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Okay, sie hatten wohl nichts, doch irgendeinen Grund muss es seinerzeit gegeben haben, warum die Serie "Sekunden entscheiden" in den polnischen Sechzigern zum Straßenfeger avancierte und der Titelfigur den Namen der "Rote James Bond" einbrachte. Jahrzehnte später wird die Hauptfigur zwar vom selben Hauptdarsteller von damals gegeben, doch genauso betagt wirkt die Agentennummer zuweilen auch.

1945, Königsberg: Der polnische Doppelagent J-23 formiert als Nazi Hans Kloss und soll verhindern, dass das Bernsteinzimmer verschifft wird. 1975 besucht er in Madrid die Beisetzung eines Nazis und erhält prompt die Order, die fehlenden Puzzleteile in Polen und Deutschland zu finden, um somit das Versteck des Bernsteinzimmers ausfindig zu machen. Doch der Doppelagent verfolgt seine eigenen Pläne...

Dem Polen Patryk Vega standen rund drei Millionen Euro für seine Kriegsaction zur Verfügung, was nicht unbedingt krachende Effekte verspricht. Doch besonders das Szenario um 1945 offenbart das Gegenteil, als diverse Explosionen stattfinden, die Ankunft der Sowjets relativ authentisch daherkommt und auch diverse Fahrzeuge direkt aus jener Zeit stammen könnten. Die Parallelhandlung in den Siebzigern ist zwar ebenfalls grandios ausgestattet, doch diesem Part der Geschichte mangelt es eindeutig an Suspense, zumal die komplexe Story mit relativ vielen Namen wohl eher einige Grundkenntnisse voraussetzt.

Der junge Kloss performt zwar zuweilen arg drüber, doch er wirkt weitaus sympathischer als die Rentnerfigur der Siebziger, denn in der Form könnte die Chose auch glatt als Parodie durchgehen. Ohnehin fallen Teile der später angesiedelten Handlung reichlich hanebüchen aus, denn man will nicht nur das Vierte Reich errichten, Leute im Arbeitslager ausfindig machen oder einen fast Achtzigjährigen blitzschnell zu Schusswaffen greifen lassen, sondern auch diverse Agenten untereinander ausspielen, während der Showdown in einem Leuchtturm in Rostock nur bedingt spannend ausfällt.

Immerhin wird ab und an solide Action geboten, obendrauf gibt es ein paar unerwartet blutige Einschüsse, herumliegende Leichenteile, abgetrennte Gliedmaße und eine durchbohrte Kehle, was fast durchweg ohne CGI auskommt und auch auf die meisten Explosionen zutrifft.
Kleidung, Fahrzeuge, Inventar und Ausstattung der Kulissen bilden die Glanzpunkte des Streifens, dem man sein vergleichsweise niedriges Budget nur sehr selten ansieht. Hinzu kommt eine zu jeder Zeit variable und versiert positionierte Kamera und ein tauglicher Score, welcher allerdings etwas abwechslungsreicher hätte ausfallen können.

Etwas hölzern und über weite Teile altbacken wird der Stoff zwar vorgetragen, doch zuweilen sind durchaus spannende Momente auszumachen und auch die Entwicklung der Agentengeschichte der Vierziger weiß zu gefallen. In den Siebzigern verkommt die Story indes zu einer leicht drögen Schnitzeljagd für Rentner, der die Glaubwürdigkeit im Minutentakt flöten geht. Dennoch im Gesamtbild recht unterhaltsame Kost, welche aufgrund der leicht unüberschaubaren Figurenkonstellationen erhöhte Aufmerksamkeit benötigt, mithilfe einiger Action, grundsolidem Handwerk und sorgsamer Ausstattung über manche Schwachstelle der Geschichte hinwegtröstet.
5,5 von 10

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