Der Film erzählt die Geschichte der FIFA, von ihren Begründern, dem langjährigen Präsidenten und Schöpfer der Fußball-WM Jules Rimet, gespielt von Gerard Depardieu, von Joao Havelange, gespielt von Sam Neill, unter dem der Fußballweltverband Milliarden von Dollar einnahm und natürlich von Sepp Blatter, gespielt von Tim Roth, der den großen WM-Zirkus nach Afrika brachte.
Wer den Schaden hat, der braucht bekanntlich für den Spott nicht zu sorgen und das scheint insbesondere dann zu gelten, wenn es der allseits verhasste Fußballweltverband FIFA ist, der auf die Nase fällt. So gibt es kaum einen Kritiker, den Verfasser dieser Review eingeschlossen, der nicht mit unverhohlener Schadenfreude auf das katastrophale Einspielergebnis dieser vom ehemaligen FIFA-Boss Sepp Blatter vorfinanzierten Produktion zu sprechen kam. Der über 20 Millionen Euro teure Film, der in Deutschland erst gar nicht im Kino erschien, spielte am Startwochenende in den USA unglaubliche 918 Dollar ein, es fanden sich also schätzungsweise 100 zahlende Kunden, was wiederum nicht einmal einem einzigen gut gefüllten Kinosaal entspricht. In den übrigen Ländern, in denen das Machwerk erschien, lief es nicht besser. Angesichts der verheerenden Kritiken und der Durchschnittswertung von ca. 2,0 in der IMDB sind knapp 1000 Dollar US-Box-Office aber eigentlich noch zu viel.
Der Film beginnt pathetisch bis peinlich. Eine Riege von Visionären und Freunden des Sports gründet den Fußballweltverband, was angesichts der britischen Vorherrschaft im Fußball zunächst nicht allzu erfolgsversprechend erscheint. Wenn die Männer das Gründungsdokument unterschreiben, ertönt im Hintergrund eine feierliche Musik, als handle es sich um die Unabhängigkeitserklärung der USA oder die Goldene Bulle - nur eben, dass die Männer, welche die FIFA begründeten, nach Meinung des Fußballweltverbandes, wohl größer waren als George Washington oder die deutschen Kaiser. Regisseur Auburtin hatte jedenfalls gerade noch verhindern können, dass der Film auf Vorschlag des Verbandes „Men of Legend“ benannt wurde.
Was dann folgt, ist ein schlechter Film, der die Geschichte des Fußballverbandes chronologisch erzählt, den Sportfunktionären die größte Aufmerksamkeit schenkt und nur dann einigermaßen unterhält, wenn es am Rande auch mal um die Geschichte des Sports, um die großen Turniere, Emotionen und Spieler geht. Die Gründungsjahre sind dabei, vor allem wegen der durchaus tauglichen historischen Kulissen, noch einigermaßen erträglich, wenngleich der Film weiterhin vor Pathos und Selbstbeweihräucherung geradezu übersprudelt. Nach dem von Gerard Depardieu ordentlich gespielten Jules Rimet, betritt dann ein solider Sam Neill als Joao Havelange die Bühne, woraufhin das Ganze auch noch todsterbenslangweilig wird, weil es immer mehr um Vertragsabschlüsse und WM-Vergaben geht und noch weniger um den Sport.
Doch dann tritt endlich Tim Roth, der sich, wie auch andere Beteiligte, noch vor dem Kinostart für sein Mitwirken entschuldigte, als Sepp Blatter in Erscheinung und der Film ist gerettet. Was zuvor schon allzu pathetisch dem Einsatz der Sportfunktionäre für den Fußball huldigte, die völkerverbindende Funktion des Sports und die großartigen Errungenschaften der FIFA beschwor, wird jetzt zur reinen Sepp-Blatter-Propaganda. Korruption und Vetternwirtschaft gibt es im Film zwar auch, aber nur unter dem Vorgänger des Schweizers, mit dem im Film aber auch bei weitem nicht hart genug ins Gericht gegangen wird. Doch unter Blatter - so viel ist nach seiner ersten großen Ansprache klar - kann, darf und wird es keine Korruption geben - zumindest, wenn es nach dem vor Blut und Lügen triefenden Film geht. Überhaupt war Blatter ja auch unter seinem Vorgänger Havellange derjenige, der die großen Verträge (z.B. mit adidas-Chef Horst Dassler) abschloss, derjenige, der in einer Pressekonferenz nach der Schande von Gijon die Kohlen aus dem Feuer holte, während Havelange feige den Rückzug antrat. Am Ende holt der Mann, der niemals ruhen will, bis nicht auf jedem Kontinent eine WM gespielt wurde, ebendiese nach Afrika. Wir sehen schließlich einen jubelnden Nelson Mandela, daneben den „Man of Legend“ Sepp Blatter.
Das ist natürlich alles schauerlich schlecht und kaum ein Film hätte die Mindestwertung von einem Punkt mehr verdient als dieses Machwerk, doch am Ende ist es auch eine große Satire, wenngleich ungewollt. Dass es einen Jack Warner nur im richtigen Leben, nicht aber in diesem von Sepp Blatter finanzierten FIFA-Märchen gibt - geschenkt, viel relevanter und witziger ist doch, dass der Film pünktlich zum Rücktritt Blatters wegen diverser Korruptionsvorwürfe erschien. Vor diesem Hintergrund wird „United Passions“ auch dem humorlosesten Zuschauer ein seliges Schmunzeln entlocken. Außerdem ist der Film entlarvender als vieles, was die US-Ermittler über Blatter und seine Organisation herausgefunden haben. Blatter wollte wohl erreichen, dass ihn ein jeder endlich so sieht, wie er sich selbst betrachtet: Als Aspirant auf den Nobel-Preis, als Institution auch über die Welt des Sports hinaus, als obersten Korruptionsbekämpfer bei der FIFA. Der Film entführt so in die Scheinwelt eines alten Mannes, der nie müde wurde zu betonen, dass er von allen Staatschefs der Welt persönlich empfangen wird, dass seine Organisation mehr Mitglieder umfasst als die Vereinten Nationen. Was bleibt, ist nicht das intendierte, positive Bild von Blatter, sondern das eines Sportfunktionärs, dessen Selbstverständnis und die triste Wirklichkeit kaum weiter auseinanderklaffen könnten, eines selbstherrlichen Lügners und Betrügers, der in den Geschichtsbüchern eben nicht zwischen Mutter Theresa und Nelson Mandela, sondern eher zwischen Al Capone und Silvio Berlusconi zu finden sein wird.
Fazit:
„United Passions“ ist nicht nur eine grauenhafte Selbstbeweihräucherung der FIFA mit Tendenz zur Selbstbefriedigung Sepp Blatters, es ist reine Propaganda. Der Anfang ist pathetisch, der Mittelteil todsterbenslangweilig, das letzte Drittel spielt in einer regelrechten Parallelwelt. Blatter versucht, sich sein eigenes Denkmal zu setzen und offenbart dabei viel von seinem kruden Selbstbild. Während der Film bei der Huldigung Blatters jede Schmerzgrenze überschreitet, kann man nach der jüngsten Verhaftungswelle gegen FIFA-Funktionäre nur noch Schmunzeln. Ein hundsmiserabler Film, zum Ende hin aber eine große Komödie. Nichtsdestotrotz sollte der nächste Film über den Fußballweltverband besser von Martin Scorsese inszeniert werden, der kennt sich mit Mafia-Stoffen aus.
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