Review

Unter dem Strich ein passabler Grusler, in Ansätzen wäre für "Link" mehr drin gewesen.
Regisseur Richard Franklin, der uns schon mit Filmen wie "Truck Driver" und "Psycho 2" verwöhnt hat, bietet hier einen ordentlichen Thriller mit Mini-Besetzung, der zum Glück nie affig wird.
Dabei setzt er wie ein Kammerspiel an: eine Studentin als Assi eines Biologen, der sich einen Orang-Utan als Hausdiener leistet und mit zwei Schimpansen experimentiert. Angesiedelt in der wild-herb-wunderschönen Landschaft einer britischen Steilküste, in beinahe absoluter Einsamkeit, bieten sich wunderbare Möglichkeiten für Experimente in Isolation. Und Franklin liefert tatsächlich wie bestellt.
Obwohl wir nur zwei wirklich handelnde Personen haben, fängt Franklin das Haus als Bühne des Geschehens mit ein, durchleuchtet die Etagen, gibt uns Einblicke in die Topograpie, bereitet die Szenerie vor. Dann beginnt die menage a troi, samt Orang Utan Link, der zu Beginn eher wie ein unbeteiligter Teilnehmer wirkt.
Dafür gönnt Franklin das erste Drittel Stamp, dessen reizbare Monologe einen beachtlichen Nährboden für die späteren Ereignisse bereiten. Er weißt nicht nur auf die brutale Agressivität, als auch auf die beinahe unheimliche Intelligenz hin, die noch von Bedeutung sein werden. Das geschieht jedoch so beiläufig, daß es kaum auffällt, überfährt Stamp bei seinen Tiraden sowohl uns wie auch die junge Shue.
Doch dann deutet sich der Umschwung an, obwohl er uns nicht vorgeführt wird, denn auf einmal ist Elizabeth Shue allein auf der Szenerie, erst unmerklich, dann offensichtlich. Langsam aber sicher, wird das unbewegte Gesicht des Orang-Utans immer unheimlicher und mit sachlicher Ruhe nimmt er Shue jede Kontaktmöglichkeit zur Außenwelt. Dabei muß Franklin gar nicht dick auftragen, sondern läßt seinen primaten Hauptdarsteller einfach machen, der geradezu Unglaubliches vollbringt.
Das Verhältnis zwischen Affe und Mädchen, der es langsam aber sicher aufgeht, daß sie in Lebensgefahr schwebt, wird zunehmend angespannter und kulminiert später in einem Gewaltausbruch reinsten Terrors, unterstützt durch einen Käufer der Affen und Shues Freund samt zweier Kumpel, die jedoch nur Frischfleisch darstellen.
Obwohl mit so leckeren Feinheiten wie Verfolgungsszenen aus der Affenperspektive gespickt und mit prima Kamerafahrten gespickt, verliert der Film hier etwas von seinen Qualitäten, denn die Einführung der "Opfer" wirkt stets etwas bemüht, ebenso wie ihr späteres Auftauchen als Leiche. Auch die Morde, die Link begeht, sind uns von Tramp schon geschildert worden, ehe wir sie hier wirklich sehen können. Das ist alles etwas formelhaft und altbacken, ebenso wie die seltsame Wahl des Affen, den Freund der Heldin erst mal am Leben zu lassen unlogisch ist.
Hier wird Franklin leider Opfer von Horrorfilmkonventionen, auch wenn ihm eine hervorragende und wirklich atemberaubende Schlußjagd quer durch das Haus gelingt, die in der dargestellten Hektik ihresgleichen sucht. Der Abschluß mit dem brennenden Haus ist dann jedoch wieder reinstes Klischee, ebenso wie die Frage, warum der Affe nicht sofort aus dem brennenden Haus flüchtet, da er sonst recht menschliche Intelligenz aufweist.
Aber das ist eh ein Punkt, auf den nicht ausreichend eingegangen wird, denn obwohl man von Experimenten und Gedankenübertragung hört, bleibt das Ziel von Tramps Forschungen dubios und Links Intelligenz und Handlungsweise weitreichend ungeklärt, obwohl hier nicht nur Bedarf, sondern sogar Interessepotential bestanden hätte.
Trotzdem bleibt der Film von der Anlage her mehr Unikat als konventioneller Tierthriller, der jedoch mit zunehmender Laufzeit in bekannte Gewässer abdriftet. Trotzdem Bonuspunkte für die Set Direction, die gute Kameraarbeit, Atmosphäre und den haarigen Protagonisten, der zumindest seine weibliche Mitspielerin locker an die Wand spielt.
Sackt im Verlauf leider von 8 auf 6/10.

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