Obwohl erst 2002 gedreht, stellt "Roter Drache" den Vorläufer von "Das Schweigen der Lämmer" da und ist zugleich ein Remake von Michael Manns (Collateral) "Blutmond".
FBI-Profiler Will Graham (Edward Norton) gelingt es, den Kannibalen Hannibal Lecter (Anthony Hopkins) zu fangen. Graham selber wird bei der Festnahme von Lecter schwer verletzt. Kurz darauf steigt Graham beim FBI aus. Einige Zeit später ist das FBI allerdings erneut auf seine Hilfe angewiesen, als der psychopathische Massenmörder Francis Dolarhyde (Ralph Fiennes) in Vollmondnächten schlafende Familien abschlachtet. Graham nimmt den Auftrag an und versucht in die Psyche des Killers hineinzuversetzen. Jedoch ist er bei seinen Ermittlungen auf die Hilfe von Hannibal Lecter angewiesen, der aber eigene Pläne verfolgt...
Edward Norton (American History X) hat mir als Will Graham etwas besser gefallen als William Petersen (Fear). Einen besseren Schauspieler als Norton hätte man für diese Rolle auch nicht finden können, da er gewohnt brillant und hervorragend agiert. Anthony Hopkins (Die Maske des Zorros) ist und bleibt der perfekte Lecter-Darsteller, und sieht hier rollenbedingt auch jünger aus als in "Hannibal". Ralph Fiennes (Schindlers Liste) spielt einen zufrieden stellenden Psycho-Killer. Philip Seymour Hoffman (Magnolia) gibt einen glaubwürdigen Revolverblatt-Fritzen ab, der als lebende Rollstuhl-Fackel endet. Harvey Keitel (From Dusk Till Dawn) ersetzt hier Dennis Farina und spielt seinen Part recht ordentlich. Mary-Louise Parker (Black Devil) bleibt hingegen als Molly Graham etwas blass, auch wenn sie im Finale Dolarhyde den Todesstoß versetzen darf. Emily Watson (Equilibrium) hat mir als Reba McClane (verwandt mit John McClane?) nicht so gut gefallen. Da fand ich Joan Allen (Die Bourne Verschwörung) in "Blutmond" besser.
Wie auch in "Das Schweigen der Lämmer", "Hannibal" und "Blutmond" ist die Action hier recht rar eingesetzt worden, da man sich ja auch in einem Thriller befindet. Glücklicherweise kommt "Roter Drache" nicht so geleckt daher wie "Hannibal", sondern versprüht die gute alte "Das Schweigen der Lämmer"-Atmosphäre. In diesem Punkt hat Regisseur Brett Ratner (Rush Hour) alles richtig gemacht. Dann ufert der Film auch nicht in sinnlosen Brutalitäten a'la "Hannibal" aus, sondern deutet die Bluttaten meistens nur an. Das Finale in Grahams Haus, das in "Blutmond" erst gar nicht stattfindet, bietet dann noch einige spannende Momente inklusive blutiger Einschusswunden. Auch der Anfang, wo Graham Lecter stellt, ist in "Blutmond" nicht vorhanden. Hier wird gezeigt, wie Lecter überhaupt in seiner Zelle gelandet ist , wo ihn später Jodie Foster verhören wird.
Ohne die Schlussszene von "Roter Drache" könnte man auch meinen, dass der Film erst nach "Hannibal" stattfinden würde, da Lecter an dessen Ende ja immer noch auf freiem Fuß ist. "Roter Drache" ist aber die Vorgeschichte zu "Das Schweigen der Lämmer", und das ist auch gut so.
"Roter Drache" stellt damit den zweitbesten Teil der Hannibal Lecter-Trilogie da.