“Ich hatte noch nie Freude am Töten.“
Der Plan ist klar, die Mobilmachung der jüngeren, der neuen Generation für den Western, nach fünf (eigentlich vier) Jahren Atempause (wenn man Hugh Wilsons Rhapsodie in Blei, 1984) mitzählt, die auch als Gegenentwurf zu Eastwoods Pale Rider (nahezu gleiche Grundgeschichte, aber klein, rau, nahezu mystisch) gesehen werden kann, dort alleinstehend, hier im Ensemble. Aufgegangen ist der Plan nicht, die Frucht erst später in Young Guns für einen Moment erblüht, zu weit entfernt der eigene Anspruch von den Quellen, zu sehr auf Nummer Sicher gehend, nach Schema F, aber nicht als "Yuppie Western" gestrickt; ein Credo, welches voreilig nach Der große Frust (1983) gefällt wurde, als die Kunde vom neuen Projekt die Runde ging. Gefüllt mit einer Handvoll Durchstartender ist die Produktion dennoch wichtig, ein größeres Projekt, durchaus mit Publikum vorhanden, bloß nicht genug, in Sachen Rentabilität, die man sich später mit Videoverkäufen und Fernsehrechten geholt haben wird, der Film ("I don’t know whether audiences are really resistant to Westerns--that’s the inherent question ‘Silverado’ will test. It’s obviously what has scared Hollywood all these years.” ~ Lawrence Kasdan) durchaus bekannt, mit Kevin Costner der erste Western, selbst Jeff Fahey ist dabei, wichtig für Horizon (2024), der erste Antrieb:
Emmett [ Scott Glenn ] will seinen Bruder Jake [ Kevin Costner ] in Turley treffen und gemeinsam über Silverado nach Kalifornien reiten, ab Silverado auch mit ihrer Schwester Kate [ Patricia Gaul ] samt Ehemann JT [ Earl Hindman ] und dem gemeinsamen Sohn. Auf dem Weg nach Turley rettet er in der Wüste dem ausgeraubten Paden [ Kevin Kline ] das Leben, gemeinsam werden sie Zeuge, wie in Turley der Schwarze Mal [ Danny Glover ] von Sheriff Langston [ John Cleese ] der Stadt verwiesen wird, und gemeinsam müssen sie sich bald gegen Sheriff Cobb [ Brian Dennehy ], den mörderischen Rancher McKendrick [ Ray Baker ] und den skrupellosen Tyree [ Jeff Fahey ] antreten. Was für eine Rolle der nach außen hin elegant scheinende Slick [ Jeff Goldblum ] spielt, wissen die Vier dabei noch nicht.
Erst hört man mehr, als man sieht, dann kommen Einzelteile in das Bild, verschiedene Dinge, die ein Gesamtkonzept ergeben, die alle zusammen genommen, einzeln weniger wichtig sind. Geschossen wird, laut und treffsicher, aus dem Schlaf gerissen, die Tür geöffnet, die Panoramen gezeigt, viel und heftig trompetet. Zwei Pferde, ein Mann, eine Reise, mal von links in das Bild, mal von rechts, das Ziel nur ihm bekannt, für die Zuschauer werden eher Kreise gezogen, die erste Orientierungslosigkeit, keine wirkliche Alternative.
Die Weite dafür episch, die Besetzung bald auch, die Darsteller, ihre schiere Schar als Zuordnung. Erst ein Mann, dann zwei Mann, dann die Dialoge, die Diagnose, die Geschichte langsam im Gang, eine frühe Bekanntschaft, ein Cowboy ohne Hosen, ohne Waffen, dennoch ein Duell, die Armee bald involviert. Mit leichtem Humor wird hier gearbeitet, die Kasdan-Brüder initiieren verbalen Schlagabtausch, visuelle Effekte, viel Kommunikation, viel Kennenlernen. Man kennt sich, man hat Schulden gemacht, es gibt Vorgeschichten, Silverado ist das Ziel.
Durchaus mit Tempo wird begonnen, viel geritten, Meilen zurückgelegt, Witterungen gewechselt, mal Sand, mal Schnee. Viele Individuen hier, alle irgendwie wichtig, jeder bekommt seine eigene Vorstellung, es gibt sogar eine Prügelei in einem Salon. Ein Whisky und ein Bett oft das einzige Ziel des Tages, Ruhe und Ordnung wird auch zuweilen gesucht, wenig davon geboten, es gibt viel Ärger: Eine Hinrichtung zu verhindern, eine Rache zu vollziehen, eine Reise anzutreten und sie auch zu beenden, es werden Puzzle zusammen gefügt, es werden Gruppierungen gebildet; (“It was a combination of two things they don’t like--a high budget and a Western. Columbia had been supportive about the script, but they were very nervous about the genre.” ~ Lawrence Kasdan.)
Das ist dekorativ gehandhabt, junges Blut, frisches Leben, nach außen hin zumindest, die Städtchen (gedreht wurde auf der jetzigen Cerro Pelon Ranch, Santa Fe County, New Mexico) erdig, die narrative Konstellation, das kommerzielle Kalkül. Das ist alles etwas hopplahopp und aufgedreht, es werden rasch die Pistolen und Gewehre gezückt, Flucht und Verfolgung, ein Abenteuerfilm, mit verschiedenen Zuständigkeitsbereichen und Funktionen, mit Zufälligkeiten und Auffälligkeiten, mit Schwelgen von Mutter Natur, mit viel Frohsinn, mit Trompeten pur. Nach Norden geht's hier, nach Süden, verschiedene Situationen werden geboten, das ganze Genre geplündert. 'Hübsche Ladies' gibt es auch, gut zwei Stunden ist der Film lang, jedem wird hier eine fortwährende Bestandsaufnahme geleistet, verschiedene Möglichkeiten ausprobiert, breit gestreut das Ganze, verschwommen der Fokus, ein Stelldichein verschiedener Szenen, die Welt ein bräunlich geschmücktes Dorf mit vielfältiger Verzierung und Vertiefung hier.
Vorschläge werden gemacht, teilweise Theater gespielt, Ablenkungsmanöver, ein Cowboyspiel auf Schritt und Tritt. Ein Quartett bald im Augenschein, finanzieller Aufwand nötig und Unterstützung auch geboten, es wird sich getroffen und getrennt und wieder getroffen, alle Wege führen nach Silverado hier, ähnlich wie dort nach Horizon. Kline hilft hier, Glenn vor allem, der Rest eher Ergänzung im Kostüm, Costner zeigt sein Potenzial, Glover bereits Abgeklärtheit. Ein Film als Versuch, als Startschuss von Karrieren, für Wyatt Earp (1994) die Fingerübung, nicht besser und nicht schlechter; ausdauernd und Ausdauer verlangend sind beide Filme, beide poliert und gewienert. Viele Statisten, auch Männer-und-Frauenbeziehungen, manchmal romantisch, meist eher steif, manchmal knarzt noch der Sattel, das Drehbuch raschelt, wie bei Horizon auch die 'Störung' einer Feierlichkeit. Erst wird in die Luft geschossen, dann auf den Leib, es gibt insgesamt viele kleinere Konfrontationen, eine sich eher steigernde Anspannung, eine 'Bitte', eine Entscheidung, ein korrupter Sheriff ("Was ist denn hier los, Sheriff?" - "Sieh's Dir aus einem Versteck an."), eine Stampede, ein Ranch-Shootout, dann auf zum letzten Gefecht, auf fremden Gebiet.