Mit mehreren Bondabenteuern und „Remo“ ist Guy Hamilton eher Spezialist für Agentenfilme, aber auch seine „Luftschlacht um England“ weiß zu gefallen.
Aufgearbeitet werden die Ereignisse des Jahres 1940, in dem die deutsche Streitmacht Frankreich besiegte und die britischen Truppen zwang, sich auf die eigene Insel zurückzuziehen. Denen bleibt nur die Politik der verbrannten Erde übrig: Man zerstört sämtliche Flugzeuge, die man beim Rückzug nicht mitnehmen kann, was die Lage der eigenen Truppe noch weiter schwächt. Historische Authentizität ist dabei auch gegeben und es wird auch der eine oder andere Satz zitiert, der in die Geschichte einging.
Als die Engländer es ablehnen sich den Nazis zu unterwerfen, beschließen diese Stärke zu demonstrieren: Die deutsche Luftwaffe fliegt unablässig Angriffe gegen Großbritannien. Mit dem Mut der Verzweifelung wehrt sich die unterlegene Royal Air Force…
Der ganz besondere Pluspunkt bei „Luftschlacht um England“ sind (wer hätte das gedacht?) die Luftkämpfe. Stukabomber, Messerschmidts, Spitfires und sonstige, authentische, nur in ganz wenigen Ausnahmefällen nachgebaute Flugzeuge tummeln sich in den Fliegerszenen, welche nicht nur für das Entstehungsjahr wirklich spektakuläre Schauwerte bieten. Luftkämpfe und Bombardements überzeugen mit reichlich Kriegsaction und einiger Pyrotechnik und sind zudem in großer Masse vorhanden: Nach der actionarmen Einführungsphase kommen die Luftschlachten in schöner Regelmäßigkeit und sorgen für gute Unterhaltung.
Das ist auch bitter nötig, denn so gut es mit den Schauwerten aussieht, so wenig elanvoll kommt die Abteilung Charaktere daher. Über die meisten Figuren erfährt man kaum etwas und selbst tragische Schicksale wie der Verlust der kompletten Familie bei einem Bombenangriff werden nur so nebenbei abgehandelt. Zudem kann man die einzelnen Personen kaum unterscheiden, sobald sie in den Cockpits sitzen und so reißen die Geschichten um die einzelnen Figuren mit. Doch immerhin wird dieses Element nicht allzu ausgewalzt und dient eher als Verbindung zwischen den Kriegsszenen, sodass sich hier keine allzu großen Hänger auftun.
An dieser Unterentwicklung der Charaktere haben dann auch die Schauspieler zu knabbern, denn trotz Unmengen von Größen wie Laurence Olivier, Christopher Plummer oder Robert Shaw dienen die bekannten Gesichter bestenfalls als Landmarken, damit man so ungefähr weiß, an welchem Schauplatz man sich gerade befindet. Viele der Schauspieler, vor allem Michael Caine, versuchen zwar ihren Figuren noch etwas mehr Profil abzuverlangen, doch kommen gegen das Drehbuch nicht an, das ihnen hier wenig Raum zugesteht.
Wirklich gut hingegen ist das Bemühen um historische Authentizität, das allzu schlimme Klischees vermeidet, wenngleich die Briten hier natürlich deutlich positiver porträtiert werden als die Deutschen. So wird auch der erste Angriff auf London als Einzelaktion einer deutschen Bombercrew gekennzeichnet, gezeigt, dass die Briten ihre Hilfspiloten aus anderen Nationen auch nicht gerade respektvoll behandelten usw. Auf akustischer Ebene ist „Luftschlacht um England“ dann weitaus weniger objektiv: Patriotische Musik begleitet die Luftschlachten und wird so eingesetzt, dass die britischen Flieger als Helden stilisiert daherkommen.
Schlussendlich hat „Luftschlacht um England“ seine Ecken und Kanten gerade bei dem fehlenden character development, doch der Film hält, was der Titel verspricht: Eine gut inszenierte Aufbereitung der historischen Ereignisse mit reichlich Action in Form von Luftkämpfen.