Noch'n Slasher, die alten Probleme!
Es gibt eigentlich nur zwei wesentliche Gefahren für einen schönen Schlachtefilm. Entweder ist unlogisch bis zum Abwinken (man kann auch komplett beknackt sagen), oder er ist stinklangweilig. Auf den ersten Teil von "Düstere Legenden" traf ersteres zu, auf die Fortsetzung leider letzteres.
Wir knüpfen auch kaum beim ersten Teil an, obwohl die Ereignisse des Vorläufers mal eben erwähnt wurden und sich mit der Ex-Campus-Polizistin Reece auch noch ein Charakter in den Nachfolger gerettet hat. Ansonsten hat der Film nichts mit Teil 1 zu tun, am allerwenigsten mit urbanen Legenden. Die dienen hier nur als latenter Aufhänger für einen zu produzierenden Abschlußfilm einer Filmhochschule, wo es die Profs offensichtlich gern sehen, wenn die Schüler sich lediglich mit Slashers und Thrillern beschäftigen, noch dazu von der hohleren Art.
Naja, der Preis, der zu gewinnen steht, ist ja auch der "Hitchcock"-Award, dessen Namensgeber ja viele Slasher gedreht hat!!! Außerdem ist der Gewinn anscheinend lebenswichtig für eine Hollywood-Karriere, zerstört der Nicht-Gewinn hier gleich ganze Existenzen und der Gewinn wiederum sichert Regisseuren hier Drei-Filme-Verträge in Tinseltown. Falls in den USA ein Produzent das gesehen haben sollte, dürfte er sich naß gemacht haben.
Irgendwo am Rande geht's halt im Abschlußfilm um die "düsteren Legenden", die hier dann natürlich vom Mörder verbraten werden, allerdings so unauffällig und wenig herausgestellt, daß man kaum weiß, daß welche gemeint sind.
Stattdessen wimmelt es hier wahrhaftig von potentiellen Opfern und Verdächtigen ohne Ende, die dem Zuschauer die Auswahl des Mörders wahrhaft schwer machen, nicht zuletzt, weil hier praktisch jeder ein Durchschnittsgesicht ohne Wiedererkennungswert zur Schau stellt. Diesmal trägt der Killer aus unerfindlichen Gründen eine Fechtmaske, statt Kapuzenanorak und scheint denn auch sämtliche Beteiligten an einem gefloppten Film dahinzumeucheln. Ist der Regisseur also gar nicht tot? Ist sein Zwillingsbruder der Mörder. Oder gibt es gar keinen Zwilling?
Die Frage danach ist zwar obligatorisch, aber das hilft dem Film nicht in die Gänge. Zu wenig schauspielerisches Talent, zu wenig innere Struktur, zu wenig filmische Finesse, das führt zu starker Langeweile.
Und als sei das nicht genug und hätte man nicht das Motiv durchschaut, gibt es in der Schlußviertelstunde die probate Kehrtwendung und es wird abracadabra ein neues, bisher nicht einmal ansatzweise zu deutendes Motiv hergezaubert, inclusive eines Killers, der sich noch nicht mal verdächtig gemacht hat.
Das klingt zwar jetzt nach einer netten Surprise, aber tatsächlich provoziert diese Plotwendung eher Ärger, denn es führt den bisherigen Film vollkommen ad absurdum. Der Antrieb des Killers ist dann auch kaum richtig begründbar, die Umsetzung äußerst unwahrscheinlich und ob durch die Ermordung aller Beteiligten, der Mörder dann sicher gewesen wäre, mehr als fraglich. Egal, wir bekommen einen wuseligen Höhepunkt, der erheblich einfallslos ist und das war es dann auch schon.
Sicherlich gibt es schlechter produzierte Schnellschüsse und eine inszenatorische Sorgfalt ist nicht abzusprechen, aber das dramaturgische Wirr und Warr, in Verbindung mit der lächerlichen Plot-Wendung am Schluß, lassen einen das ganz schnell wieder vergessen. Nicht schlechter, aber auch nicht besser als Teil 1. Nützt das jetzt jemandem? Egal, schnell wieder vergessen! (3/10)