kurz angerissen*
Dieser Neowestern gewinnt vornehmlich aus seinen Nuancen, die etwa in den Gesichtern der hervorragend besetzten Darsteller zu finden sind. Jeffrey Dean Morgan greift relativ spät in die Handlung ein, jedoch nicht zu spät, um seine Präsenz noch ausspielen zu können. Eva Green ruft ein völlig anderes Set an Facetten auf als in ihren bekannteren Filmen. Doch insbesondere Mads Mikkelsen ragt einmal mehr heraus. Als dänischer Einwanderer bringt er einen Hauch Exotik ins Genre, verhilft der minimalistischen Einleitung also zu einem Spannungsantrieb, und drückt der Handlung einen Stempel süßer Verbitterung auf, noch bevor der eigentliche Plot Point am Ende des ersten Akts die Verhältnisse für den weiteren Verlauf zurechtrückt. Danach dann erst recht.
Die Außenseiterperspektive, die Kristian Levring auf das Amerika des 19. Jahrhunderts wirft, ist dennoch unbestritten der immer noch geltenden Post-Unforgiven-Ära (1992) zuzuordnen. Die rudimentären Strukturen der Kleinstadt Black Creek sorgen für atmosphärische Bilder einsamer, staubiger Wege und im Auf- oder Abbau begriffener Holzbauruinen, von denen einige bereits zu Holzkohlen verkümmert sind – schade, dass diese Intimität gegen Ende mit einigen wenigen CGI-Shots von Feuer oder Ölpumpen aufgebrochen wird.
Das Thema des Films ist ein altes und kann dank Mikkelsens eindringlicher Performance immer noch packen, allerdings ist schon früh nur allzu offensichtlich, wohin die Wege führen. Ob man sich nun in tiefere Komplexität gewagt oder einen noch puristischeren Weg gesucht hätte, in jedem Fall wäre es von Vorteil gewesen, die klischeehafte Dramaturgie besser aufzulösen. Die Positionen der Darsteller sind ähnlich einfach abzulesen wie im Schach, lassen dabei aber strategische Züge vermissen, die überraschen.
Allerdings ist „The Salvation“ mit eineinhalb Stunden nicht allzu lang und lässt sich so als stilvoller Adrenalinauslöser gut aushalten.
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