geringer Rendite zurechtweist. Der dumm herumstehende Bradley, zu keiner Handlung fähig, soll den Galgenvögeln dann Burger holen, geht aber zunächst in seine Wohnung und denkt angestrengt nach. Als die beiden Mädels dann aber in des Zuhälters Siebener BMW verschleppt werden, gibt er sich einen Ruck...
Nein, innovativ ist das wirklich nicht, und Spannung kommt schon gar keine auf, dafür bürgen Dialoge wie:
"Jessica... ich hätte sie beschützen müssen. ich bin ihre große Schwester..." - "Versuch zu essen. Dann geht es Dir besser."
oder
"Oooh! Du bist also stehengeblieben, weil Du Dich nicht strafbar machen willst, weil Du am Steuer telefonierst?"
und dergleichen für eine ..äh.. fundierte Auseinandersetzung mit der menschlichen Psyche. Oder anders ausgedrückt: Manche dargestellten Verhaltensweisen sind derart realitätsfern, daß es schon wehtut. Da fallen einem die holzschnittartigen Charaktäre (Ausnahme der stets süffisant grinsende Eric Roberts als Oberschurke) schon gar nicht mehr auf, denn das bißchen Spannung bezieht der Film eher aus der Erwartungshaltung des Zuschauers, wie klischeehaft blöde es denn noch werden kann.
Schnittechnisch gibt es übrigens nicht viel auszusetzen, die Kampfsequenzen sind sogar einigermaßen gut choreografiert (wenn man außer Acht läßt, daß Bradley auch mit einem halben Dutzend Bewaffneter spielend fertig wird), der Sound passt zum Dargebotenen, nur die Automarke BMW wird verdächtig oft ins (schicke) Bild gesetzt.
Ich bin überzeugt davon, daß A Hitman in London, wie der Film titeltechnisch für das britische Publikum benannt wurde, nicht als Trashfilm konzipiert war, dennoch verströmt der Streifen in jeder Sekunde das Flair längst vergangener Action-Muster, als man gerne glauben wollte, daß ein böser Bube im Grunde seines Herzens doch ein Guter sein konnte (ja mußte!), Frauen nur gut aussehen und ansonsten dumm wie Brot sein soll(t)en und am Ende die Gerechtigkeit (was immer das sei, hier ist es das Zerschlagen eines Mädchenhändlerrings) gewinnt - na logisch, ist doch Ehrensache. Oder nicht?
2 Punkten für eine penetrant auf stylish getrimmte Kameraführung samt hochglanzpolierter Kulissen und bemüht "cooler" Attitüde stehen 8 Punkte für einen durch unfreiwillige Komik überraschend unterhaltsamen Inhalt gegenüber - letzterer überwiegt. Mit einem (oder mehreren) kühlen Bierchen auch durchaus partytauglich: 6 Punkte.