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1850er Jahre: In der Siedlung Loop im Mittleren Westen der USA haben 3 Siedlerinnen ihren Verstand verloren. Die ledige Farmerin Mary Bee Cuddy (Hilary Swank) erklärt sich bereit, die Frauen zu einer Methodistenpfarrei nach Iowa zu bringen. Sie befreit den desertierten Soldaten Jeff Briggs (Tommy Lee Jones), der wegen Diebstahls gehängt werden soll, vom Strick. Er begleitet nun den Treck…

Tommy Lee Jones (geb. 1946 in San Saba, Texas) ist weltbekannt als Darsteller in Filmen, wie „JFK – Tatort Dallas“ (1991), „Natural Born Killers“ (1994) oder der „Men in Black“-Trilogie (1997/2002/2012). Für den Fernsehfilm „Einmal Cowboy, Immer Cowboy“ nimmt er 1995 erstmals auf dem Regiestuhl Platz, 10 Jahre später erhält er für sein Kinodebüt „Three Burials – Die drei Begräbnisse des Melquiades Estrada“ in Cannes den Preis als bester Darsteller und Drehbuhautor. Jones’ 4. Regiearbeit (nach „Sunset Limited“ 2010, TV) ist wieder ein Western, wobei der Regisseur um eine realistische Darstellung der Verhältnisse im erst wenig erschlossenen Westen der Vereinigten Staaten bemüht ist. Das Land ist karg, durch das Mary Bee zum Vorspann den Pflug zieht, niemand mag die resolute 31-jährige heiraten, eine Nachbarin verliert nach dem Tod des Viehs den Verstand, zwei Frauen können den Tod ihrer Kinder nicht verwinden. Ihr kleiner Treck führt nicht mehr nach Westen, sondern zurück in den Osten, zurück zur Zivilisation. Ihre einzige, zweifelhafte Hilfe ist ein Deserteur, Dieb und Indianermörder. Tommy Lee Jones Film hätte ein halbwegs gelungener Abgesang auf die Herrlichkeit des Wilden Westens sein können, auch wenn eine richtige Spannungskurve kaum vorhanden ist und einzelne Rückblenden zeitlich schwer einzuordnen sind. Leider verhalten sich Farmerin und Cowboy mit zunehmender Filmdauer immer unglaubwürdiger, irgendwann wechselt dann die Erzählperspektive überraschend und kaum nachvollziehbar von Mary Bee zu Jeff Briggs. Die letzten 10 von 122 min. hätte sich der Regisseur schenken können. Positiv hervorzuheben ist das zurückhaltende Spiel von Hilary Swank („Insomnia – Schlaflos“ 2002, „Million Dollar Baby“ 2004) als tief gläubige, aber desillusionierte Farmerin und von Grace Gummer („Frances Ha“ 2012) als 19-jährige, die den Tod aller 3 Kinder durch die Diphtherie nicht verwinden kann. Ansonsten enttäuschend. (5,5/10)

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