Review

(Schnarch-)Fest für die Sinne

Hast du noch mehr drauf als cool zu sein & heiß auszusehen? Was bist du für ein Typ? Mehr Schein als Sein? Was geht in deinem Kopf vor, was willst du uns sagen? Kannst du Regie führen? Wer sind deine Vorbilder? Weißt du was du tust? Überhebst du dich? Findest du deinen eigenen Stil? Kannst du Geschichten erzählen?

All dies & noch viel mehr, waren meine Fragen vor dem Film an den guten Ryan Gosling - meiner Meinung nach einer der größten & coolsten Filmstars aktuell auf unserem Planeten! Und einige davon wurden mit dem mysteriös-wunderhübschen Lost River auch beantwortet... leider nicht ausschließlich zum Positiven.

In dem verträumten Kunstfilm geht es um eine alleinerziehende Mutter, die sich auf Grund Geldmangels & drohendem Verlust des Hauses in dem Unterwelt-Club einer verfallenden Stadt wiederfindet. Ihr älterer Sohn findet gleichzeitig einen Fluss über einem verlassenen Dinopark, befreundet sich mit der Nachbarin & flüchtet vor dem lokalen Psychopathen...

Ich habe selten so oft die Stirn im Kino gerunzelt, ebenso selten so oft gegähnt (auch wenn Horsehead letzte Woche ähnlich war, nur viel spannender). Außerdem war ich nach den 90 Minuten einerseits froh, dass es endlich vorbei war, andererseits beeindruckt wie mutig Gosling sein Debüt gegen den Mainstream stellt & gleichzeitig war ich eher unglücklich über die Investition in das Kinoticket. Viele Anzeichen also für einen schwachen Film, der viel will & wenig kann. Und ein paar Gründe Gosling noch eine Chance zu geben. Ein Ben Affleck, der auf dem Regiestuhl sicher besser aufgehoben ist als vor der Kamera, ist er zwar noch nicht, aber es ist ja schließlich noch kein Meister vom Hollywood-Himmel gefallen. Und Charme, gute Ansätze & Kultpotenzial kann ich Lost River auch gar nicht absprechen. Aber die Geschichte & Erzählweise... sehr zäh, langweilig, nichtssagenden (oder zu viel, wie man es sehen will) & verkopft. Gähn & Staun zeitgleich.

Spannung kommt so gut wie nie auf, Mitgefühl auch recht selten. Und wenn es dieser zwei wichtigen Faktoren mangelt, was bleibt dann noch? Ein toller Soundtrack, unheimlich hübsche Bilder, viele Deutungsansätze über Veränderungen in einer zerfallenden Gesellschaft, gute Schauspieler, offen-mysteriöse Geschehnisse. Aber der Kern der Sache - ein guter Film - wird meilenweit verfehlt. Und wenn man dann auch noch bedenkt, dass Gosling bei seinem Zwitter aus Lynch & Winding Refn, aus Twin Peaks & Only God Forgives, viele dieser Style-Elemente von seinen Vorbildern, Mentoren & Freunden abgekupfert hat, dann bleibt da noch weniger übrig als graues Mittelmaß. Man muss ja nicht alles mögen, was künstlerisch wertvoll & arthouse scheint. Schade. Vielleicht beim nächsten Mal.

Fazit: gute Vorbilder & ein unglaublich hübscher Stil reichen nicht, lieber Ryan! Das ist hübsch kopiert & schlecht selbst gemacht zugleich... aber war ja erst dein Regie-Debüt ;) Wiederholung & eindeutige Steigerung mit mehr Substanz & ähnlicher Schönheit dringend erwünscht!

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