"Roter Drache" von Brett Ratner
1. Story
Bei der Festnahme des gefährlichen Psychopathen Dr. Hannibal Lecter (Anthony Hopkins) entgeht FBI-Agent Will Graham (Edward Norton) nur knapp dem Tod. Grund genug für ihn, den Dienst zu quittieren. Doch schon nach kurzer Zeit ist das FBI erneut auf seine Hilfe angewiesen.
Ein Serienmörder (Ralph Fiennes), der in Vollmondnächten schlafende Familien heimsucht, hinterlässt eine grauenhafte Spur des Schreckens. Graham nimmt den Auftrag an und versucht sich in die Psyche des Killers, der nur die "Zahnfee" genannt wird, hineinzuversetzen. Dabei ist er auf die Hilfe eines ähnlich genialen und gestörten Geistes in Form von Dr. Hannibal Lecter angewiesen, der mittlerweile im Hochsicherheitsgefängnis einsitzt. Doch Lecter verfolgt seine eigenen Pläne.
2. Schauspieler
Es ist schon erstaunlich, wieviele Topschauspieler Regisseur Brett Ratner in diesem Film unterbringen konnte: Anthony Hopkins, Edward Norton, Ralph Fiennes, Harvey Keitel, Emily Watson, Philip Seymour Hoffman.
Die beste schauspielerische Leistung in diesem Film bietet ohne Frage Ralph Fiennes in der Rolle des Killers Francis Dolarhyde. Er spielt den geistig zurückgebliebenen, jedoch grausamen Sadisten perfekt und man nimmt ihm seine Rolle wirklich ab. Edward Norton bietet auch eine solide Leistung ab, aber er kann einfach nicht zu seiner Hochform auflaufen - von Norton kennt man bereits viel besseres ("American History X", "Zwielicht"). Anthony Hopkins spielt seine Paraderolle wieder gewohnt souverän. Auch seine Leistung kommt zwar nicht an seine vorangegangenen Arbeiten ("Das Schweigen der Lämmer") an, trotzdem ist immer noch die typisch Lecter-Intensität in seine Augen. Auch herausragend gut spielt meiner Meinung nach Philip Seymour Hoffman, der seine besten Leistungen jedoch unter P.T. Anderson in "Boogie Nights" und "Magnolia" hervorbrachte. Emily Watson als die blinde Reba ist auch sehr gut. Ihre großen Kulleraugen und die unschuldige Miene machen sie zu etwas Besonderem. Von Harvey Keitel kennt man zwar auch besseres, aber in "Roter Drache" ist er immer noch solide.
3. Musik
Meisterkomponist Danny Elfman, der schon Kulthits wie den "Batman"-Score oder das "Simpsons"-Theme hervorbrachte, läuft hier wieder zur Hochform auf. Bedrohlich untermalt seine Musik einfach perfekt die Atmosphäre des Films. Sehr gut!
4. Kamera
Der geniale Kameramann Dante Spinotti ("Sleepy Hollow") fing die Bilder von "Roter Drache" ein und zauberte ein ästhetisches Glanzstück der Kameraführung auf die Leinwand. So gut wie jede Aufnahme besticht durch die düsteren Blautöne und die Kamerawinkel und Nahaufnahmen sind von einer ungeheuren Ästhetik. Wirklich wunderschön!
5. Fazit
Zuerst kam "Manhunter", der wahrscheinlich aufgestylteste der Hannibal Lecter-Filme unter der Inszenierung von Meister-Regisseur Michael Mann ("Heat"). Danach kam der Film, der den Hannibal Lecter-Hype so richtig ins Laufen brachte: Jonathan Demmes ("Philadelphia") "Das Schweigen der Lämmer". Ridley Scotts Beitrag zur Lecter-Saga folgte mit dem brutalsten der Filme - "Hannibal". Und nun schickt Regie-Youngster Brett Ratner ("Rush Hour") sein Remake von "Manhunter" auf die Kinoreise - "Roter Drache". Meiner Meinung nach ist "Das Schweigen der Lämmer" einfach ungeschlagen der beste der Lecter-Filme, gefolgt von "Manhunter", danach "Roter Drache" und zum Schluss "Hannibal". Wäre "Roter Drache" ein eigenständiger Film und hätte es die vorhergehenden Lecter-Filme nicht gegeben, würde dieser Film zum Meisterwerk avangieren - doch mit der Lecter-Vergangenheit fällt Ratners "Roter Drache" qualitativ eine Stufe nach unten.
Ungewöhnlich gut ist die Inszenierung des Films geraten. Niemand hätte gedacht, dass ein Action-Comedy-Regisseur wie Ratner jemals einen so seriösen Thriller drehen könnten - er hat seine Feuertaufe wirklich bravourös bestanden! Was jedoch in "Roter Drache" fehlt ist der letzte, kleine Funke. Viele Sachen scheinen mir einfach aus "Das Schweigen der Lämmer" herausgeklaut zu sein - und das stört wahre Hannibal Lecter-Fans. Auch einige, richtig dicke logische Fehler haben sich eingeschlichen. Ich werde jetzt keine aufzählen, weil ich sonst spoilern müsste.
Ein interessanter, sehr unterhaltsamer und guter Film, bei dem einfach der letzte Schliff fehlt.
Anspruch: 1 von 5
Action: 3 von 5
Spannung: 4 von 5
Humor: 0 von 5
Musik: 3 von 5
Erotik: 0 von 5
Insgesamt: 8/10