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Hannibal hat wieder Appetit!

Wenn Hannibal Lecter, der Menschenfresser mit dem Doktordiplom zuschlägt, sind Alpträume vorprogrammiert. Nach "Das Schweigen der Lämmer" und "Hannibal" kehrt Anthony Hopkins ein drittes Mal in die Rolle des ebenso gestörten wie brillanten Mörders zurück. In Roter Drache verleiht er Dr. Lecter erneut diabolische Präsenz. Das Buch von Thomas Harris war bereits in den 80er Jahren unter dem Titel Blutmond verfilmt worden, bevor "Das Schweigen der Lämmer" von Jonathan Demme "Hannibal the cannibal" zur morbiden Pop-Ikone gemacht hatte. Der Erfolg von Ridley Scotts "Hannibal" bewog die Produzenten schließlich dazu, Dr. Lecter ein drittes Mal zuschlagen zu lassen.

In "Roter Drache" handelt es sich dabei um die Vorgeschichte zu den anderen beiden Streifen. Im Mittelpunkt steht nicht die FBI-Agentin Sterling, sondern Special Agent Will Graham (Edward Norton). Graham, der sich vom FBI zurückgezogen hat, soll einen letzten Fall lösen – den eines gefährlichen Serienmörders (Ralph Fiennes), der sich selbst "Roter Drache" nennt, polizeiintern aber als die Zahnfee bezeichnet wird. Um an den Mörder heranzukommen, benötigt Graham die Hilfe seines alten Erzfeindes Dr. Lecter, der sich auch tatsächlich bereit erklärt, ihm zu helfen. Was der FBI-Agent jedoch nicht weiß: Hannibal Lecter hintergeht ihn und übermittelt dem Killer Informationen über Grahams Familie.

Regisseur Brett Ratner ("Rush Hour", "Rush Hour 2"), der ja eher für komödiantische Filme steht, hat mit "Roter Drache" ein meisterliches Remake zu Michael Manns "Blutmond" inszeniert. Der Film überzeugt durch seine stilvolle und düstere Optik und kommt auch mit wenig Blut aus, hat aber dafür auch ein paar sehr gute Schockeffete und weißt ziemlich große Spannung bis zum Finale hin auf. Doch der Film wäre nicht so überragend ausgefallen ohne seine Weltklasse-Darsteller. Anthony Hopkins ("Das Schweigen der Lämmer", "Auf Messers Schneide") als Dr. Hannibal Lecter agiert in seiner Paraderolle mal wieder absolut grandios und das Edward Norton ("Fight Club", "American History X") eigentlich in allen seinen Rollen eine hervorragende Performance hinlegt, wird wohl allen bekannt sein, und dies beweist er auch hier als Special Agent Will Graham. Doch die größte Überraschung ist Ralph Fiennes ("Der Englische Patient", "Schindler’s Liste") in der Rolle des Titeltragenden psychopathischen Mörders Roter Drache. Alleine schon seine ausstrahlende Mimik wirkt auf den Zuschauer beängstigend. Die Nebendarsteller sind mit Harvey Keitel ("From Dusk Till Dawn", "Reservoir Dogs") und Emily Watson ("Equilibrium - Killer of Emotions") ebenfalls klasse besetzt.

Fazit: Beängstigend, stilvoll, spannend und absolut überzeugende Darsteller - Regisseur Brett Ratner hat mit "Roter Drache" einen hervorragenden Thriller der absoluten Spitzenklasse hingelegt. Für mich war der Film das Thriller-Highlight des Jahres 2002 - Brillant!

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