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„Silverado“ ist ein witziger, moderner Western, der mit einem gut aufgelegten Starensemble punkten kann.
Im Zentrum von Lawrence Kasdans ironischen Spätwestern stehen vier Männer mit Prinzipien, die dafür auch kämpfen: Der junge Draufgänger Jake (Kevin Costner), sein älter, ruhigerer Bruder Emmett (Scott Glenn), der Scharfschütze Paden (Kevin Kline) und der schwarze Farmersohn Mal (Danny Glover). Diese vier werden vom Schicksal zusammengeführt, als sie sich in der kleinen Stadt Turley alle aus unterschiedlichen Gründen mit dem Sheriff anlegen, der arrogant und unfähig ist. Schon mal ein ironischer Beginn, der sich genug Zeit lässt, die Charaktere sorgsam einzuführen.
Aus unterschiedlichen Gründen wollen auch alle vier nach Silverado, doch vor Ort macht sich die Ernüchterung breit: Der korrupte Sheriff und Ex-Bandit Cobb (Brian Dennehy) und ein machtgieriger Rinderbaron haben das Städtchen fest im Griff und unterdrücken die Bewohner. Doch die vier Revolverhelden lassen sich nicht so leicht unterkriegen, zumal sie teilweise auch Familie in Silverado haben…

Lawrence Kasdans Spaßwestern gehört sicherlich nicht zu den Genrebeiträgen, die sich durch eine sonderlich originelle Story auszeichnen: Langsam schaukelt sich der Konflikt der vier Helden mit dem korrupten Rest der Bevölkerung hoch, ein paar alte Rechnungen gibt es dabei noch mit zu begleichen und wie das am Ende ausgeht, kann sich jeder selbst denken. Doch trotz dieses Mangels an Originalität wird „Silverado“ nie wirklich langweilig, denn Geschichte wird zwar eher ruhig, aber dennoch mit dem nötigen Tempo erzählt. Da sieht man dann gerne darüber hinweg, dass die Wendungen der Geschichte bestenfalls mäßig überraschen.
Zudem kann Kasdan mit dem richtigen Maß an Ironie glänzen. Die Cowboys reißen coole, aber nie unpassende Sprüche (z.B. wenn Jake erklärt, warum er in den Knast gekommen ist) und auch der fiese Cobb hat immer einen trockenen, oft auch hinterhältigen Kommentar drauf. Hinzu kommt Kasdans stimmungsvolle Inszenierung, die zwar an alte Western erinnert, aber trotzdem modern genug für einen 80er Jahre Film wirkt. Ständig scheint ein Hauch genüsslicher Erinnerung an alte Wildwest-Zeiten in der Luft zu liegen, doch muffig wirkt „Silverado“ trotzdem nicht.
Auch die Charaktere sind recht gut ausgearbeitet. Da wäre zum einen Jake, der junge Draufgänger, dessen Liebschaften ihn ständig in Schwierigkeiten bringen und der seinen Wesen entsprechend johlend mit zwei Colts ballert. Emmet hingegen ist ruhiger, aber dennoch agil und beherrscht diverse Waffen meisterhaft. Paden hingegen hat eine nicht ganz saubere Vergangenheit, betrachtet die Welt mit sanfter Ironie und braucht meist nur einen präzisen Schuss zur Fieslingsbeseitigung. Daneben ist Mal der bärige, ruhige Farmerstyp, der auf sein Gewehr und sonst wenig in der Welt verbraucht. Auf derartige Weise werden auch die Nebencharaktere sauber ausgearbeitet und durch ihre Gesten charakterisiert (Cobb macht sich nicht oft die Hände schmutzig und versteckt sich lieber hinter seinem Sheriffstern, der feige Verräter benutzt am liebsten ein verborgenes Messer usw.).

Was „Silverado“ leider fehlt, das sind die richtig großen Schauwerte. Die meisten Schießereien sind gut gemacht, aber Genrestandard. Erst in den letzten Minuten dreht Film so richtig auf, wenn erst eine Farm inmitten einer Stampede gestürmt wird und es anschließend zum Showdown kommt: Hier sind die Gefechte wirklich super choreographiert und besitzen einigen Ideenreichtum (z.B. einen Fiesling via springendem Pferd ausschalten).
Schauspielerisch kann „Silverado“ auf jeden Fall punkten, denn das komplett prominent besetzte Ensemble spielt wirklich klasse. Vor allem Scott Glenn liefert eine tolle Performance ab; schade, dass man ihm so selten Hauptrollen zugesteht. Lediglich ein paar der guten Darsteller sind etwas verschwendet; Rosanna Arquettes Charakter z.B. hat kaum eine richtige Funktion innerhalb der Geschichte.

Bleibt unterm Strich ein wenig innovativer, aber ironischer und gut gemachter Unterhaltungswestern, der nur noch ein paar Schauwerte mehr vertragen könnte.

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