Review

Eins vorweg: "Schweigen der Lämmer" habe ich nicht gesehen. Nach "Hannibal" hatte ich auch nicht das Bedürfnis danach, doch dies hat sich nun nach "Roter Drache" geändert...
Dieser Kommentar enthält Spoiler - bitte nicht lesen, falls Film noch nicht gesehen.
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Nach einer schicken Lasershow im Kino, dessen Name ich aus Gründen des freien Wettbewerbs nicht nennen möchte ;-], fängt also der Film an und es ist Lector zu sehen, der mir seit "Hannibal" etwas unsympathisch ist. Schnell wird mir bewusst, dass Graham (gespielt von Edward Norton, der durch "Fight Club" einige Sympathiepunkte bei mir sicher hat) das nächste Opfer von Lector ist und deshalb sehe ich dem Film etwas skeptisch entgegen. Überrascht und erfreut bin ich, als Graham in seinem Überlebenskampf Lector einen Pfeil reinpfeifft und ihn danach schön mit Blei vollpumpt...

Die Darstellung der Rollen gefiel mir durch den ganzen Film. Da wäre einmal Lector als gebildeter Psychopath, der ständig hinter Gittern (bzw. Plexiglas) oder in Fesseln im Hochsicherheitstrakt zu sehen ist, was ich durchaus begrüßte.
Und dann halt Graham, der erfahrene Experte für Fälle dieser Art, der jedoch auch nicht perfekt ist und Fehler macht. Anfangs vorsichtig ("Ich bleibe nur im Hintergrund") steigert sich Graham immer mehr in den Fall rein. Als er in einer Sackgasse steht, wagt er dann die Kooperation mit Lector und am Ende ist sein Leben und das seiner Familie bedroht - meiner Auffassung nach wurde eine glaubwürdige und spannende Entwicklung gezeigt.

Der eigentliche Bösewicht ist Dolarhyde (Ralph Fiennes), der jedoch nicht nur der typische Psychopath ist, den man in jedem zweiten B-Movie zu sehen bekommt. Seine Vorstellung der rote Drachen zu sein und der persönliche Zweifel zwischen seiner guten und schlechten Seite fand ich zwar etwas verwirrend; dagegen gefiel mir aber die Darstellung der Beziehung zwischen ihm und der von Emily Watson gespielten Blinden, deren Name ich vergessen hab.

Erwähnenswert finde ich noch den Journalisten, der stets als schmieriges Arschloch gezeigt wird. Natürlich wird gerade dieser dann vor laufender Kamera von Dolarhyde gequält und getötet. Das ist zwar etwas klischeehaft, aber wir als Zuschauer sehen doch lieber jemanden sterben, den wir nicht leiden können, oder nicht? Zumal ja sogar Dolarhyde als jemand gezeigt wird, der auch gutes tun kann und somit nicht zum Durchschnittsbösewicht degradiert wird.

Zusammengefasst kann ich sagen, ich bin ohne Erwartungen ins Kino gegangen und wurde bestens bedient. Details, durch die für mich ein Film zu "klischeehaftem Popcorn-Kino-Schrott" wird (man nenne es von mir aus auch Banalitäten anstatt Details), sind mir nicht aufgefallen - eher war das Gegenteil der Fall.

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