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Joe Young ist ein gottesfürchtiger Mormone aus Utah und in L.A. unterwegs, um neue Anhänger für seine Kirche anzuwerben. Da gerät er störenderweise in einen Porno-Dreh, erweist sich aber, als der Rausschmeisser in verdreschen soll, als veritabler und durchschlagkräftiger Sportkämpfer. Da er zudem noch Schauspielerfahrung hat, will der Regisseur ihn sogleich engagieren als Orgazmo, ein Superheld, der die Bösewichter mit Hilfe seines Sidekicks Choda Boy und mit seinem Orgasmusstrahler ausser Gefecht setzt. Natürlich verbieten Joe seine Religion und seine moralischen Grundsätze, bei solch einem Film mitzumachen, aber da er dank einem Schwanzdouble eh nicht selbst rangehen muss und es ihm die zwanzigtausend Dollar Gage zudem ermöglichen würden, die Traumhochzeit zu finanzieren, die sich seine Verlobte Lisa (die in Utah zurück geblieben ist) so sehr wünscht, sagt er schlussendlich doch zu. Zu seinem Entsetzen wird der Film ein riesiger Erfolg (womit das Risiko steigt, dass einer seiner Angehörigen in Utah davon erfährt), Lisa kommt überraschend nach L.A. zu Besuch und ausserdem tauchen ein paar Fiesowichte auf, die es nötig machen, das Joe zum echten Orgazmo wird und zusammen mit Choda Boy auf Verbrecherjagd geht…

Nach dem saulustigen, aber vergleichsweise harmlosen CANNIBAL! THE MUSICAL feuern Trey Parker und Matt Stone hier eine Breitseite von Geschmacklosigkeiten ab, die mehr als einmal an die Serie SOUTH PARK erinnern, die ihnen wenig später zum Durchbruch verhelfen sollte: So wirft Choda Boy mit einer Unmenge an Dildo-Waffen um sich oder muss Joe sich von einer fetten Pornodarstellerin von gargantuesken Ausmassen besteigen lassen und besonders nett ist natürlich der Orgasmusstrahler, den Ben alias Choda Boy – der neben seiner Beschäftigung als Pornodarsteller studierter Physiker und ein genialer Erfinder ist – entwickelt und mit dem man selbst alten Omas, äh, Freude bereitet.

Schon allein die Grundprämisse – unbelecktes, pfandfindermässig harmloses und gläubiges Landei wird mit der ganzen Unsittlichkeit eine Pornodrehs konfrontiert – sorgt für gewaltige Erheiterung, aber auch sonst herrschen kaum zu fassende, absurde Situationen vor, wobei Parker und Stone mit schöner Regelmässigkeit immer noch einen draufsetzen, und auch wenn nicht absolut jeder Gag zündet, so ist die Trefferquote doch gross genug, dass der Zuschauer schon nach kurzer Zeit mit Bauchkrämpfen wimmernd am Boden liegt (sofern er mit dem deftig-debilen Humor etwas anfangen kann - Alkohol mag dabei helfen). Dabei funktioniert ORGAZMO nicht nur als Gagparade, sondern bietet auch eine durchaus spannende und gelungene Story, in welcher gekonnt das eine oder andere Actionfilmklischee oder Filmzitat verbraten wird. (Schade ist aber, dass der Film trotz der Thematik relativ prüde ist, was gezeigte Nudity angeht: Soweit ich das überblicke, ist kein Paar Brüste zu sehen, bei dem nicht zumindest die Nippel verdeckt sind. Aber wer auf nackte, haarige Männerhintern steht– würg –, kriegt hier einiges geboten…)

Von Ausstattung und Technik sieht der Film zwar etwas nach Low Budget, aber immerhin eine Ecke professioneller aus als der erwähnte CANNIBAL! Zudem überzeugt Parker trotz aller Beschränkungen als Regisseur vollends und sorgt unter anderem für eine gewitzte Kameraführung.

Die Schauspieler übertreiben, wie man es sich nicht schöner wünschen kann. Tray Parker ist die perfekte Besetzung für die Hauptrolle, aber auch alle anderen Beteiligten müssen sich ihrer Leistungen nicht schämen (und man achte auf Pornostar Ron Jeremy in einer Nebenrolle oder Lloyd „Troma“ Kaufman in einem kleinen Auftritt als Arzt).

Fazit: ORGAZMO ist ein Meisterwerk des schlechten Geschmacks und kruden Humors (und sogar noch eine Ecke witziger als der nun schon inflationär als Vergleich herangezogene CANNIBAL! THE MUSICAL). Muss man gesehen haben!

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