"Jede Geschichten hat zwei Seiten."
Die Polizistin Rachel (Pollyanna McIntosh) ist gerade auf dem Weg zu ihrer ersten Nachtschicht in einer schottischen Kleinstadt, als sie Zeugin eines Unfalls wird. Obwohl von dem angefahrenen Opfer keine Spur zu finden ist, nimmt sie den Raser fest und lässt nach dem angefahrenen, älteren Mann (Liam Cunningham) fahnden. Dieser wird einige Zeit später gefunden und prophezeit, dass um Mitternacht die Hölle über sie hereinbrechen wird.
"Let Us Prey" bedient sich eines sehr experimentellen Rahmens um eine klassische Geschichte um das Bezahlen der Sünden zu erzählen. Eine dichte Atmosphäre ist dabei das einzige Hoch des übernatürlichen Horrorthrillers.
Die einfache Handlung, die sich überwiegend in einer Polizeistation abspielt, wird bruchstückhaft erzählt. Immer wieder unterbrechen an Visionen erinnernde Rückblenden das aktuelle Geschehen. Diese sollen die Figuren ein wenig näher beleuchten. Gelingen tut dies allerdings nicht. Die Charaktere bleiben durchgehend oberflächliche Stereotypen, denn die Rückblenden zeigen nur grob ihre Taten ohne ihnen ein Profil zu geben.
Lange bleibt somit die Spannung auf der Strecke. In den ersten beiden Dritteln ist "Let Us Prey" nicht bemüht Spannung aufzubauen. Schlimmer noch: Er tritt die Glaubwürdigkeit mit den Füßen. Wenig nachvollziehbar sind die stets menschenleeren Straßen der Kleinstadt. Das Profil der Polizisten ist mehr als fragwürdig und der Ausgang der Geschichte allzu vorhersehbar.
Durch die schroffe Musikuntermalung und die humorlose Inszenierung ist zumindest die düstere Stimmung gelungen eingefangen.
Die wenigen, harten Gewaltszenen wirken recht Fehl am Platz. Weder sehen sie besonders gut aus, noch fügen sie sich harmonisch in die Geschichte ein. Der Vorwand, unbedingt blutige Bilder zu liefern, wirkt hier eher plakativ.
Von den gerade mal drittklassigen Darstellern heben sich Liam Cunningham ("Game of Thrones") sowie Pollyanna McIntosh ab. Aber auch diese beiden unterliegen ihren geradlinig geschriebenen Rollen.
Einer wirklich guten Atmosphäre liegt ein vollkommen auf zweckmäßig getrimmtes Setting zu Grunde, das für Logik keinen Platz hat. Ärgerlich, denn "Let Us Prey" könnte mit einem Spannungsbogen, vielseitigen Charakteren und einer ausgefeilteren Inszenierung so viel mehr sein. So aber verpuffen die wenigen Gewaltspitzen nach zu langer Durststrecke zu nichts. Selbst in der ungeschnittenen Variante.
2 / 10