Review

kurz angerissen*

In schillernder Breite thematisiert Tommy Lee Jones den unterprivilegierten Stand der Frau im Wilden Westen und damit einhergehend ihr Leid, das ebenso vielfältig wie herzzerreißend zur Ausgangslage erklärt wird. Männer, die sich auf die eine oder andere Weise von ihrer Führungskraft losgesagt haben und die Frauen durch ihre Abstinenz dazu verdammen, auf sich alleine gestellt in einer Welt zu überleben, die immer noch von patriarchalen Denkmustern durchzogen ist. Als Folge dessen sieht man Frauen, die über den Infektionstod ihrer Kinder den Verstand verloren haben und solche, die ein schreiendes Baby wie eine schwere Last im Plumpsklo versenken, um Erleichterung zu finden. Hilary Swank indes spielt eine vordergründig starke Frau, deren Schwächen allerdings gleich in der Eröffnungssequenz offengelegt werden: Sie findet wegen ihrer dominanten Art keinen Mann, der sie heiraten und mit ihr das Feld bestellen würde, wird also ganz direkt Opfer vorgezeichneter Gesellschaftsstrukturen, die starke Frauen einerseits nicht dulden und schwache Frauen im Stich lassen.

Dementsprechend leer, karg und öde fühlt sich die Kutschfahrt durch die endlosen Weiten der Prärie an. An der trostlosen Auslegung archaischer Muster hat der Regisseur seit „Three Burials“ (2005) wenig geändert. Oft ist weit und breit nichts zu sehen als der Horizont, einmal erwähnt Swanks Figur sogar, dass sie manchmal richtige Bäume vermissen würde.

An einem solchen trifft sie schließlich den von Tommy Lee Jones selbst gespielten Briggs, ebenfalls alleine gelassen auf seinem Pferd mit einem Strick um den Hals. Ab hier verändert sich die Dynamik der Geschichte erstmals und bei weitem nicht zum letzten Mal. Die episodische Anmutung des zweiten Abschnitts kann eine verwirrende Wirkung haben und in Ratlosigkeit münden. Wenigstens der harte, völlig unerwartete Cut etwa zur Filmmitte hin ist jedoch ein erzählerischer Kniff, der das gewählte Thema noch einmal mit aller Bitterkeit unterstreicht. Spätestens hier hebt sich Jones' vierte Arbeit auf dem Regiestuhl von allen Standards ab.

Spätere Episoden mögen die Wirkung Endresultats vielleicht wieder ein wenig verwässern... Die Begegnung mit Tim Blake Nelson mag noch dazu beitragen, den Beschützer und seine Fracht enger aneinander zu binden, die Hotelepisode allerdings sticht mit ihrer Note herb-zynischen Humors radikal aus dem Gesamtbild. Als dann kurz vor Ende noch Meryl Streep auftaucht, ist das vielleicht schon wieder zu viel der prominenten Gastbeiträge. Trotzdem brennt „Homesman“ als unkonventioneller, gesellschaftskritischer und dabei leicht sentimentaler Western lange nach.

*weitere Informationen: siehe Profil

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